Elektroplanung im Haus

Perfekt verkabelt

Ob Heizung, Herd oder Heimkino – ohne Strom im Haus funktioniert gar nichts. Damit der immer – und auch in 20 Jahren noch – dort ankommt, wo er soll, braucht es eine vorausschauende Elektroplanung im Haus.

Kaffeemaschine, Toaster, Mikrowelle und Radio, alles fein eingesteckt in die Viererdose an der Küchenrückwand – aber wohin jetzt mit dem Ladekabel fürs Handy? Mit dem Babyphone, mit Alexa, mit dem neuen Joghurt-Maker? Wo gestern noch vier Steckdosen angeschlossen waren, braucht man heute sechs und morgen vielleicht acht Anschlüsse und Steckdosen. Denn das erste Gesetz der Elektromarkt- Dynamik besagt: Es kommen jedes Jahr neue und mehr E-Gerätschaften dazu! Ok, neuerdings immer öfter kabellos, mit Akkus bestückt. Doch auch die brauchen ja eine Ladestation samt Steckdose.

Die Folge von Steckdosenmangel und steigender Geräte-Flut: Verlängerungskabel-Salat! In einer Mietwohnung muss man sich in der Regel mit dieser Situation abfinden. Als Bauherr jedoch haben Sie die einmalige Chance, Ihr Zuhause rundum perfekt zu verkabeln und dabei auch für die Zukunft vorzusorgen.

Steckdosen sind dabei nur das eine leicht nachvollziehbare Thema. Dazu kommen Schalter und die Frage: Wohin damit? Beziehungsweise wie viele und welche brauchen wir? Obendrein die leicht unterschätzte Festlegung: Wo sollen Lampen hängen respektive stehen – und welche Lichtauslässe brauchen wir? Schließlich der große Komplex Smarthome. Wird hierfür ein eigenes Leitungsnetz vorgesehen? Oder soll alles per Funk braucht man Strom, etwa an funkgesteuerten Rollladenmotoren, an Videokameras etc.

Das regeln andere

Eine ganze Reihe von Entscheidungen werden dem Bauherrn jedoch abgenommen:

  • Der Hausanschluss, also die Stromleitung von der Straße bis ins Haus, liegt in der Zuständigkeit des örtlichen Energieversorgers. Diesen können Sie, anders als Ihren zukünftigen Stromlieferanten, in der Regel nicht selber wählen. Sie müssen den Hausanschluss lediglich selbst beantragen.
  • Der Stromzähler und alle zentralen Leitungen werden vom Hausan bieter eingebaut.
  • Die Photovoltaikanlage mit allen Zu- und Ableitungen installiert entweder der Hausanbieter im Rahmen seines Gesamtpakets oder ein spezialisierter Handwerksbetrieb.
  • Die Wärmepumpe bzw. jede andere Heizanlage gehört in der Regel ebenfalls zum Lieferumfang des Hausanbieters. Hier brauchen Sie sich um die nötige Stromzufuhr keine Gedanken zu machen.

Was Bauherren selbst entscheiden müssen

Für alle weiteren Details der Elektrik-Planung, von der Frage, ob Steckdosen und Lichtschalter links oder rechts der Tür angebracht wird, bis zur Festlegung, in welchem Raum die Telefonleitung ankommen soll, ist der Bauherr verantwortlich. Am Ende sind Hunderte von Einzelentscheidungen zu treffen.

Wie macht man das als Laie? Ohne teure Irrtümer? Ohne sich im Netz der Kabelstränge zu verheddern? Am besten versammelt sich die Familie um den Esszimmertisch. Darauf kommt der Grundriss des neuen Hauses. Alle Fenster und Türen sollten eingezeichnet sein, die Türen mit Öffnungsrichtung. Außerdem die wichtigsten Möbelstücke – also Sitzgarnitur, Lesesessel, Fernseher und Musikanlage, dazu Esstisch, Schreibtisch, Bett. Und dann geht man in Gedanken Raum für Raum durchs Haus, spielt Alltagssituationen durch, steigt die Treppe hoch, betritt das Bad, steht aus dem Bett auf und so weiter.

Dabei geht es auch immer um die Frage, wo benötige ich Licht in umnittelbarer Nähe, wie schalte ich es an, wie knipse ich es aus? Oder werden diese Funktionen von smarten Bewegungsmeldern übernommen, idealerweise mit Zeitschaltung (sehr praktisch etwa, wenn Kinder nachts zur Toilette müssen)? Wenn ja, wo sollen diese Sensoren angebracht sein – und benötigen sie eine Steckdose? Machen Sie Strichlisten!

Jeder Schalter, jede Steckdose, die Sie auf der Tour durchs künftige Haus „einbauen“, wird im Grundriss notiert. Und zwar in unterschiedlichen Farben: Rot für die Leuchten beziehungsweise Lichtauslässe, Blau für die Steckdosen, Grün für die Schalter. So bleiben Ihre Elektroinstallationspläne übersichtlicher.

Ein anderes wichtiges Szenario

Sie kommen im Dunkeln nach Hause. Geht das Licht an der Pforte automatisch an? Sind der Weg und das Schloss an der Haustür beleuchtet? Welche Hand fasst den Türgriff? Und wo findet die andere bequem den Schalter für die Flurbeleuchtung? Ist diese angenehm auf Nachtschwärmer-Niveau dimmbar? Schließlich: Wie schalten wir jetzt das Licht draußen an der Pforte wieder aus? Wohin man sich wendet, Entscheidungen, Festlegungen, Budget-Abwägungen – und nicht selten Kompromisse, auf die sich alle Bewohner des neuen Hauses gemeinsam verständigen müssen.

Zum Glück gibt es Helfer!

Der wichtigste hört auf den sperrigen Namen „RAL-RG 678“ – ein Ausstattungskatalog des Deutschen Instituts für Gütesicherung und Kennzeichnung, an dem sich Bauherren leicht orientieren können. Raum für Raum beschreibt er die benötigte Anzahl an Steckdosen, Lichtauslässen, Telefon-, TV-, Datenbuchsen. Und dies zudem in drei Aus-stattungsstufen: von Basisanforderung über Standardqualität bis zu Komfort-Niveau. So erhöht sich beispielsweise die Zahl der Steckdosen im Wohnzimmer von fünf (Basis) über 11 (Standard) auf 13 (Komfortklasse).

Planung der Elekroinstallation: die wichtigsten Schritte

  1. Grundriss als Vorlage nutzen
    Der Grundriss enthält wichtige Informationen für die Elektroplanung im Haus wie Raumnutzung, Türöffnungen (inklusive Aufgehrichtung) und die Platzierung von Küchenzeile oder Badeinrichtung. Machen Sie sich Kopien davon und zeichnen Sie Ihre Ideen hier ein. Sie sollten sich auch schon Gedanken über den Standort von wichtigen Möbelstücken oder Unterhaltungselektronik gemacht haben. Aber auch eine zukünftige flexible Nutzung der Räume, beispielsweise Kinderzimmer als Arbeitszimmer, sollte mitgedacht werden.
  2. Individuellen Bedarf klären
    Jetzt legen Sie fest, wie viele Lichtschalter, Steckdosen oder Kommunikationsanschlüsse Sie für jeden Raum wünschen und wo sie platziert werden sollen. Planen Sie eher großzügig, denn Nachrüsten ist immer aufwendiger. Tipp: Wenn Sie sich nicht sicher sind, stellen Sie sich vor, wie Sie den Raum im Dunkeln abgehen.
  3. Abgleich und Anpassung
    Vergleichen Sie Ihre individuell ermittelten Ausstattungswünsche mit RAL-Ausstattungswerten und passen Sie diese gegebenenfalls an. Halten Sie dann die gewählte Elektroausstattung als Grundlage der Installation schriftlich fest.

Was Bauherren gerne vergessen …

… sind Stromanschlüsse für folgende Dinge:

  • Türsprechanlage – im Haus und außen an der Tür oder am Tor sind Anschlüsse vorzusehen.
  • Garagentor – soll es sich einmal elektrisch öffnen, müssen schon beim Bau die elektrischen Leitungen (oder zumindest Leerrohre) verlegt werden.
  • Außenbeleuchtung – nicht nur an der Eingangstür, sondern auch auf dem Weg dorthin, am Mülltonnenplatz, am Carport, auf der Dachterrasse … fünf bis zehn Außenleuchtenanschlüsse kommen schnell zusammen.
  • Markisen – die Sommer werden heißer, Beschattung dringender; es lohnt sich auf alle Fälle, den Einbau einer Markise (elektrisch angetrieben, beleuchtet und eventuell mit Heizstrahler bestückt) vorzuplanen.
  • Terrasse – frischer Toast zum Frühstück, ein Tischventilator gegen die Mittagsglut, am Abend eine Lichterkette im Rhododendron – all das braucht Steckdosen!
  • Garten – soll später eine Outdoorküche oder eine Pumpe für den Goldfischteich betrieben werden? Leerrohre vorsehen!
  • Gartengeräte – wie versorgt sich der Mähroboter? Wird der Rasen automatisch bewässert per Mini-Computer? Haben Vertikutierer, Häcksler und Kantenschneider ein Kabel? Eine spritzwassergeschützte (Doppel)-Steckdose neben dem Wasserhahn ist Gold wert und verhindert zuverlässig Kabelprovisorien!
  • Elektroauto – Ihr Haus wird im Jahr 2100 noch stehen. Dann sind Verbrennungsmotoren ferne Vergangenheit. Die Zukunft gehört E-Autos – und deshalb ein Ladeanschluss in jede Garage, jeden Carport.
  • Umbauten – zukunftssicher bauen bedeutet auch: spätere Veränderungen am Grundriss vorhersehen. Sollen zum Beispiel eines Tages zwei Kinderzimmer zu einem zusammengelegt oder die Ankleide zum Schlafzimmer geöffnet werden, dann sollten in der zu entfernenden Wand keine Schalter, Steckdosen verbaut sein. Leitungen und Anschlüsse besser in tragenden oder Außenwänden verlegen!

Raum für Raum Elektroplan erstellen

Viele Hersteller von Fertighäusern geben den Bauherrn Grundrisse mit standardisiert vorgeplanter Elektroinstallationen an die Hand. Es macht Sinn, sich daran zu orientieren. Aber auch ohne einen solchen Leitfaden gilt die Regel: Man arbeite sich planend Raum für Raum durchs Haus!

Elektroplan Wohnbereich

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Der offene Wohnbereich im Erdgeschoss wird dank raumhoher Glasfronten und Terrassentür im Essbereich tagsüber mit wohngesundem Tageslicht durchgeflutet. (Foto: Baumeister-Haus)

Große offene Wohnbereiche, wie in modernen Häusern üblich, sind nicht ganz einfach zu planen. Achten Sie hier auf genügend Wechselschaltungen, um das Licht von mehreren Stellen bedienen zu können. Noch komfortabler sind kabellose Funklichtschalter, die ins WLAN integriert und auch per Smartphone bedient werden können. Wählen Sie die Ausstattung großzügig, damit Sie auch bei veränderter Nutzung oder Möblierung nicht auf Behelfskabel angewiesen sind. Das gilt auch für Multimediaanschlüsse.
Machen Sie sich klar, wie viele Geräte allein rund um die TV-Kabelbuchse nach Strom gieren: Der Flatscreen, der TV-Receiver, die Soundbar samt Subwoofer, die Ladestation des Funk-Kopfhörers, der Blu-ray- Player, die Wii, das Netzteil des iPads – damit sind wir schon bei sieben benötigten Steckdosen. Und wir haben noch keine HiFi-Anlage eingebaut: Verstärker, Receiver, CD-Player, Plattenspieler – macht 11 … plus die Karaoke-Anlage der Kinder: 12 Steckdosen. Und nun wollen Sie das Wohnzimmer auch mal saugen!

Elektroplan Küche

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Der zentrale Ort im Erdgeschoss: Die Küche öffnet sich zum Wohn- und Essbereich. (Foto: Schwörerhaus)

Hier kommen die besonders stromintensiven elektrischen Geräte (Herd, Backofen, Geschirrspüler) zum Einsatz, die einen eigenen Stromkreis benötigen. Sind Sie sich noch nicht sicher, ob die Waschmaschine im Bad oder in der Küche stehen soll, muss in beiden Räumen ein extra Stromkreis eingeplant werden, für einen Trockner noch ein weiterer. Wegen unterschiedlicher Anschlussvorschriften ist es notwendig, bei der Elektroplanung in Haus den zukünftigen Standort der Küchengeräte verbindlich festzulegen. Ausreichend Steckdosen (plus sicherheitshalber ein, zwei mehr als Reserve) planen! Auch die Beleuchtung für die unterschiedlichen Arbeitsbereiche ist wichtig. Die Lampen sollten so installiert werden, dass ihr Licht immer aus mehreren Richtungen kommt; einseitige Beleuchtung wirft unangenehme Schlagschatten.

Elektroplan Bad

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Bad mit Doppelwaschtisch, Dusche und Badewanne. (Foto: Heinz von Heiden)

Wo Elektrizität und Feuchtigkeit aufeinandertreffen, sind besondere Sicherheitsmaßnahmen erforderlich. Deshalb definiert eine DIN-Norm für Elektrotechnik im Badezimmer mehrere Schutzbereiche je nachdem, wie stark sie dem Wasser ausgesetzt sind. In der Badewanne (Bereich 0) sind nur ganz spezielle Installationen zugelassen. Im der mittleren Installationszone direkt über der Wanne und den Wänden innerhalb der Duschkabine (Bereich 1) dürfen nur Geräte bis 12 Volt zum Einsatz kommen. Im anschließenden Bereich 2 sind Leuchten und Waschmaschine erlaubt. Schalter, (Schuko-)Steckdosen und Spiegelschränke müssen außerhalb dieser Schutzbereiche installiert werden.

Elektroplan Schlafzimmer

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Das große Schlafzimmer mit angeschlossener Ankleide hat direkten Zugang zur Terrasse. (Foto: Danwood)

Hier sollten vor allem die Schalter für Beleuchtung – Decken- wie Leselicht – vom Bett aus leicht erreichbar sein. Eine smarte Sache ist ein sogenannter Panikschalter, mit dem sich gleichzeitig das Licht in Haus und Garten anschalten lässt, sobald man etwas Verdächtiges zu hören meint. Dafür ist eine extra Verkabelung notwendig. Hinzu kommen je nach Wunsch benötigte Anschlüsse für Fernseher, Radio oder Telefon.
Manche Menschen reagieren allerdings sensibel auf elektromagnetische Strahlen, was zu Schlaf störungen führen kann. In dem Fall sollten Sie auf zu viele Geräte und Leitungen im Schlafzimmer verzichten oder eine sogenannte Netzfreischaltung einbauen. Sie legt während der Nacht den Wechselstrom still; das geschieht automatisch, sobald das Licht und alle anderen Geräte im Raum ausgeschaltet werden.

Elektroplan Homeoffice

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Arbeiten mit Aussicht in einem ruhigen Büro. (Foto: Weberhaus)

Schreibtischlampe, Computer, Drucker, Telefon: An einem Arbeitsplatz ist der Bedarf an Elektro- und Kommuni kationsanschlüssen besonders groß. Das gilt für die Schreibtischecke im Wohnzimmer ebenso wie für abgeschlossene Arbeitszimmer und sollte auch für eventuelle spätere Umnutzung (zum Beispiel des Kinderzimmers) mitbedacht werden. Besonders praktisch sind USB-Steckdosen zum schnellen Aufladen von Mobilgeräten.

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