Ein Haus bauen in Corona-Zeiten

Ein Haus bauen geht auch in Corona-Zeiten. Viele Hersteller bieten zudem virtuelle Besichtigungen und spezielle Corona-Services an. (Foto: Weberhaus)

Haus kaufen oder bauen in Corona-Zeiten

Gerade jetzt merken viele Familien, wie viel mehr Freiheit ein Leben im eigenen Haus bietet. Und wünschen sich, den Hauskauf trotz Pandemie in Angriff nehmen zu können. Wie das auch im Lockdown funktioniert, lesen Sie hier.

Bauen in Corona-Zeiten: Aktuell läuft die Bauwirtschaft ungebremst weiter. Sie legt sogar, trotz oder wegen Corona, noch zu. Voraussetzung ist selbstverständlich, dass die geltenden Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden – auf der Baustelle ebenso wie bei Beratungsgesprächen mit Bauherren, Kundenberatern oder Architekten und Handwerkern.

Corona scheint die Bauwirtschaft tatsächlich zu beflügeln. Die Pandemie drückt Zinsen auf ein dauerhaftes Allzeittief. Bauherren können derzeit einen Kredit mit einer Zinsbindung von zehn Jahren zu einem Satz von 0,6 Prozent jährlich aufnehmen. Und mit den Förderprogrammen der KfW sind sogar Negativzinsen möglich.

Fertigbau mit 11-Prozent-Plus

Kein Wunder, dass der Auftragsbestand laut Baugenehmigungszahlen des Statistischen Bundesamts beim Ein- und Zweifamilienhausbau im ersten Corona-Jahr 2020 um 3,6 Prozent über dem Vorjahresniveau lag. Ein deutlicheres Plus von sogar 11 Prozent schaffte die Fertighausbranche. Deren Marktanteil am gesamten Eigenheimbau hatte schon 2019 die magische 20-Prozent-Marke geknackt. Und kletterte 2020 noch weiter auf 22,2 Prozent. Ein Ende des Booms ist nicht abzusehen: Für 2021 freuen sich Massiv- und Fertighausanbieter gleichermaßen über volle Auftragsbücher.

So ein Haus mit Grundstück verspricht nicht zuletzt wesentlich mehr Platz sowohl fürs Familienleben als auch für den persönlichen Rückzug. Obendrein ein ungestörtes Homeoffice für konzentriertes Arbeiten und präsentable Videokonferenzen. Oder mehr Platz für Hobbys und sportlichen Ausgleich mit Heimtrainer & Co. Und nicht zuletzt die Option von Aktivitäten an frischer Luft im eigenen Garten.

Aus aktuellem Anlass haben wir daher Hausanbieter gefragt, wie sie Kunden in diesen schwierigen Zeiten entgegenkommen. Nachfolgend finden Baufamilien alle wichtigen Antworten zum Bauen in der Pandemie: In aller Regel können Interessierte und auch der Onlinekommunikation abgeneigte Bauherren sicher sein, in persönlicher Absprache praktikable und hygienische Lösungen zu finden vom Besichtigungswunsch über den Vertragsabschluss und den Hausbau selbst bis zur Schlüsselübergabe.

Was Bauherren und Hauskäufer jetzt wissen müssen!

Kann man derzeit Musterhäuser besichtigen?

Musterhäuser gibt es sowohl allein als auch in größeren Musterhausparks und an Standorten von Hausanbietern. Eine Übersicht finden Sie unter www.musterhaus.net/musterhaeuser. Besichtigungen sind in aller Regel möglich, allerdings meist nur nach Anmeldung, um die Hygiene regeln sinnvoll einhalten zu können, und manchmal auch nur für eine limitierte Personenzahl. Die aktuellen Services der Hausbauer können Sie hier nachlesen.

Können Musterhäuser auch virtuell besichtigt werden?

Manche Musterhäuser sind auch virtuell zu besichtigen. Das heißt, Sie können per Mausklick durch das Haus gehen und dabei eine virtuelle Kamera steuern, die Ihnen 360-Grad-Rundumblicke ermöglicht – zum Teil sogar mir VR-Brille.

Sind persönliche Beratungsgespräche in Corona-Zeiten möglich?

Ja, und zwar nach Terminvereinbarung sowohl vor Ort unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln als auch online per Videoberatung. Dazu werden Interessenten nach der Terminabsprache in der Regel per Email mit einem Teilnahmelink eingeladen. Anklicken genügt meist, und schon geht es los. Webcam und Mikrofon sind natürlich nötig, jedoch heutzutage in Rechnern und Mobilgeräten eingebaut. Auch Skype-Konferenzen und telefonische Beratungen sind möglich. Eine Übersicht der aktuellen Services der Hausbauer finden Sie hier.

Wie wird die Bemusterung organisiert?

Da die Bemusterung ohnehin ein langfristig feststehender exklusiver Termin mit Bauherren und Bauberater und/oder Innenausstatter ist, können dabei die Hygieneregeln gut eingehalten werden. Manche Hausanbieter bemustern auch online oder per Videoberatung.

Kann man Verträge kontaktlos abschließen?

Ja. Sämtliche erforderlichen Unterlagen sind digital verfügbar und wurden auch schon vor Corona digital und auf Papier übermittelt. Details lassen sich in der Regel per Videoberatung oder telefonisch klären. Technikaffine Kunden können Verträge sogar digital unterzeichnen, ansonsten ist der Postweg die übliche Lösung. Und natürlich steht auch einem Termin vor Ort unter Einhaltung der Corona-Regeln nichts im Weg.

Was ist auf der Baustelle zu beachten?

Abgesehen von den üblichen Hygieneregeln gibt es beim Bauen selbst keine Einschränkungen. Seriöserweise sollte in aller Regel immer nur ein Gewerk zur Zeit auf der Baustelle aktiv sein. In der Praxis hat sich auch bewährt, dass Bauleiter oder Architekten Pläne für alle Beteiligten mitbringen, damit sich nicht mehrere Personen gemeinsam über ein Exemplar beugen.

Gelten vereinbarte Fristen und Termine weiterhin?

Fristen und Termine müssen von Hausanbietern und Handwerkern wie üblich eingehalten werden. Allerdings sollten in Bauablaufplänen Corona-bedingt verlängerte Fristen eingeplant werden, um Vertragsstrafen, die Bauherren geltend machen könnten, möglichst zu vermeiden. Ausnahmen sind nachweisliche Krankheitsfälle und höhere Gewalt. Deren Rechtsfolgen sind oftmals (aber nicht immer) im Bauvertrag geregelt.

Bei Fliesen aus Spanien zum Beispiel kann es derzeit Lieferschwierigkeiten geben. In so einem Fall sollte es eine einvernehmliche Alternativlösung geben, damit nicht die komplette Zeit- und vielleicht sogar die Finanzierungsplanung durcheinander gerät. Ist ein Stillstand dennoch unvermeidlich, ist der Hausanbieter dafür verantwortlich, die Baustelle zum Beispiel vor Sturm und Regen zu sichern. Prüfen sollten Bauherren auch, ob die Verzögerung tatsächlich auf Covid-19 zurückzuführen ist. Bei berechtigten Zweifeln steht ihnen das übliche Mahnverfahren zur Fristeinhaltung offen. Rechnungen sollten ohnehin erst bezahlt werden, wenn eine Leistung vollständig erbracht ist. Sind die Verzögerungen tatsächlich wegen Covid-19 eingetreten und waren vorher nicht absehbar, gilt das nach gängiger Rechtsauffassung als höhere Gewalt, und der Bauherr muss Verzögerungen hinnehmen.

Bekommt man bei Banken noch Baukredite?

Baukredite werden bei solidem Einkommen und akzeptablem Verkehrswert der Immobilie generell auch weiterhin problemlos vergeben. Ein jederzeit sehr vernünftiger Grundsatz allerdings gilt zu Zeiten von Corona ganz besonders: Kalkulieren Sie Ihren Finanzbedarf nicht zu knapp. Gerät die Finanzierung dennoch ins Wanken, zum Beispiel wegen Kurzarbeit oder anderer Bauverzögerungen: Raten lassen sich in der Regel nach (frühzeitiger!) Rücksprache mit der Bank stunden, die Tilgung aussetzen oder ihren Satz anpassen.