Fenster- und Türsicherungen, Zutrittskontrolle, Überwachungskameras oder Alarmanlagen: Es gibt viele Möglichkeiten, das Haus vor Einbruch und anderen Gefahren zu schützen. Idealerweise plant man den Einbruchschutz bereits mit dem Hausbau zusammen.
Der beste Schutz gegen Einbruch sei es, zuhause zu bleiben, so die trockene Antwort eines Sicherheitsberaters der Polizei kürzlich in einem Zeitungsinterview. Er spielte damit darauf an, dass die Zahl der Einbruchdiebstähle während der Corona-Jahre mit Homeoffice, Homeschooling, beschränkten Reise- und Ausgehmöglichkeiten auf ein historisches Tief fiel. Seit dem vergangenen Jahr jedoch nehmen die Fälle wieder zu – liegen allerdings zum Glück immer noch sehr deutlich unter dem Niveau von 2019.
Natürlich soll niemand auf Dauer zuhause bleiben, um das eigene Haus rund um die Uhr zu bewachen. Dafür gibt es schließlich Tür- und Fenstersicherungen, Überwachungskameras oder Alarmanlagen. Eine aktuelle Umfrage der Firma Abus und des Meinungsforschungsinstituts YouGov ergab allerdings, dass knapp die Hälfte der Deutschen keinerlei Sicherheitssysteme nutzt, obwohl Einbruch durchaus als ernsthafte Gefahr gesehen wird und leider nicht wenige Befragte auch schon eigene Erfahrungen damit gemacht haben. Deshalb sollte beim Hausbau das Thema Sicherheit denselben Stellenwert haben wie etwa das Heizsystem oder die Ausstattung des Badezimmers.
Einbruchschutz von mechanisch bis smart
Dabei geht es nicht darum, das Haus in eine Festung zu verwandeln. Moderne Sicherheitstechnik erledigt ihre Aufgaben unauffällig und diskret, kommt ohne Gitter, oder dicke Schlösser aus. Wichtig ist, die Schwachstellen des Hauses zu erfassen und abzusichern. Mechanische Sicherungen bilden dabei die Grundlage, Elektronische Systeme bis hin zu Smarthome-Lösungen ergänzen sie und bieten zusätzlichen Komfort.
Hauseingang und Haustür
Der Eingangsbereich als Visitenkarte des Hauses soll einerseits freundlich und einladend wirken, zugleich aber Schutz vor ungebetenen Besuchern bieten. Eine gute Außenbeleuchtung hilft, dass Bewohner und willkommene Gäste ohne Stolpern zur Haustür gelangen. Auf potenzielle Einbrecher dagegen wirkt insbesondere von Bewegungsmeldern ausgelöstes Licht abschreckend.
Zur Grundausstattung des sicheren Hauses gehört zudem eine einbruchhemmende Haustür. Was das bedeutet, regelt die europaweite Norm DIN EN 1627. In Abhängigkeit der jeweils eingesetzten Werkzeuge und des benötigten Zeitaufwands, um die Tür aufzubrechen, definiert sie sechs Widerstandsklassen (RC 1 bis RC 6). Für Privathäuser sind Türen der Widerstandsklassen RC 2 oder RC 3 zu empfehlen. Die Erfahrung zeigt: Gelegenheitstäter, die mit relativ einfachen Werkzeugen unterwegs sind, geben einen Aufbruchversuch in der Regel auf, wenn sie nach wenigen Minuten nicht erfolgreich sind.
Mehr Sicherheit als eine einfache Türsprechanlage bietet eine Türkommunikation mit Videostation, die über ein Display drinnen anzeigt, wer draußen vor der Tür steht, Bilder aufnimmt und speichert. Per Smartphone-App lässt sich auch bei Abwesenheit, zum Beispiel im Urlaub, mit Besuchern an der heimischen Haustür kommunizieren – und ungebetener Besuch abweisen. Die Türkommunikation kann auch in ein Smarthome-System eingebunden werden.
Für die Türöffnung sind schlüssellose Systeme auf dem Vormarsch. Zugang per Keypad, Fingerabdruck oder App ist komfortabler und sicherer als ein Schlüssel, der verloren gehen kann. Die Smartphone-App als Türöffner erlaubt es zudem, vertrauten Personen über einen einmaligen Code Zutritt zu gewähren, wenn man selber nicht zuhause ist.
Fenster und Fenstertüren einbruchsicher machen
Fenster und Terrassen- oder Balkontüren sind bevorzugte Einstiegswege beim Einbruch; ihre Sicherung ist daher besonders wichtig. Was den mechanischen Schutz angeht, sollten Fenster mindestens die Widerstandsklasse RC 2 aufweisen, die einbruchhemmende Verriegelung, abschließbare Fenstergriffe sowie einbruchhemmende
Verglasung voraussetzt. Sinnvoll ist die Ergänzung mit elektronischen Sensoren, die beispielsweise erkennen, wenn jemand versucht, ein Fenster zu öffnen oder sich ihm auf einen bestimmten Abstand nähert. Ein visuelles oder akustisches Warnsignal kann dann abschreckend wirken. Andere Sensoren überwachen, ob Fenster bei Abwesenheit geöffnet oder gekippt sind und benachrichtigen die Hausbesitzer per Smartphone.
Auch Rollläden oder Raffstoren können zum Einbruchschutz von Fenstern und Fenstertüren beitragen, wenn sie nach DIN EN 1627 als einbruchhemmend mit mindestens Klasse RC 2 zertifiziert sind. Dafür müssen sie entsprechend stabil und biegefest sein, sodass sich Rollladenstäbe nicht nach oben schieben, Lamellen nicht eindrücken oder herausreißen lassen. Sonnenschutzsysteme, in Kombination mit Beleuchtung, sind auch ein Mittel, um Anwesenheit zu simulieren – eine altbekannte Methode, um Einbrüchen zur Urlaubszeit vorzubeugen. Mit smarter Technik gelingt das besonders überzeugend.
Garage und Nebeneingänge
Ebenso wichtig wie die Haustür: Garagentor, Keller- oder sonstige Nebeneingänge sollten beim Sicherheitskonzept des Hauses, dem Einbruchschutz nicht vergessen werden. Letztere befinden sich oft an sichtgeschützten Stellen und sind dann sogar stärker gefährdet als die Haupteingangstür.
Für Garagentore gibt es eine eigene Norm für Einbruchhemmung (DIN/TS 18194), analog zur DIN EN 1627 mit sechs Widerstandsklassen RC 1 bis RC 6. Empfohlen wird mindestens RC 2. Wenn es neben dem Tor noch eine Tür als zweiten Eingang zur Garage gibt, gelten hier, wie für alle weiteren Nebentüren, die gleichen Ansprüche wie an die Haustür. Auch die Verbindungstür zwischen Garage und Haus darf nicht vergessen werden. Sie sollte sowohl dem Brandschutz als auch der Einbruchhemmung genügen. Ein Garagen- oder Kellerfenster kann man einfach mit einem Gitter schützen.
Videokameras draußen und drinnen als Einbruchschutz
Kameras im Außenbereich erfassen frühzeitig, wer sich dem Haus nähert. Während bei Video-Türkommunikation die Kamera erst in Aktion tritt, wenn die Türklingel bedient wird, zeichnet die Überwachungskamera kontinuierlich auf. Gut sichtbar kann sie abschreckend wirken, weil sie in Verbindung mit einer Alarmmeldung das Risiko erhöht, entdeckt zu werden.
Sollte es dennoch zum Einbruch kommen, können gespeicherte Aufnahmen bei der Aufklärung helfen. Der Trend geht allerdings zu eher unauffälligen Außenkameras, die sich beispielsweise als Leuchte tarnen und sich damit in die Optik der Fassade einfügen. Entscheidend ist immer eine überlegte Platzierung der Kameras, zum Beispiel an eher unbeobachteten Nebeneingängen. Wichtig: Die Außenkamera darf nur auf das eigene Grundstück gerichtet sein, nicht aber etwa auf die Einfahrt des Nachbarn oder öffentliche Zufahrtswege.
Im Haus installierte Überwachungskameras kommen erst dann zum Einsatz, wenn ein Einbruch schon im Gang ist. Mit Alarm verbunden, kann sie den Eindringling zumindest noch stören und in die Flucht schlagen, sowie möglicherweise mit ihren Aufzeichnungen Beweise sichern. Mit Internetverbindung kann man per Innenkamera auch einfach übers Smartphone das Zuhause kontrollieren. Wie im Außenbereich gelten auch für die Videoüberwachung von Innenräumen rechtliche Grenzen: Babysitter oder Putzhilfe beispielsweise dürfen Sie nur mit deren Zustimmung filmen.
Einbruchschutz mit Alarmanlagen
Eine Alarmanlage im Haus mindert das Risiko, als Hausbewohner im Schlaf von Eindringlingen geweckt zu werden oder ihnen direkt in die Arme zu laufen, wenn man nach Hause kommt. Signalton und Blinken einer Sirene können Einbrecher abschrecken und die Umgebung, etwa die Nachbarn aufmerksam machen. Ein sogenannter stiller Alarm geht ans Smartphone der Bewohner oder per Aufschaltung direkt an eine Polizeidienststelle.
Eine Alarmanlage hat zwei Hauptkomponenten: Die Alarmzentrale, so etwas wie das Herz oder Hirn der Anlage, und die Melder, auch Sensoren genannt, die man als ihre Sinne bezeichnen kann. Zu ihnen gehören unter anderem Öffnungsmelder (Kontaktsensoren) an Fenstern und Türen sowie Bewegungs- und Präsenzmelder. Für ihren Einsatz gibt es verschiedene Konzepte je nach Beschaffenheit und Gefährdungslage des Hauses. Bei der Außenhautüberwachung werden alle Fenster und Türen mit Sensoren überwacht, während bei der Schwerpunktüberwachung an besonders kritischen Stellen Bewegungsmelder eingesetzt werden. Eine Fallenüberwachung konzentriert sich auf Bereiche, die Täter betreten müssen, wenn sie sich im Haus bewegen, zum Beispiel Flur oder Treppen.
Diese Komponenten sind über Kabel oder Funk untereinander vernetzt. Entdecken die Sensoren einen Eindringling, leiten sie die Information an die Zentrale weiter. Diese verarbeitet die Meldungen der Sensoren und schlägt Alarm. Das kann das akustische oder optische Signal einer Sirene sein, eine Benachrichtigung aufs Smartphone oder ein automatischer Notruf an einen Sicherheitsdienst. Auch Überwachungskameras im Außen- oder Innenbereich lassen sich in eine Alarmanlage integrieren.
Sicherheit dank intelligenter Haustechnik
Dass Alarmanlagen heute häufiger als früher auch in Privathäusern anzutreffen sind, hat mit der zunehmenden Verbreitung von intelligenter Haustechnik zu tun. So lassen sich Alarmfunktionen relativ einfach in Smarthome-Systeme integrieren, denn diese verfügen über eine zentrale Steuerung und sind über Kabel oder Funk vernetzt. Sensoren kommen im Smarthome auch für andere Zwecke zum Einsatz. Tür- und Fensterkontakte beispielsweise melden zum Lüften geöffnete Fenster, damit die Heizung automatisch herunterfährt. Bei angeschlossener Alarmanlage dienen sie dann auch der Einbruchmeldung und abschreckend als Einbruchschutz.
Schutz vor weiteren Gefahren
Nicht nur Einbruch, sondern auch Brand oder Wasser können dem Haus und seinen Bewohnern gefährlich werden. Rauchwarnmelder sind mittlerweile in allen Bundesländern Pflicht. Wasserschäden hingegen, ausgelöst etwa durch Rohrbruch, defekte Leitungen oder Lecks, werden oft unterschätzt. Viele davon ließen sich durch ein Wassermeldesystem verhindern, das mit Sensoren im Badezimmer, Küche oder Hauswirtschaftsraum Wasseransammlungen auf dem Fußboden erfasst und gegebenenfalls eine Warnmeldung abgibt. Brand- und Wassermeldefunktionen können auch in eine Alarmanlage integriert werden, die damit zur Gefahrenwarnanlage erweitert wird, und die wiederum auch Teil eines Smarthome-Systems sein kann.
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