Versicherungen rund um Haus und Bau

Schutz für Bauherren und ihr Traumhaus

Mit den passenden Versicherungen schützen Sie Ihr Traumhaus von Anfang an – und das oft für erstaunlich wenig Geld. Thorsten Rudnik, Berater bei den Verbraucherzentralen, gibt einen Überblick über die wichtigsten Policen.

1. Vor Baubeginn

GRUNDBESITZER -HAFTPFLICHT

  • Was? Wenn andere Menschen auf dem Grundstück zu Schaden kommen und der Eigentümer dafür verantwortlich ist, übernimmt diese Haftpflichtversicherung die Kosten.
  • Warum? Grundbesitzer haben eine sogenannte Verkehrssicherungspflicht. Sie müssen dafür sorgen, dass ihr Grundstück gefahrlos betreten werden kann, egal ob es bebaut ist oder nicht. Machen sie dabei Fehler, haften sie für alle Schäden, die daraus entstehen. Auch kleine Schnitzer können schwere Folgen haben, beispielsweise wenn ein Passant unglücklich auf einem schlecht gestreuten Weg ausrutscht und hinterher im Rollstuhl sitzt.
  • Wer? Eigentümer eines Grundstücks.
  • Wieviel? Unterschiedlich, typische Bauplätze oft unter 50 Euro pro Jahr.

Bewertung von Thorsten Rudnik: Haftpflicht-Versicherungsschutz ist für jeden Grundstückseigentümer absolut unverzichtbar, auch nach der Fertigstellung des Hauses.

Extratipp von Thorsten Rudnik: Häufig ist der Haftpflichtschutz sowohl für das unbebaute Grundstück als auch für das fertige Haus in der Privathaftpflicht eingeschlossen (Grundstücksgröße beachten, sicherheitshalber nachfragen). Dann ist eine separate Police überflüssig. Eigenheimbesitzer mit häuslichem Arbeitszimmer sollten gegebenenfalls klären, ob dieses in der Privat haftpflicht mit abgedeckt ist, wenn dazu nichts im Vertrag steht.

2. In der Bauphase

BAUHERREN-HAFTPFLICHT

  • Was? Diese Versicherung bezahlt, wenn fremdes Eigentum oder Personen aufgrund der Baustelle geschädigt werden, beispielsweise spielende Kinder in die schlecht gesicherte Baugrube fallen und sich verletzen.
  • Warum? Auf jeder Baustelle kann mal etwas passieren und dabei können sehr teure Folgeschäden entstehen.
  • Wer? Alle Bauherren.
  • Wieviel? Je nach Bausumme. Bei einer Bausumme von 400.000 Euro und einer Deckungssumme von 10 Mio. Euro einmalig etwa 150 – 200 Euro.
    Bewertung von Thorsten Rudnik:
    Für jeden Bauherren absolut unverzichtbar, da er für fast alle Schäden durch seine Baustelle haftet.

Extratipp von Thorsten Rudnik: Da die Police gemessen am Risiko und an den Gesamtkosten des Hausbaus sehr preiswert ist, sollte man nicht sparen, sondern den Premiumtarif wählen, der alle Eventualitäten abdeckt. Die Nutzung von Fahrzeugen sollte mitversichert sein – denn wenn man beispielsweise mit dem Minibagger versehentlich eine Hauptleitung durchtrennt, wird es teuer. Wichtig ist es außerdem, den Vertrag vor Beginn der Arbeiten abzuschließen.

BAULEISTUNGS-VERSICHERUNGEN

  • Was? Diese Versicherung sichert Schäden auf der Baustelle selbst ab, beispielsweise wenn die Baugrube voll Wasser läuft, der Sturm das halbfertige Haus beschädigt oder bereits angelieferte Sanitärobjekte von der Baustelle gestohlen werden.
  • Warum? Ohne Versicherungsschutz sorgen solche Schäden leicht für explodierende Baukosten.
  • Wer? Alle Bauherren.
  • Wieviel? Je nach Bausumme, bei einer Bausumme von 400.000 Euro einmalig 300 – 400 Euro.

Bewertung von Thorsten Rudnik: Verzichtbar, wenn solche Schäden über den Bauträger abgesichert sind. Wer beim Hausbau einiges selbst macht, sollte diese Police aber unbedingt haben.

Extratipp von Thorsten Rudnik: Angesichts der möglichen Schäden und der Gesamtkosten eines Bauvorhabens ist diese Police preiswert. Deshalb sollte man immer den Maximalschutz wählen und so viele Eventualitäten wie möglich versichern. Der Vertrag muss vor Beginn der Arbeiten abgeschlossen werden.

FEUER-ROHBAU-VERSICHERUNG

  • Was? Die Police schützt den Rohbau bei einem Brand, nicht aber gegen andere Risiken wie beispielsweise Sturm, Wasser oder Elementarschäden.
  • Warum? Wenn ein Rohbau brennt, ist das fast immer ein Totalschaden.
  • Wer? Alle Bauherren.
  • Wieviel? Kostenlos, wenn man für das fertiggestellte Gebäude anschließend bei demselben Versicherer eine Gebäudeversicherung abschließt.

Bewertung von Thorsten Rudnik: Äußerst empfehlenswert, zumal man nach der Fertig stellung des Hauses sowieso eine Gebäudeversicherung benötigt.

Extratipp von Thorsten Rudnik: Diese Versicherung ist eine Art Vorläufer der Gebäudeversicherung. Deshalb sollte man sich rechtzeitig um die Gebäudeversicherung kümmern, auch wenn das Haus noch nicht fertig ist.

BAUHELFER-VERSICHERUNGEN

  • Was? Die Versicherung funktioniert ähnlich wie die gesetzliche Versicherung bei Arbeitsunfällen. Sie zahlt, wenn private Helfer auf dem Bau bei ihrer Tätigkeit zu Schaden kommen, beispielsweise wenn sie unglücklich von einem Gerüst fallen oder sich sonstwie verletzen.
  • Warum? Diese Versicherung ist gesetzlich vorgeschrieben.
  • Wer? Alle Bauherren, die sich von Bekannten oder Freunden beim Bau (auch Innenausbau) des Hauses helfen lassen. Die Helfer müssen auch dann bei der Berufsgenossenschaft gemeldet werden, wenn sie für ihre Arbeit nicht bezahlt werden. Lediglich eine einmalige, kurzfristige Unterstützung („Nachbarschaftsleistung“) muss nicht gemeldet werden. Die Bauherren selbst müssen sich nicht versichern, können dies aber freiwillig tun.
  • Wieviel? Die Kosten richten sich nach der Anzahl der Helfer und dem Umfang der Hilfeleistung. Mehr Info und Online-Anmeldung unter www.bau-bg.de

Bewertung von Thorsten Rudnik: Pflichtversicherung, sobald private Helfer auf der Baustelle tätig werden.

Extratipp von Thorsten Rudnik: Bauherren, die eine private Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) haben, sind darüber auch bei Unfällen auf ihrer Baustelle versichert. Wer noch keine BU hat, sollte das Bauvorhaben zum Anlass nehmen, diese sowieso extrem wichtige Versicherung abzuschließen. Ist ein Vertrag nicht möglich, sollte ersatzweise zumindest eine Unfallversicherung abgeschlossen werden. Um den Helfern etwas Gutes zu tun, kann man ihnen ebenfalls eine zusätzliche private Unfallversicherung finanzieren, damit ihre Hilfsbereitschaft im Schadensfall wenigstens finanziell entschädigt wird.

BAUFERTIGSTELLUNGS- VERSICHERUNGEN

  • Was? Die Versicherung übernimmt die zusätzlichen Kosten des Bauvorhabens, wenn der Bauträger insolvent wird.
  • Warum? Geht der Bauträger in die Insolvenz, entstehen dadurch meist hohe Mehrkosten, um das Haus noch irgendwie fertig zu stellen. Diese Kosten müssen Bauherren privat finanzieren, wenn das Unternehmen nicht versichert ist.
  • Wer? Jeder Bauträger. Bauherren können diese Versicherung nicht selbst abschließen, sondern dies muss der Bauträger tun.
  • Wieviel? Die Kosten trägt der Bauträger.

Bewertung von Thorsten Rudnik: Unverzichtbar für jeden Bauherren.

Extratipp von Thorsten Rudnik: Solide, seriöse Anbieter haben eine solche Versicherung oder können alternativ eine Bankbürgschaft vorlegen, die das Insolvenzrisiko abdeckt. Man sollte sich vor Abschluss des Vertrages die entsprechenden Unterlagen zeigen lassen.

3. Nach der Fertigstellung des Hauses

WOHNGEBÄUDE-VERSICHERUNGEN

  • Was? Diese Versicherung springt ein, wenn das Haus ganz oder teilweise zerstört wird, beispielsweise durch einen Brand, Leitungswasser, einen Sturm oder ähnlich.
  • Warum? In der Immobilie steckt meist fast das gesamte Vermögen – ist sie zerstört, ist auch das Geld weg, bis hin zum finanziellen Ruin. Darüber hinaus entstehen für die Beseitigung von Schäden oder einen eventuell notwen digen Wiederaufbau hohe Kosten, die man ohne Versicherung aus eigener Tasche bezahlen müsste.
  • Wer? Alle Immobilienbesitzer.
  • Wieviel? Die Versicherungsprämie hängt vom Wohnort, der Bauweise (Fertighaus, Massivhaus), der Be dachung (zum Beispiel Reetdach), der Umgebung (zum Beispiel gefährliche Betriebe in der Nachbarschaft), der Größe und dem Wert der Immobilie ab. Typische Neubau-Einfami lienhäuser oft zwischen 300 Euro und 400 Euro pro Jahr.

Bewertung von Thorsten Rudnik: Unverzichtbar für jeden Immobilienbesitzer.

Extratipp von Thorsten Rudnik: Als Ergänzung ist eine Elementarschadenversicherung inzwischen sehr empfehlenswert.

ELEMENTARSCHADEN -VERSICHERUNGEN

  • Was? Die Elementarschadenversicherung übernimmt auch Schäden nach Naturereignissen, wie beispielsweise Überschwemmungen, Starkregen, Erdsenkungen, Erdbeben, Lawinen und ähnlichem. Diese Schäden werden von der klassischen Gebäudeversicherung nicht abgedeckt.
  • Warum? Das Wetter wird immer extremer, Elementar schäden damit immer wahrscheinlicher.
  • Wer? Jeder Immobilienbesitzer.
  • Wieviel? Etwa 25 Prozent der Prämie der Wohngebäudeversicherung, oft um die 100 Euro.

Bewertung von Thorsten Rudnik: Sehr empfehlenswerter, sinnvoller Zusatzbaustein zur Gebäudeversicherung.

Extratipp von Thorsten Rudnik: In Gebieten mit einem erhöhten Risiko kann es manchmal schwierig sein, einen Vertrag zu bekommen oder es müssen Prämienaufschläge gezahlt werden. Die Police schützt nur das Gebäude selbst, nicht aber das, was sich darin befindet. Wer auch den Hausrat gegen Elementarschäden versichern möchte, braucht zusätzlich einen entsprechenden Zusatzbaustein bei der Hausratversicherung.

PHOTOVOLTAIK-VERSICHERUNGEN

  • Was? Die Versicherung zahlt, wenn die Photovoltaikanlage gestohlen wird oder durch Brand, Blitzschlag, Sturm, Kurzschluss und Ähnliches beschädigt wird. Außerdem übernimmt sie den Ertragsausfall, wenn die Anlage keinen Strom produziert.
  • Warum? Die Photovoltaikanlage ist nicht in der Wohngebäudeversicherung enthalten, Schäden müssen Hausbesitzer also selbst tragen.
  • Wer? Besitzer von Photovoltaikanlagen.
  • Wieviel? Bei einem typischen Einfamilienhaus kostet die Police etwa 150 bis 250 Euro pro Jahr.

Bewertung von Thorsten Rudnik: Diese Versicherung kann nützlich sein, ist aber nicht zwingend notwendig.

Extratipp von Thorsten Rudnik: Es ist empfehlenswert, die Police bei dem Unternehmen abzuschließen, bei dem man auch die Wohngebäudeversicherung hat. Schäden, die die Anlage verursacht, sind nicht abgedeckt, beispielsweise wenn Teile der Anlage bei einem Sturm vom Dach herunterfallen und Passanten schädigen. Dieser Schutz ist üblicherweise in der Privathaftpflicht enthalten (sicherheitshalber nachfragen).

GEWÄSSERSCHADEN-HAFTPFLICHT

  • Was? Diese Versicherung übernimmt alle Kosten, wenn ein auslaufender Öltank Schäden verursacht.
  • Warum? Selbst geringste Mengen Öl können enorme Umweltschäden verursachen und große Mengen Erd reich oder sogar das Grundwasser verseuchen. Dies zu beseitigen, kann manchmal fast unbezahlbar sein.
  • Wer? Alle Öltankbesitzer, egal der Tank überirdisch oder unterirdisch steht. Bei manchen Privathaftpflichtversicherung ist der Öltank mitversichert.
  • Wieviel? Je nach Größe des Tanks, bei einem 5.000-Liter-Tank oberirdisch etwa 30 bis 50 Euro pro Jahr, unter irdisch etwa 50 bis 60 Euro pro Jahr.

Bewertung von Thorsten Rudnik: Versicherungsschutz ist für jeden Öltankbesitzer unverzichtbar.

Extratipp von Thorsten Rudnik: Alle Vorschriften zur Reinigung und Wartung des Tanks müssen ganz genau eingehalten werden. Deshalb sollte man alle Wartungsbelege aufheben, damit die Versicherung im Ernstfall tatsächlich zahlt.

HAUSRAT-VERSICHERUNGEN

  • Was? Die Hausratversicherung zahlt, wenn die Einrichtung oder die persönlichen Dinge im Haus gestohlen oder beschädigt werden, beispielsweise durch Einbruchdiebstahl, Feuer, Sturm, Leitungswasser oder Blitz. Sie leistet auch wenn der Blitz woanders einschlägt und über die Stromleitungen Elektrogeräte beschädigt werden (Überspannungsschäden).
  • Warum? Schöne Möbel kosten bekanntlich viel Geld und auch bei den vielen kleinen und großen Anschaffungen des Alltags wie beispielsweise Haushaltsgeräten, Unterhaltungselektronik, Kleidung und so weiter kommt im Laufe der Jahre eine ordentliche Summe zusammen. Wenn nach einem Schaden der gesamte Hausrat neu gekauft werden muss, wird es teuer.
  • Wer? Alle, die eine voll eingerichtete und ausgestattete Wohnung haben.
    Wieviel? Der Preis für die Police hängt vom Wohnort, der Größe der Immobilie und der Versicherungssumme ab. Bei einem durchschnittlichen Einfamilienhaus oft 100–150 Euro pro Jahr.

Bewertung von Thorsten Rudnik: Der Schutz ist nicht zwingend notwendig, aber emp fehlenswert, wenn man im Schadensfall notwendige Neuanschaffungen nicht aus eigener Tasche bezahlen will.

Extratipp von Thorsten Rudnik: Es ist wichtig, die Versicherungssumme ausreichend hoch zu wählen, da bei einer Unterversicherung die Leistungen gekürzt werden. Da der Hausrat bei einem schweren Schaden möglicherweise komplett zerstört wird, ist es empfehlenswert, zumindest die teuren Dinge (Antiquitäten, Designermöbel, hochwertige Unter haltungselektronik, Schmuck, Fotoausrüstung und so weiter) zu dokumentieren, indem man Fotos der Gegenstände und der entsprechenden Rechnungen macht. Dadurch kann man im Schadensfall beweisen, dass man diese Gegenstände wirklich besessen hat.
Wer ein häusliches Arbeitszimmer einrichten möchte, sollte darauf achten, dass dieses im Vertrag mit abgedeckt ist.

GLASBRUCH-VERSICHERUNGEN

  • Was? Die Versicherung zahlt, wenn Glasscheiben am Haus beschädigt werden.
  • Warum? Der Austausch von großen Fenstern oder Scheiben von Wintergärten kann teuer werden.
  • Wer? Sehr vorsichtige Menschen, die überdurchschnittlich viele Glasfronten oder einen großen Wintergarten in ihrem Haus haben.
  • Wieviel? Meist zwischen 40 und 60 Euro pro Jahr.

Bewertung von Thorsten Rudnik: Diese Versicherung ist heutzutage in den allermeisten Fällen überflüssig, da man die modernen Mehrfach verglasungen kaum noch kaputt bekommt.

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