Keine Heizkörper, kein zusätzliches Klimagerät: Die Fußbodenheizung lässt der Raumgestaltung viel Freiheit. (Foto: Uponor)
Heizen und Kühlen
Flächenheizungen, also Fußboden-, Wand- oder Deckenheizungen, erzeugen ein besonders angenehmes Wärmegefühl. In Kombination mit einer Wärmepumpe können sie Wohnräume nicht nur heizen, sondern im Sommer auch energieeffizient kühlen.
Während wir gerade unsere Heiztechnik von fossil auf erneuerbar umstellen, damit der Klimawandel nicht weiter ungebremst voranschreitet, stellt er uns schon vor die nächste Herausforderung. Sommerliche Rekordtemperaturen und längere Hitzeperioden lassen auch in unseren Breiten die Nachfrage nach Klimageräten steigen. Experten rechnen damit, dass sich der Kühlenergiebedarf für Wohngebäude in Deutschland in den nächsten 20 Jahren verdoppeln wird. Wir brauchen daher in Zukunft energieeffiziente Lösungen fürs Heizen und fürs Kühlen gleichermaßen.
Anstatt zusätzlich zur Heizung eine Klimaanlage einzubauen, bietet sich ein System an, das beide Funktionen übernehmen kann: Die Kombination von Wärmepumpe und Flächenheizung. Im Neubau ist die Wärmepumpe bereits der bevorzugte Wärmeerzeuger, auch im Altbau ersetzt sie immer öfter den Gasoder Ölbrenner.
Behaglich wie die Sonne
Bei Flächenheizungen wird die Wärme nicht über einzelne Heizkörper, sondern über ein in Fußboden, Wand oder Decke verlegtes wasserführendes Rohrsystem in den Raum abgegeben.

Fließt im Sommer gekühltes anstatt erwärmtes Wasser durch die Rohre, lässt sich auf diese Weise die Raumtemperatur um etwa 3 bis 4 Grad senken. Damit ist der Kühleffekt weniger stark als mit einer herkömmlichen Klimaanlage. Doch in Kombination mit effektivem Sonnenschutz, zum Beispiel durch Außenjalousien oder Rollläden, reicht die moderate Temperaturabsenkung meist schon aus. Nach Angabe des Bundesverbands Flächenheizungen und Flächenkühlungen (BVF) ist bereits jedes zweite Eigenheim in Deutschland mit einer Fußboden-, Wand- oder Deckenheizung ausgestattet.
Beliebt sind diese Heizsysteme vor allem deshalb, weil sie ein besonders behagliches Wärmegefühl schaffen. Wärme von Heizkörpern wird vorwiegend durch Luftbewegungen (Konvektion) im Raum verteilt.
Flächenheizungen dagegen geben über ihre größere Heizfläche einen höheren Anteil an Wärmestrahlung ab, die dann auf Bauteile und Menschen im Raum trifft und sie direkt erwärmt – so wie es auch die Strahlen der Sonne tun. Strahlungswärme entspricht daher dem menschlichen Wärmeempfinden am besten. Durch den geringeren Luftstrom gibt es weniger unangenehme Zugerscheinungen und es wird kaum Staub aufgewirbelt, was besonders Allergiker freut. Mit bis zu 50 Prozent hat die Fußbodenheizung von allen Flächenheizungsarten noch den geringsten Anteil an Strahlungswärme. Bei der Wandheizung erreicht er etwa 70 Prozent, bei der Deckenheizung über 90 Prozent.
Neben dem thermischen Komfort haben Fußboden-, Wand und Deckenheizungen auch einen energetischen Vorteil. Weil die Wärme über eine große Fläche verteilt wird, reicht eine Heizwassertemperatur von circa 35 bis 40 Grad aus, um Wohnräume auf Wohlfühltemperatur zu bringen. Bei älteren Heizkörpermodellen sind dafür 60 Grad oder mehr notwendig. Die niedrigeren Vorlauftemperaturen machen die Flächenheizung zum idealen Partner der Wärmepumpe. Sie erzeugt Heizwärme, indem sie Wärmeenergie aus Luft oder Boden mithilfe von Strom auf Heiztemperaturniveau bringt. Je geringer die Temperaturdifferenz, die sie dafür überwinden muss, desto weniger elektrische Energie muss sie aufwenden.
Kühlung: angenehm & lautlos
Auch die Raumkühlung über ein Flächenheizsystem fühlt sich sehr angenehm an. Anders als bei herkömmlichen Klimaanlagen entstehen keine kalten Luftzüge. Die Boden-, Wand oder Deckenflächen kühlen sich zwar langsamer, aber gleichmäßig ab. Zudem funktioniert die Flächenkühlung völlig geräuschlos. Sie eignet sich deshalb für Wohn- wie auch für Schlafräume.
Im Nasssystem werden die Heizschlangen mit Klemmschienen an der Decke befestigt, bevor diese verputzt wird. (Foto: Joco)

Für die sommerliche Kühlung bietet sich die Wärmepumpe in Kombination mit der Flächenheizung ebenfalls als energieeffiziente Lösung an. Statt Wärme liefert sie dann die Kälteenergie, um das Wasser im Rohrsystem abzukühlen. Die energiesparendste Variante, die sogenannte passive Kühlung ist mit einer Erdwärmepumpe möglich. Als Wärmequelle nutzt sie im Winter das tiefere Erdreich, in dem das ganze Jahr über Temperaturen von etwa 10 Grad herrschen. Im Sommer leitet sie dann einfach die Wärme aus den Wohnräumen dorthin ab. Der Kompressor kann dabei ausgeschaltet bleiben.

Aktive Kühlung ist mit einer Luft-Wärmepumpe möglich, die ihren Kältekreislauf umkehren kann (reversible Wärmepumpe). Während sie im Winter die Wärme der Außenluft entzieht und verdichtet, leitet sie nun mithilfe des Kompressors Wärme aus dem Haus nach draußen. Das erfordert mehr Energieeinsatz als passives Kühlen, bringt aber bei Bedarf auch mehr Kühlleistung.
Flächenheizungen in Nass – oder Trockenbausystemen
Für alle drei Varianten der Flächenheizung mit Kühlfunktion – Fußboden, Wand oder Decke – gibt es unterschiedliche Systeme. Im Neubau wird eine Fußbodenheizung in der Regel in einem sogenannten Nasssystem im Estrich verlegt, der auch als Wärmespeicher dient. Nachrüstung ist möglich, zum Beispiel mit Trockenbausystemen. Als Bodenbelag über Fußbodenheizungen eignen sich Fliesen besonders gut, aber auch Vinyl, Laminat oder Parkett aus wärmeleitfähigen Hölzern, beispielsweise Eiche oder Nussbaum.

Auch für Wand- und Deckenheizungen gibt es Nass- und Trockenbau-Optionen. Bei ersteren werden die Heizschlangen auf der Mauer, beziehungsweise der Rohdecke unter Putz verlegt. Für die Trockenverlegung kommen Systemplatten mit integrierten Rohren zum Einsatz, mit denen sich auch nachträglich eine Flächenheizung installieren lässt.
sind in einer Dämmplatte aus Stroh mit eingefrästen Rillen verlegt. Darauf passen Dielen oder Fliesen unterschiedlichster Art. (Foto: Joco)
Alternative für den Altbau
Dort, wo im Altbau eine Flächenheizung gar nicht möglich oder nicht gewünscht ist, gibt es eine Alternative, um unter Umständen dennoch mit der Wärmepumpe heizen und auch kühlen zu können. Möglich ist das mit Flach- oder Niedertemperaturheizkörpern. Sie haben eine größere Heizfläche und geben mehr Strahlungswärme ab als die älteren Radiatoren. Deshalb kommen sie auch mit niedrigeren Vorlauftemperaturen aus. Als spezielle Wärmepumpenheizkörper sind manche Modelle mit kleinen Ventilatoren ausgestattet, die zusätzlich durch Konvektion die Wärmeverteilung – oder im Sommer die Abkühlung – unterstützen.
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