Fertighäuser im Trend – Sicherheit & Qualität

Zäh sind die Vorbehalte und doch wächst auch in Deutschland die Fangemeinde der Fertighäuser. Insgesamt 13.100 wurden zum Beispiel 2010 gebaut. Denn viele Bauherren wollen fix und fertig bauen, ohne hinterher fix und fertig zu sein. Und so macht mancher die Erfahrung, von der Wolfgang Hoerning aus dem niedersächsischen Glandorf berichtet. Vor dem Bau seines Fertighauses durch die Firma Gussek aus Nordhorn war er der typisch deutsche Bedenkenträger.

„Ich hatte erhebliche Zweifel, wenn ich daran dachte: ‚Mensch, kein einziger Stein in der Wand …, kann und wird das gut gehen?‘ Heute weiß ich: Ich würde nur noch mit einem guten Fertighausanbieter bauen.“ Der Autor dieser Zeilen hat in vergangenen Jahren etwa 50 Bauherren in Deutschland, Österreich und der Schweiz, in Italien und England in ihrem neuen Haus besucht, darunter auch Wolfgang Hoerning, und häufig solchen Sinneswandel beobachtet: Anfangs liebäugelten viele mit einem traditionell errichteten Haus. Sie kannten es nicht anders, und die konventionelle Bauweise erschien ihnen am solidesten – ein Bauwerk für die Ewigkeit, aus Steinen, auf die sich bauen ließ …

Doch sobald sich die Interessenten näher mit der Materie befassten, was vor der in der Regel größten Investition im Leben einer Familie wärmstens zu empfehlen ist, begann manch kritischer Geist alternative Bauweisen zu erfragen, zu erwägen und zu beschließen. Die Alternative heißt Holz-Fertighausbau. Er wird im Rohbau industriell so präzise vorgefertigt, wie das beim Stein-auf-Stein unter freiem Himmel kaum möglich ist. Der Fertigbau, merkten Interessenten, versprach Vorzüge im Vergleich zur Methode unserer Vorväter.

Die wichtigsten Vorteile im Überblick: Das Bautempo ist wesentlich höher und damit die Chance, schnell und geldwert aus der Miete zu kommen. Die Einzelgewerke können organisatorisch leichter in einer Hand zusammengeführt, dem Bauherrn so die Chance gegeben werden, in Vertragsfragen einem festen Ansprechpartner statt verschiedenen Unternehmen gegenüberzustehen. Die Bauqualität lässt sich durch Vorfertigung und faktische Wetterunabhängigkeit besser sichern. Die Termintreue ist größer, ebenso die Aussicht auf Festpreisgarantie.

Vorteile, die freilich von einem Systemhausanbieter im Großen und Ganzen auch angeboten werden können. Die Stein-auf-Stein-Methode ist aber insofern kritisch zu betrachten, weil eine Vielzahl kleiner und kleinster Anbieter nicht imstande ist, das Leistungspaket aus einer Hand anzubieten beziehungsweise einen Bauprozess koordiniert und für den Bauherrn sorgenfrei abzuwickeln. Die Energieeffizienz der Haushülle eines klassischen Fertighauses wird wegen der Eigenschaften des Baustoffs Holz im Verein mit nachhaltiger Dämmung von keinem konventionellen Stein-Haus übertroffen. Und das Raumklima, sagen Bewohner oft, sei auch angenehmer.

Zu guter Letzt: Die Gestaltungsfreiheit ist ein halbes Jahrhundert nach Beginn großflächiger Fertighausproduktion heute so unbegrenzt, dass sich industrielle Vorfertigung und individuelles Design nicht mehr ausschließen, sondern gegenseitig beflügeln. Die Vorzüge des Fertighauses, das alle Hersteller vom Rohbauhaus bis schlüsselfertig anbieten, sind so erheblich, dass man sich fragen muss, weshalb sich nur 15 Prozent alle deutschen Bauherren für ein solches Fertighaus entscheiden.

Anderswo sieht es ganz anders aus: In Österreich etwa ist der Anteil mehr als doppelt so hoch. Und in den skandinavischen Ländern werden sogar sieben von zehn Ein und Zweifamilienhäusern in Fertigbauweise montiert. Woher rühren die deutschen Vorbehalte, wieso sind sie hier so hartnäckig?

Es gibt mehrere Gründe, und auch wenn längst nicht alle stichhaltig sind, wirken sie doch als Lustbremse aufs Fertighaus. Der erste hängt mit dem anfänglichen Ruf zusammen: Einst wurde es als Notbaracke erfunden. Als Prototyp des ersten Fertighauses gilt das vom Londoner Zimmermann Herbert Manning 1833 aus Paneelen, Pfosten und Platten gefertigte, transportable Holzhaus mit Leinwanddach für Australien-Auswanderer. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde es dann in Deutschland von der Bauhaus-Avantgarde in gewagten, nicht immer ansehnlichen und von vielen unverstandenen Baukästen entworfen.

Nach 1945 schließlich entstanden am Rand zerstörter Städte vorgefertigte Gebäude in Form schnell aus dem Boden gestampfter Notbaracken aus Wellblech und mit dem typischen halbrunden Dach – die so genannten Nissenhütten. Kurzum: Mit Bauten nach diesem Prinzip verbanden sich damit zunächst Elend, Mangel und Provisorium. Die Plattenbauten der 60er- und 70er- Jahre halfen dringend benötigten Wohnraum in Ost und West zu schaffen, doch eine ästhetische Werbung für das Prinzip Fertighaus waren sie nie. Es ist also mit mit einem Imageproblem auf die Welt gekommen.

Und das wirkt nach. Auch die lange begrenzte Typenbandbreite von Fertighausentwürfen und der damit einhergehende Makel eines Produkts von der Stange zeigten sich als Appetitzügler. Hinzukommt eine heute unberechtigte, aber noch zu beobachtende Scheu selbst einiger der besten Fertighausanbieter, die Möglichkeiten des modernen Fertigbaus mit seiner grenzenlosen Designfreiheit offensiv zu vertreten. Obgleich sie mit gutem
Grund industriell vorfertigen, meiden sie das Wort „Fertighaus“, sprechen lieber vom Holzhaus und Individualheim, vom Energiespar- oder vom Traumhaus.

Alles das kann das Fertighaus heute allerdings leisten. Vorfertigung erlaubt hundertprozentig individuelle Planung. Das Fertighaus in den 60er- und
70er-Jahren entstand mit den Vorteilen der Serie, des Bautempos und des relativ geringen Preises. Heute wollen Bauherren mit Qualität auch Individualität, ein Haus, das nicht genau wie das des Nachbarn aussieht. Das stellt für Fertighäuser kein konstruktives oder technisches Problem mehr dar. Die Toyota-Formel „Nichts ist unmöglich“ haben die besten Fertighaushersteller, die wie Baufritz und Haacke, Haas, Wolf und Sonnleitner,
Okal und Lux, Schwörer und Weber lange am Markt sind, verinnerlicht, verwirklicht und mitunter zur Qualitätsführerschaft geführt.

Dass diese Stärken ihren Preis haben und dass ein Fertighaus nicht automatisch billiger als ein konventionell errichtetes sein muss, ist freilich ebenso wahr. Das beeindruckende Bautempo (der wasserdichte und mithin wetterfeste Rohbau wird zumeist an zwei Tagen gestellt), die straffere Organisation in nur einer Hand, die höhere Fertigungsgenauigkeit, der zuverlässiger kalkulierbare Preis und Einzugstermin,
die erstklassige Energie- und Umweltbilanz, die größere Flexibilität zur bewohnerfreundlichen Nutzung von Installationskanälen für neue Kommunikations- und Medientechnik, die gleichlange Lebensdauer von Häusern in Holzfertigbauweise wie Mauerwerksbauten und vor allem ihre inzwischen unbeschränkte Gestaltungsfreiheit – diese Stärken des Fertigbaus schwächen Vorbehalte und Vorurteile gegen ihn ab. Langsam, aber sicher.

Der Naturwissenschaftler und Fertighausbewohner Dr. Robert Hehenwarter aus Hall in Österreich hob die Planungsverlässlichkeit seines Herstellers Wolf hervor; sie habe „finanziell eine Punktlandung erlaubt“. René Nijsen aus dem Örtchen Boniswil in der Schweiz, als Ingenieur mit Energieeinsparung befasst, sagte, „hierfür gibt es nichts Besseres als das Fertighaus eines Qualitätshausanbieters“ (in diesem Fall von Haas). Mit Blick auf die Unterschiede zwischen moderner und traditioneller Bauweise fügte er an: „Wenn ich ein Auto kaufe, baue ich es auch nicht in der Garage zusammen.“

Veterinärmediziner Alexander Egfeld aus Niederbayern, der mit seiner Frau zunächst „nicht im Traum daran denken mochte, ein Fertighaus zu bauen“, ist „froh, dass wir uns dann doch einen solchen Traum gegönnt und von der Stein-Zeit verabschiedet haben“. Einzelmeinungen – keine Frage. Aber es werden doch immer mehr.

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