Stilkunde: Biedermeier (1815 – 1848)

  • article-1968-976ac15ea22a

    Ohrensessek "LOLA" von Donna Wilson für SCP

  • article-1968-5acf4c11d39d

    Wanne "Arne" der Soda Designers. Für Rapsel.

Bevor das Bürgertum in deutschen Landen 1848 auf die Barrikaden ging, machte es es sich in der nachnapoleonischen Zeit erst mal gemütlich.

Der Begriff „Gemütlichkeit“ soll tatsächlich damals erfunden worden sein. Das Private war angesagt, das Zu-Hause-Bleiben, das kleine Glück in den
heimischen vier Wänden. Stammtisch-Seligkeit, Hausmusik – für Bürgerstöchter wurde das Klavierspiel bevorzugte Freizeitbeschäftigung – und Kaffeekränzchen eroberten die häusliche Bühne.

Mit dem neuen Gesellschaftsthema „Kindererziehung“ wurde auch Kinderzimmern mehr Beachtung geschenkt. Neben allem „Verspießertem“ kann diese Periode also durchaus auch Fortschrittliches für sich verbuchen. Ob Weihnachtsbaum, Weihnachtslieder und Bescherung, auch diese Rituale verdanken wir dem Biedermeier, als liebenswerte Errungenschaft oder lästiges Pflichterbe anzusehen sind, mag jeder für sich entscheiden.

Die Biedermeier-Wohnstube gilt übrigens als Vorbild der Wohnzimmer unserer Zeit. Der Sekretär war ein Pflichtmöbel, an den Wänden hingen in schmalen Rahmen die Porträts der Familienmitglieder, in Glaskästen standen zierliche Figuren, geschliffene Gläser und Gegenstände aus Silber zur Schau. Kommt Ihnen sehr vertraut vor? Bänke und Stühle bekamen Polster und wurden Prototypen von Sofa und Sessel. Weil man stickte, häkelte und klöppelte, was das Zeug hält, wurde eine der gestalterischen Todsünden aus der Taufe gehoben: Spitzendeckchen auf Armlehnen.


Edle Interpretation biedermeierlicher Sessel-Behaglichkeit. Die Wanne „Arne“ (siehe zweites Bild oben) der Soda Designers für die Firma Rapsel spielt mit zwinkernder Anlehnung an „commode“ Zeiten.

Keine Kommentare vorhanden

Kommentare sind geschlossen.

Skyscraper Baufritz