Ein Fertighaus in Hanglage

Repräsentative Villa in den Weinbergen mit dem Laupheimer Architekturbüro von Mario Boss. (Foto: Schwörerhaus)

Ein Zuhause mit besonderem Wohngefühl

Grundstücke in Hanglage gehören zu den typischen Restflächen und können aufgrund ihres oftmals günstigeren Preises durchaus ein Schnäppchen darstellen. Sie bestechen durch eine unverbaute Aussicht vom zukünftigen Heim auf die Umgebung, bieten interessante Optionen für Terrassen- und Dachgärten, große Fensterflächen, eine reizvolle und unorthodoxe Anordnung der Wohnräume sowie alternative Keller- und Lagermöglichkeiten in den Räumen an der Hangseite. Ein solches Haus ist immer eine Maßanfertigung, bei der Ihnen jedoch alle Möglichkeiten offen stehen. Auch ein Fertighaus in Hanglage ist möglich, denn mittlerweile bieten alle Hersteller passgenaue Lösungen für jede Bausituation.

Planen und Bauen am Hang

Wer ein Baugrundstück am Hang ins Auge gefasst hat, zieht am besten gleich von Anfang an die fachmännische Beratung eines Architekten zurate. Dieser kann anhand der Lage des Grundstücks, des Bebauungsplans und der näheren Umgebung eine erste Einschätzung darüber abgeben, ob sich der Bau eines Hauses in Hanglage an dieser Stelle grundsätzlich lohnt. Dabei muss man sich als Käufer und zukünftiger Bauherr von vornherein im Klaren darüber sein, dass das Bauen in Hanglagen eine größere Herausforderung als auf einer ebenen Fläche darstellt und demnach auch mit höheren Kosten verbunden ist.

Entwurf Gaisbach von Gussek Haus. Gartenansicht
Maßgeschneidertes Fertighaus in Hanglage: Stufenförmig steigt die Klinkerschale vom Keller bis zur Dachkante auf und bildet einen harmonischen Kontrast zu den Granit-Bruchsteinen der Pflanzenbeete. (Foto: Gussek)

Die Neigung des Geländes erfordert zunächst ein detailliertes Baugrundgutachten, im Folgenden eine aufwendigere Erschließung, Bauarbeiten unter komplizierteren Bedingungen, ein solideres Fundament, welches größeren Kräften standhalten muss, eine umfangreichere Isolierung desselben gegen Feuchtigkeit und später die Ableitung von Oberflächen- und Schichtwasser durch Drainagen rund um das Haus. Ab einer Hangneigung von etwa 15 Prozent lohnt sich aufgrund der deutlich höheren Baukosten erfahrungsgemäß ein Hausbau nicht mehr.

Herausforderungen beim Bauen in Hanglage

Neben anderen Umwelteinflüssen bleibt sowohl während als auch nach der Bauphase das Hangwasser das Hauptproblem. Einem erhöhten Druck sowie Mauerschäden an der Hangseite wird mit einem gut geplanten und installierten System von Drainagen vorgebeugt, welche das Wasser vom Fundament ab- und am Haus vorbeileiten. Hierbei sollten die Vorschriften der DIN 18531 bis 18535 unbedingt eingehalten werden. Um gegen jegliche Eventualitäten abgesichert zu sein, empfiehlt sich für ein Haus am Hang in jedem Fall eine sogenannte Elementarschadenversicherung, die auch Schäden durch Lawinen, Erdrutsche und Starkregen abdeckt.

Ein Baugrundgutachten, dessen Kosten 2000 Euro nicht übersteigen sollten, klärt wichtige Fragen nach der Beschaffenheit und Tragfähigkeit des Baugrunds, eventuellen wasserführenden Schichten im Untergrund, zu erwartenden Problemen und potenziellen Gefahren durch Umwelteinflüsse oder Mehrkosten für die Gründung. Fragen Sie am besten beim Bundesverband deutscher Fertigbau nach Gutachtern, damit Ihr Fertighausanbieter direkt mit dem Baugutachten arbeiten kann und es später keine Unklarheiten gibt.

Das Baugeschehen am Hang ist mit intensiveren Erdarbeiten zur Begradigung der Grundfläche verbunden. Auch muss auf einer Baustelle an einem Hang ein erhöhter Aufwand in puncto Absperrung, Sicherung und zusätzlichen Stützelementen für die Baugrube betrieben werden. Oftmals können aufgrund der Bedingungen nur kleinere Maschinen als üblich eingesetzt werden, welche nicht dieselbe Stundenleistung erbringen wie größere.

Kundenhaus Freiensteinau von Bittermann & Weiss Holzhaus. Außenansicht
Aufgrund der Hanglage und des Straßenzugangs auf dem Grundstück ergab sich in diesem Fall ein 2-geschossiger Baukörper, der aber nicht massig wirken sollte. Die bewusst asymmetrische gestaltete Tal-Fassade, gegliedert durch waagrechte und senkrechte Vor- und Rücksprünge, verleiht diesem Fertighaus in Hanglage trotz seiner Größe eine unerwartete Feingliedrigkeit. (Foto: Bittermann & Weiss Holzbau)

Die Himmelrichtung beachten

Auch die Himmelsrichtung spielt bei einem Haus in Hanglage eine durchaus ernst zu nehmende Rolle. So können Häuser an einem Nordhang durch mangelnden Lichteinfall sowie langen Schattenwurf von Gebäuden oberhalb des Hangs gewisse Nachteile haben. Ersteres kann teilweise durch größere Fensterflächen ausgeglichen werden. Häuser an Südhängen erfreuen sich hingegen eines schier übermäßigen Lichtangebots und bieten obendrein Schutz und Isolierung in Richtung Nordseite (Hangseite). Diese Gegebenheiten ermöglichen unter anderem den effizienten Einsatz von Sonnenkollektoren. Ost- und Westhänge bieten entweder Vormittags- oder Nachmittagssonne, sie stellen entsprechend einen Kompromiss zwischen den beiden oben genannten „Extremen“ dar.

Wer sich trotz der genannten Herausforderungen für den Bau eines Fertighauses am Hang entscheidet, tut gut daran, einen soliden und erfahrenen Anbieter zu wählen. Auf keinen Fall sollte es der billigste sein, denn jegliche Probleme, welche sich eventuell später am Bau zeigen, sind bei einem Hanghaus-Fertighaus noch schwieriger und kostenaufwendiger zu beheben als bei einem Haus auf einer Ebene.

Haus Messerschmidt von Baumeister-Haus. Außen
Eine Garage im Untergeschoss bei diesem modernen Bauhaus-Objekt macht die Hanglage es möglich. (Foto: Baumeister-Haus)

Mögliche Bauweisen für Ihr Haus in Hanglage

Haben Sie Ihr Grundstück am Hang erworben, stehen Ihnen verschiedene Möglichkeiten zur Realisierung Ihres Traumhauses zur Verfügung. Der Klassiker ist sicher der Hangbau mit Aushub, bei dem die Gründung in den Hang hineinragt. Hierfür trägt man Teile der Hangseite ab, im entstehenden Einschnitt in den Hang wird das Haus gebaut. Je tiefer das Haus im Hang verankert ist, desto stabiler wird das Gebäude stehen und eventuellen Umwelteinflüssen standhalten.

Bei der Terrassenbauweise passt sich das Haus quasi an die Neigung des Hangs an, Etagen werden entsprechend abschüssig wie Treppenstufen angeordnet. Hierbei gilt es zu beachten, dass ein solcher Bau deutlich mehr Außenwände hat als ein klassisches Haus. Die Anschlüsse und Übergänge zwischen den einzelnen Etagen bedeuten ebenfalls einen zusätzlichen bautechnischen Aufwand. Dafür entschädigen die jeweiligen Dachterrassen, welche man zum Beispiel wunderschön als Dachgärten gestalten kann, sowie der wundervolle Ausblick von jeder einzelnen Etage.

Modum Bungalow von Huf Haus. Außenbereich
Dieser moderne Fachwerkbau ist ein klassischer Winkelbungalow in leichter Hanglage, dessen Panoramaverglasung sich großzügig dem Talblick öffnet. (Foto: Huf Haus)

Split-Level-Häuser

Die sogenannte Split-Level-Aufteilung eines Hauses am Hang stellt eine spezielle Form der Terrassenbauweise dar. Auch hier folgt die Raumaufteilung dem abfallenden Gelände, allerdings unter Verwendung von sogenannten halben Etagen. Dies hat den Vorteil, dass kein unnötiger Platz für Flure und Treppenaufgänge verschenkt wird, sondern die Etagen eher fließend ineinander übergehen. Im Gegensatz zu anderen Häusern in Hanglage ist bei dieser Bauweise auch eine gewisse Barrierefreiheit gegeben, wenn man die Übergänge zum Beispiel durch eingebaute Rampen realisiert. Dies kann im Alter entscheidende Vorteile bezügliche der Barrierefreiheit bieten.

Stelzenbauweise

Für den Fall, dass aufgrund der Beschaffenheit des Baugrundes oder anderer Faktoren ein Aushub des Fundaments nicht infrage kommt, bietet die Stelzenbauweise eine interessante Alternative. Dabei grenzt das Untergeschoss mit der hinteren Kante an den Hang, der vordere Teil wird auf Stelzen aus Beton, Stahl oder auch Holz gesetzt, welche per Punktfundament im Hang verankert werden. Somit befindet sich der vordere Teil des Erdgeschosses, etwa eine Etagenhöhe über dem Bodenniveau, die Eingangstür zum Haus befindet sich meist auf der Rückseite. Die Stelzenbauweise bietet aufgrund der höheren Lage eine noch bessere Aussicht und viel Tageslicht. Zu beachten ist bei dieser Architektur, dass das Haus auch und besonders an der Unterseite eine sehr gute Wärmedämmung benötigt, da die Witterung von allen Seiten auf das Gebäude einwirkt und die natürliche Isolierung durch den Untergrund fehlt.

Hangbau durch Aufschüttung

Zu guter Letzt ist noch der Hangbau durch Aufschüttung zu erwähnen, welcher jedoch im Vergleich zu den anderen Bauweisen nicht so häufig zur Anwendung kommt. Grundsätzlich ist eine gewisse Aufschüttung von Erdreich sowieso Teil eines jeden Hangbaus, und ein Bau durch Aufschüttung ist bautechnisch nur an eher flachen Hängen möglich.

Kellerräume und Garagen

Der Keller eines Fertighauses in Hanglage wird üblicherweise ebenfalls als Fertigkeller installiert. Im Prinzip kann die gesamte Breite des Hauses auf der Hangseite als Keller- bzw. Lagerraum genutzt werden, da dort – mit Ausnahme von Häusern in Stelzenbauweise – von vornherein kein natürlicher Lichteinfall gegeben ist.
Beim Thema Garagen bietet ein Haus am Hang interessante Möglichkeiten, zum Beispiel unterhalb des Untergeschosses bei Stelzenbauweise oder als vorgeschobene Etage mit Option für eine extra Terrasse bzw. einen schönen, vorgelagerten Dachgarten, wenn man das Dach der Garage mit Erde aufschüttet und bepflanzt.