Wettbewerb „Das Landhaus – Villen, Sommerhäuser, Refugien“

Teilnahmeberechtigt waren frei stehende Wohnhäuser auf dem Land. Neu- oder umgebaute. Die Jury prüfte für ihr Votum fast 400 Arbeiten von 265 Architekten – und vor allem die Frage: Was vermag uns der Uralt-Typus Landhaus, bereits bei den Römern in Blüte, heute zu sagen? Wie steht es um das Potenzial seiner baukünstlerischen und kulturellen Botschaft? Und: Warum fasziniert es uns noch immer?

Bei aller Vielfalt denkbarer Antworten – ein Moment ist nirgendwo wegzudenken: Landhäuser sind in ihrer Ergänzung von Natur und Architektur Sehnsuchtsorte. Kommt es zu solch einem Glücksfall des Gelingens, dann sind sie richtige Schatzinseln.

Wir stellen hier die drei Preisträger-Häuser sowie die zwei mit einem Sonderpreis bedachten Entwürfe vor. Alle Fotos haben wir dem Begleitbuch zum Architekturpreis 2011 „Das Landhaus“ von Planer und Autor Holger Reiners entnommen, erschienen bei DVA.

*1. Platz*

Dieses 300 Jahre alte Bauernhaus in Italien, zur Hälfte durch Brand zerstört, haben die Architekten Wespi de Meuron respektvoll zu einem zeitgemäßen Wohn- und Feriensitz umgebaut – und den 1. Platz errungen. Im Dauerduell zwischen Bewahrern und Neubauwütigen wurden hier die Wert-Konservativen erhört. Stichwörter: Mauerwerk von Grund auf saniert, aber erhalten; neue Zwischendecken und Innenwände weiß verputzt, sodass die großzügigen Weißflächen im Innern gezielt der Lichtreflexion dienen; zugleich die relativ kleinen Fensteröffnungen in Originalgröße und Proportion bewahrt; der Pool als neues Element mit geometrischen Bezügen zu den Gebäuden und assoziative Erinnerung an historische Brunnenbecken geschaffen.

Das Fazit der beiden Architekten: „Das architektonische Erbe wird durch Reduktion auf das Essentielle neu belebt.“

*2. Platz*

In der Schweiz steht dieses neue Landhaus. Die Architekten Hurst Song nennen es „Holzkristall“. Holger Reiners, der daran erinnert, dass gerade die Bergweltarchitektur intelligenter Impulse bedarf, hält „das gekonnte Zusammenspiel der natürlichen Materialien“ für überzeugend. Stichwörter dafür: Verzicht auf Vordach oder gar Dachüberstand, stattdessen tiefe Laibungen in der Fassade; innen wie außen neuartige Kombination von Holz und Beton; Passivhaus nach Schweizer Minergie-P-Standard.

„Durch eine übergeordnete Idee für das Projekt versuchen wir spezifische architektonische Qualitäten herauszuschälen, die sich verdichten beziehungsweise überlagern und auf mehreren Ebenen erfahrbar sind – visuell, haptisch, rationell, emotional.“
Hurst Song Architekten, Zürich, Schweiz

*2. Platz*

Diese ebenfalls mit Platz 2 geehrte Villa, ein Entwurf des Bonner Architekten Uwe Schröder, beschreibt im Grundriss eine Kreuzfigur. Wobei die Arme des Kreuzes in einem außermittig gelegenen Kernraum verschnitten sind. „Dies ist der Wohnraum als kultivierte Bühne der Familie“, so Autor Holger Reiners. Beispielhaft hierfür genannt: Der offene Kamin (rechts) zwischen Küche und Wohnareal löst für die Räume „die Idee der Zusammenkunft“ (Reiners) ein.

„In Abwandlung eines Gedankens von Bruno Taut geht es mir um Proportionen für den schönen Gebrauch der Räume.“
Uwe Schröder, Architekt, Bonn

*Sonderpreis*

Einen Sonderpreis erhielt Michele Arnaboldi für die baukünstlerische Revitalisierung einer sogenannten Rustici-Siedlung im schweizerischen Morobbia-Tal. Beim Erhalt dieser Architektur in den kulturträchtigen, jedoch oft verwaisten Weilern geht es nicht nur um Umnutzung und Ergänzung, sondern auch darum, das von Naturstein geprägte Erscheinungsbild (oben) nicht mit rivalisierenden Farbtönen zu verletzen.

„Architektonische Aufgabe ist es, die Seele und Schönheit des Ortes zu erkennen und aufzuwerten.“
Michele Arnaboldi, Schweiz

*Sonderpreis*

Vater und Sohn – auch ein architektonischer Generationenwechsel: Gleichfalls mit einem Sonderpreis geehrt wurde dieses Ferienhaus am Arendsee für die subtile Beachtung regionaler Baukultur. Das Nachbarhaus hatte der Vater vor 80 Jahren errichtet. Der Sohn ließ mit seinem heutigen Entwurf einerseits gleichsam die Kirche im Dorf – Materialität und Dachform berücksichtigen den historischen Rahmen und das Gebot der Nachhaltigkeit –, ohne andererseits neue Erkenntnisse und Chancen links liegen zu lassen.

„In seiner ursprünglichen Form und Materialität steht das Haus nicht im Kontrast zur umgebenden Natur, sonderngeht eine symbiotische Verbindung mit dieser ein.“
Pfeiffer Architekten, Berlin

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