Erbbaurecht – die lohnende Alternative zum Grundstückskauf ?

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Mit Erbbaurechten, die meist über 99 Jahre erteilt werden, läßt sich ein eigenes Haus bauen, ohne Baugrund kaufen zu müssen.

Auf dem Weg zu den eigenen vier Wänden stellen die hohen Grundstückspreise für viele Bauwillige eine Hürde dar. Wie attraktiv erscheint da doch die Möglichkeit, nur die eigentlichen Baukosten schultern zu müssen. Von seiner Einführung nach dem Ersten Weltkrieg an sollte das Erbbaurecht Bodenspekulationen bekämpfen und den Wohnungsbau fördern. Schließlich konnten es sich auf diese Weise mehr Menschen leisten, ihr eigenes Haus zu bauen. Insbesondere Kirchen und Kommunen, seltener Privatpersonen, bieten auch heute noch sogenannte Erbbaurechte an, die Ihnen erlauben, Ihr Häuschen zu bauen, ohne den Boden dafür kaufen zu müssen. Fragen Sie mal in Ihrer Gemeinde nach – vielleicht können Sie sich ja den Grundstückskauf tatsächlich sparen. Ob sich das für Sie allerdings am Ende wirklich lohnt, liegt in Ihrem eigenen Ermessen. Für den eigenen Grund und Boden haben Sie Ihren Baufinanzierungskredit in der Regel nach 25 bis 30 Jahren abbezahlt. Dann ist Schluss mit monatlichen Ratenzahlungen. Im Erbbaurechtsverhältnis wird hingegen so lange eine monatliche Gebühr fällig, wie Sie, Ihre Kinder oder Ihre Enkel in dem Haus wohnen. Sie zahlen quasi Miete für Ihr Grundstück. Und diese monatliche Gebühr kann vom Erbbaurechtgeber in der Regel vertragskonform regelmäßig erhöht werden. Wenn in Zukunft ein Anbau ansteht oder Sie einen Kredit aufnehmen möchten, können Sie im Erbbaurechtsverhältnis auch nicht ganz so frei walten wie auf eigenem Grundstück: Spätere große bauliche Eingriffe oder das Belasten Ihres Hauses müssen Sie nämlich mit dem Erbbaurechtgeber abstimmen. Hinzu kommt, dass Sie (beziehungsweise Ihre Kinder und Enkel) das Haus immer schwerer verkaufen können, je näher das Ende des Erbbaurechtsvertrages rückt. Dann nämlich geht Ihr Haus an den Grundstückseigentümer. Ihren Erben können Sie diesen Moment allerdings heute schon etwas versüßen, indem Sie mit dem Erbbaurechtsgeber eine möglichst attraktive Abfindungsregelung aushandeln.

Wenn Sie ein Erbbaurechtsverhältnis eingehen, erhalten Sie also einen unmittelbaren finanziellen Vorteil, denn Sie müssen in diesem Fall keinen Grundstückskauf mehr finanzieren. Ihre Baufinanzierung beschränkt sich somit aufs Wesentliche – auf die Baukosten. Die zukünftigen Bedingungen für diese unmittelbare Ersparnis sollten Sie sich jedoch genau vor Augen führen.


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Lesen Sie den ausführlichen Bericht ab Seite 138 in der Ausgabe Mai/Juni 2015 mein schönes zuhause°°°


Kristof Warda

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