So schmeckt Weihnachten!
Margit Schönberger, Autorin und Journalistin, vor allem aber Feinschmeckerin, über ihre kulinarischen...

"Ich lache von Natur aus gern, auch noch nach zehn Stunden Arbeit, denn ich liebe meinen Beruf.“ Mit dieser Aura aus positiver Energie, die sich als Mischung aus Herzlichkeit, Kompetenz, Natürlichkeit, Freude am Leben, Selbstsicherheit und Humor beschreiben lässt, infiziert der junge sympathische Schwabe und Leidenschaftskoch ad hoc jeden in seiner Umgebung. Einzige Einschränkung für einen Nichtschwaben: schwäbischer Dialekt, schon am frühen Morgen im ICE-Tempo vorgetragen.
Aber die Übersetzung von Simon Tress folgt prompt, und nach zwei Stunden Mundart-Kurs funktioniert mein eigenes Simultandolmetschen bestens. Außerdem wollen wir nicht parlieren, sondern der Tressschen Passion frönen: dem professionellen Zubereiten von Speisen. Die Liste der Erfolge des jungen Mannes bei internationalen Kochwettbewerben liest sich beeindruckend und wirft die Frage auf: Konnte der heute 26-Jährige erst laufen – oder erst kochen? „Ich konnte Muffins. Die habe ich als kleines Kind so oft gebacken, bis sie keiner mehr sehen konnte.“
Anfänge mit steiler Kurve nach oben
Als zweitältester von vier Jungs am 2. März 1983 in Riedlingen an der Donau geboren, hielt er schon mit 8 Jahren den Gasthof der Eltern auf Trab. Mit 13 Jahren das erste Praktikum als Bäcker, danach als Konditor und als Koch. Mit 16 durfte er endlich die Schule verlassen und in das ersehnte Abenteuer Gastronomie einsteigen. Der Urschwabe, der übrigens statt Kaffee nur „Kaba“ trinkt, absolvierte das volle Programm. Hotelfachschule, Grundwehrdienst in Stetten, nach drei Monaten Wechsel nach Berlin, um für den damaligen Verteidigungsminister Peter Struck zu kochen. Hier wurde Simon Tress zum ersten Mal auffällig – durch sein Talent.
Anschließend kehrte er in die Heimat, an den Herd des Biorestaurants „Zur Rose“ in Hayingen-Ehestetten, zurück und holte sich das erste „F“, eine Auszeichnung vom „Der Feinschmecker“. In dieser Zeit entdeckte Simon Tress seine zweite Leidenschaft neben dem Fußball: das Wettbewerbskochen. „Ich bin ein Teamplayer“, sagt er. 2003 machte ihn seine Gabe, andere zu begeistern, zum Kapitän der Jugendnationalmannschaft. Als solcher reiste er an jedem freien Tag quer durch die Republik, um für den nächsten Wettbewerb in Moskau zu trainieren. Moskau endete mit Jubel: 7-mal Gold, 1-mal Silber, 3-mal Bronze und anschließender Gesamtsieg gegen 18 Nationalteams.
Bio–Standard seit Generationen
Inge Tress: „Wir arbeiten bereits seit 1950 nach dem strengen biologischen DEMETER-Standard. DEMETER gibt es bereits seit 1924, einer Zeit also, in der die Menschen noch nicht einmal satt wurden.“ Das staatliche Biosiegel existiert in Deutschland erst seit dem Jahre 2001. Die Lust am Wahren, Unverfälschten, Naturbelassenem hat natürlich alle Generationen der Familie geprägt.
Simon Tress: „Für mich ist es selbstverständlich, dass Fleisch und Gemüse aus meiner Gegend stammen. Der Kreislauf der Natur funktioniert gerade beim Essen ohne chemische Konservierungs- oder Geschmacksstoffe störungsfrei. Ich schaue morgens nach, was an frischen Lebensmitteln vorrätig ist, und denke mir dann die Rezepte dazu aus. Zum Würzen benutze ich eigentlich nur Salz und Pfeffer. Frische Kräuter kommen beim Braten unzerkleinert in die Pfanne und dürfen ihre Aromen an das Fleisch abgeben. Lieferant ist unser eigener Kräutergarten, den ich vor den Kochkursen in unserem neuen Studio heftig plündere. Ich möchte die Leute überzeugen, dass mit hochwertigen Lebensmitteln nahezu jeder sehr einfach ein tolles Essen zubereiten kann.
Der Familienclan
Bei Familie Tress ist nicht Kleckern, sondern Klotzen angesagt. 40 Angestellte in der Nebensaison und bis zu 120 Mitarbeiter im Sommer zeigen die wirtschaftliche Dimension dieses Familienunternehmens. Zu dem zählen neben dem Restaurant „Zur Rose“ auch das dazugehörige erste Biohotel Baden Württembergs, eine Biomanufaktur, das neue Kochstudio mit Kursen beim Meister persönlich, Schloss Ehrenfels, Schloss Zwiefaltendorf und die ausschließlich mit einem Boot erreichbare „Wimsener Höhle“ mit dem Gasthof „Friedrichshöhle“.
Ganz nach schwäbischer Art bleibt natürlich alles in Familienhand. Dominik Tress, 22, kümmert sich um das neueste Produkt: Herstellung und Vertrieb der seit September erhältlichen ersten DEMETER-Frisch-Fertigsuppen ohne Zusatzstoffe. Die wird es bald deutschlandweit geben. Christian Tress, 25, hat die komplette Buchhaltung unter Kontrolle. Daniel Tress, 29, erledigt das gesamte Management für Tagungen, Hochzeiten oder die Bewirtung des Bundespräsidenten Horst Köhler samt Begleittross im Gasthof „Friedrichshöhle“. Die Seele vom Ganzen, der Retter in der Not, der Kapitän auf der Brücke aber ist Mutter Inge Tress. Sie tanzt täglich im wahrsten Sinne des Wortes auf mehreren Hochzeiten. Bereitet mal eben das Biofrühstück in der „Rose“ vor oder versorgt in der Gaststätte von Vater Albert zwei Dörfer weiter schnell mal 50 Leute mit Livemusik, Schnitzeln und Maultaschen.
Die Kochsiegerliste
5 Fragen und Antworten
von Simon Tress
Mein Lieblingsgericht...?
Der weltbeste Wurstsalat von Oma Josefine und Oma Elisabeth.
Ein Stern ist für mich ...?
Nicht wichtig. Meine Familie, meine Freundin und mein Team sind meine Sterne.
Die Krönung meines Erfolges wäre ?
Eine eigene Fast-Food-Kette mit 100 Prozent Biostandard, wo die Kinder das gute Gewissen der Eltern begleitet.
Was geht in der Küche gar nicht?
Eine Pfanne in der Spülmaschine.
Ein Kochmuffel sollte anfangen mit ?
Muffins. Erfolg und Lust auf mehr sind sicher.
Das Menü
Cremesuppe von der Schwarzwurzel mit Orangenschaum
100 g Schwarzwurzel, 50 g Butter, 200 g Milch, 200 g Orangensaft, 2 g Soja-
Lecithin, Salz, Pfeffer
Zubereitung:
Butter erhitzen, die geschälten Schwarzwurzeln in Würfel schneiden und der Butter hinzufügen, anschließend mit der Milch ablöschen und so lange köcheln lassen, bis die Schwarzwurzeln weich sind. Danach alles fein pürieren, mit Salz und Pfeffer abschmecken. Zum Schluss den Orangensaft leicht erwärmen, mit Lecithin aufschäumen und auf die Suppe geben.
Biosaibling auf lauwarmem Apfel-Ingwer-Chutney
4 x 25 g Saibling, 150 g naturtrüber Apfelsaft, 1 Apfel, Salz, Pfeffer, Olivenöl, Ingwer
Zubereitung:
Den Saibling mit Salz und Pfeffer würzen, in einer Pfanne mit Olivenöl zuerst auf der Hautseite kross anbraten und anschließend auf der Fleischseite in der Pfanne ziehen lassen.
Ingwer je nach gewünschter Schärfe schälen (Tipp: Ingwerschale mit dem Messer abreiben, nicht mit dem Schäler, ergibt weniger Abfall), mit einer Reibe in einen Topf geben und mitsamt dem Apfelsaft auf 50 g einkochen lassen. Die Äpfel mit der Schale fein schneiden und hinzugeben.
Ziegenkäsenougat
50 g Ziegenfrischkäse, 1 g Minze, 5 g getrocknete Rosinen, 5 g getrocknete Aprikosen,
5 g getrocknete Feigen, 5 g getrocknete Datteln, 2 g Kokosraspeln, Salz, Pfeffer
Zubereitung:
Für den Ziegenkäse alle Zutaten vermengen und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Wenn möglich, den Ziegenkäsenougat zwei Tage stehen lassen, damit das getrocknete Obst besser einziehen kann.
*Rücken von der Wildsau und
Brust von der Flugente*
400 g Wildschweinrücken, 400 g Flugentenbrust, Olivenöl, Zitronenthymian, Salbei, Currykraut, 1 Knoblauchzehe, Salz, Pfeffer
Zubereitung:
Den Wildschweinrücken mit Salz und Pfeffer würzen, Olivenöl erhitzen und Kräuter samt Knoblauch in das Öl geben. Anschließend den Rücken kurz in dem Kräuteröl anbraten, damit sich die Poren schließen. Das Fleisch mit den Kräutern in den Ofen stellen.
Die Haut der Flugentenbrust mit dem Messer fein einschneiden, mit Salz und Pfeffer würzen, in derselben Pfanne wie die Wildsau anbraten und zum Wildschwein in den Ofen geben. Beides bei Ober- und Unterhitze bei 150 Grad circa 8 bis 10 Minuten garen.
Wacholder-Zimt-Polenta
400 g Milch, Zimt, gemahlen, Wacholder, gemahlen, Salz, Muskat, Maisgrieß
Zubereitung:
Milch zum Kochen bringen, Zimt, Wacholder und geriebenen Muskat je nach Geschmack hinzugeben. Anschließend bis zur gewünschte Konsistenz den Maisgrieß einrühren. Mit Salz abschmecken.
Weißer Thymianschaum
5 g Thymian, 100 g Butter, 1/4 l Milch, Salz
Zubereitung:
Die Butter erhitzen, den Thymian grob zupfen und zur Butter geben. Anschließend mit Milch ablöschen und ziehen lassen. Nach circa 15 Minuten die Thymian-Milch abpassieren und mit Salz abschmecken. Kurz vor dem Servieren aufschäumen.
Pastinakenpüree
200 g Pastinaken, 100 g Butter, Salz, Gemüsebrühe
Zubereitung:
Pastinaken schälen und in feine Scheiben schneiden. In Butter anziehen, die Gemüsebrühe hinzugeben, Pastinaken weich kochen. Anschließend im Mixer fein pürieren und mit Salz abschmecken.
Rote-Beete-Püree
200 g Rote Beete, 100 g Butter, Salz, Rote-Beete-Saft
Zubereitung:
Die Rote Beete schälen, in feine Scheiben schneiden und in Butter anziehen. Rote-Beete-Saft hinzugeben, Gemüse weich kochen, zum Schluss pürieren.