Sachlich-puristisches Passivhaus in Weikersheim

Es ist das erste Passivhaus in der Stadt Weikersheim, Baden-Württemberg. Frei stehend, 260 Quadratmeter groß und mit einem Heizwärmebedarf von weniger als 15 Kilowattstunden pro Jahr. Architekt Günter Limberger, Donaueschingen: „In das Einfamilienhaus ist die komplette Passivhaus-Technik so integriert worden, dass sie alle Anforderungen an behagliches und energiesparendes Wohnen von morgen schon heute erfüllt. Sie sticht dabei nie ins Auge oder wirkt vordergründig.“ Architektonisch hat sich Familie Hieber für eine sachlich-puristische Bauform und geradlinige Strukturen entschieden – extravagant und dennoch ökonomisch, großzügig und ökologisch, schlicht in der Form und ausgefallen zugleich.

„Ganz wichtig war uns eine geschützte Privatsphäre und Distanz zum Nachbarn“, sagt Gabi Ehrmann-Hieber. „Architekt Limberger hat hierfür eine Kombination aus zwei Meter hohen Sichtbetonwänden, die das Grundstück einrahmen, mit einer freitragenden Stahl-Holz-Stellplatzüberdachung gewählt. Eine bestens funktionierende Lösung: Wir haben viel Bewegungsspielraum im Garten und sind gleichzeitig nach außen abgeschottet. So können wir uns abends im Schwimmbad ungestört vom Tagesgeschehen erholen.“

*Im Zwiegespräch mit der Natur*

Licht, Luft und Landschaft. Und immer wieder das Thema Transparenz als Leitmotiv. Gleich beim Betreten des Hauses darf der Blick durch den offenen Wohn-, Ess- und Kochbereich bis hinaus in den Garten wandern. Das großzügige Esszimmer und die dahinterliegende Küche geben dem ohnehin sehr transparenten Grundriss eine ungewöhnliche optische Weite. Die Küche kann vom Ess- und Wohnbereich bei Bedarf durch Schiebetüren getrennt werden. Bodentiefe Fensterelemente zur Gartenseite sorgen für ein helles Wohnambiente und eine offene Atmosphäre. Sie lassen sich weit zum Garten und zur Terrasse öffnen.

Ins Obergeschoss führt eine offen gehaltene Treppe aus Sichtbeton. Sie ist mittig im Haus platziert und trennt den Eingangs- vom Wohnbereich. Im Dachgeschoss bestimmt die Privatsphäre der Familie mit Elternschlafzimmer, angegliedertem Bad und Ankleide das Geschehen, während im Obergeschoss Kinder- und Gästezimmer sowie ein Hauswirtschaftsraum untergebracht sind. Auch hier machen große Fenster zum Garten die Räume hell und freundlich.

Für das Flachdach hat sich Architekt Günter Limberger noch etwas Raffiniertes ausgedacht. Ein kreisrunder Ausschnitt von 3,50 Meter Durchmesser – direkt über dem Freisitz. Günter Limberger: „Auf der Dachterrasse wird mit der Lichtöffnung deutlich, wie schön es ist, den Tageslauf der Sonne zu erleben und zu spüren.“

*Stets dienstbereite Technik*

Das Haus der Hiebers ist die private Wohnadresse der Familie – und ein bisschen mehr. Für den Inhaber der Firma Hieber Installation und Handel ist es „gleichzeitig auch ein Vorzeigeobjekt. Insbesondere für Sanitär, Lüftung und Heizung, aber auch in anderen Bereichen, haben wir innovative Produkte verwendet. Um unseren Kunden zu demonstrieren, wie sie mit neuen Techniken ihre Wohn- und Lebensqualitäten verbessern, behagliche Wärme genießen und gleichzeitig wertvolle Ressourcen schonen.“

Die hohe Energieeffizienz und der Passivhaus-Standard – zertifiziert und qualitätsgeprüft durch die Darmstädter Passivhaus Dienstleistungs GmbH – waren für den Bauherren eine absolute Pflichtübung. Daneben aber auch Komfortfaktoren wie die Elektroinstallation mit BUS-System. „Diese Hausautomation gewährleistet bei einer Wohnfläche von 260 Quadratmetern einen entspannten Alltag. Nur mal ein paar Beispiele: Über ein Display wird die gesamte Haustechnik gesteuert. Die Funktionen können zentral digital überwacht werden. Wir müssen nicht mehr alle Leuchten einzeln aus- und einschalten oder die Alarmanlage extra aktivieren. Kaffeemaschine und Bügeleisen gehen automatisch vom Netz, sobald die Haustür abgeschlossen wird.“

*Wohlfühlklima rund ums Jahr*

Damit dem Passivhaus ausreichend Energie zur Verfügung steht, orientierte Architekt Limberger das Gebäude für passive, solare Wärmegewinne konsequent nach Süden. Die Räume mit geringem Wärmebedarf, etwa Eingangsbereich und Gäste-WC, liegen nach Norden. Räume mit hohem Wärmebedarf, wie Wohn- und Esszimmer, sind nach Süden ausgerichtet. Das Flachdach ist als Gründach ausgeführt. Das vermindert Wärmeverluste und unterstützt so die Dämmung von innen.

Außerdem wurde das gesamte Haus mit der Passivhaus-tauglichen „KS-QUADRO E“-Wandkonstruktion (Kalksandsteine des Markenverbundes KS-ORIGINAL) warm eingepackt. Auf das 17,5-Zentimeter-„KS-QUADRO E“-Mauerwerk ist ein 30 Zentimeter dickes Wärmedämmverbundsystem aufgebracht. Der U-Wert der Wand beträgt gerade mal 0,11W/(m2K). Diese Wärmedämmung umschließt lückenlos das massive Kalksandstein-Mauerwerk und macht die Konstruktion absolut sicher vor Wärmeverlusten, sodass auch die geforderte Wind- und Luftdichtheit dauerhaft erhalten bleibt.

Das benachbarte Betriebsgebäude liefert Nahwärme für das Haus. Und auch bei der Heizung hat sich Architekt Limberger für eine innovative und zugleich behagliche Lösung entschieden: die „KS-QUADRO THERM“, eine Wandheizung, die als Flächenheizung genutzt wird. Ihr großer Vorteil ist die Strahlungswärme, die den Raum wie ein Kachelofen direkt erwärmt: geräuschlos, kostensparend, umweltfreundlich. Außerdem entstehen im Unterschied zur Konvektionswärme konventioneller Heizkörper keine Luft- und Staubzirkulationen, was nicht nur für Allergiker bekömmlich ist. Auch Schimmelpilz hat wegen der gleichmäßigen und flächendeckenden Erwärmung der Mauer von vornherein keine Chance.

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