Massivbau

Massivhäuser und ihre Bauweisen

Stein auf Stein gemauert – so wünschen sich immer noch die meisten ihr Traumhaus. Wir stellen Ihnen die wichtigsten und interessantesten Methoden vor, einen Massivbau zu errichten.

Massivhaus – schon das Wort suggeriert Wertigkeit, Stabilität, Dauerhaftigkeit und Sicherheit. Und das gewiss für länger als eine Generation. Heute jedoch steht der Hausbau am Scheideweg. Umwelterfordernisse, knapper werdende Ressourcen und die menschliche Fähigkeit zur Einsicht in Notwendigkeiten führen zu starken Veränderungen – gerade auch beim Eigenheimbau. Zwar gewinnt das Holzfertighaus immer mehr Marktanteile, aber auch die Haus-Massivbauweise Stein auf Stein ist dank moderner mineralischer und massiver Baustoffe vielseitig und zukunftsfähig aufgestellt.

Definition Massivbau

Denn natürlich wird heute kaum noch mit Natursteinen gebaut, sondern mit Ziegel- und Betonsteinen, Kalksandstein oder Stahlbeton. Aber der Begriff Massivbau bezieht sich weniger auf die Baustoffe für den Hausbau, als auf die Art des Tragwerks: Bei der Bauart “Massiv” sind es die (massiven) Wände und Decken, die die Statik bilden. Im Gegensatz zum Skelett- oder Fachwerkbau, in dem horizontale Träger und vertikale Stützen das Tragwerk des Hauses bilden.

1. Wärmedämmverbundsystem

Das Gros der Einfamilienhaus-Neubauten wird seit Mitte der 60er Jahre und auch heute noch sicherlich mit gemauerten Außenwänden gebaut und mit einem Polystyrol-Wärmedämmverbundsystem (WDVS) gedämmt. EPS, also expandiertes Polystyrol, ist heute mit 63 Prozent der meist eingesetzte Dämmstoff hierzulande. Er ist heute einfach immer noch die günstigste Art, ein top-wärmegedämmtes Haus zu bauen. Die Dämmplatten werden an der Außenseite der Wand befestigt und dann verputzt. Daher das hohl klingende Geräusch, wenn man mit dem Knöchel an eine WDVS-Fassade klopft.

Massivbau Wärmeverbundsystem
Polystyrol ist das günstigste Dämmmaterial. Es bildet zusammen mit dem Kleber, der Armierung und der Putzschicht ein Top-Dämmsystem. (Foto: Eco System Haus)

Über die Nachteile ist hinreichend berichtet worden. Aber einige Probleme, wie die Imprägnierung mit gesundheitsschädlichen Flammschutzmitteln, sind mittlerweile gelöst. Und in einer Hinsicht ist die Umweltbilanz eines Polystyrol-WDVS sicher positiv: Der Ressourcen- und Energieaufwand bei Herstellung und Verwertung oder Entsorgung wird aufgewogen durch die Energieeinsparungen während der Nutzungsphase und eine mängelfreie Dauerhaftigkeit.

Massivbau Eco System Haus
… Bei diesem Haus zusammen mit Porenbeton-Außenwänden. (Foto: Eco System Haus)

2. Zweischaliges Mauerwerk

Etwas aufwendiger, aber klassisch ist die zweischalige Außenwand. Wie ihr Name sagt, besteht sie aus zwei mit Ankern verbundenen Mauerschalen mit maximal 15 Zentimetern Abstand: einer tragenden Innenschale und der vorgesetzten Verblendsteinfassade. Dazwischen liegen eine Luft- und eine Dämmschicht, zum Beispiel aus Mineralwolle. Der Zwischenraum kann auch vollständig mit Dämmmaterial gefüllt werden, das heißt dann Kerndämmung.

Zweischaliges Mauerwerk
Zweischaliges Mauerwerk setzt sich aus der tragenden Innenschale, einer Dämmschicht und der Fassaden-Außenschale zusammen. (Foto: KS Original)

3. Monolithisches Mauerwerk

Moderne Baustofftechnologie ermöglicht heute, Bausteine herzustellen, deren Wärmeleitfähigkeit so gering ist, dass sie ab einer bestimmten Stärke keine weitere Dämmung benötigen. Eine Außenwand kann dann beispielsweise nur aus diesem Stein sowie dem Innen- und dem Außenputz bestehen. In monolithischer Bauweise lassen sich sogar Passivhäuser bauen. Die Wandstärke beträgt inklusive Putz etwa 40 Zentimeter.

Leichtbetonstein monolithisch
Ganz ohne zusätzliche Dämmschicht geht es in monolithischer und massiver Bauweise. Prädestiniert dafür sind etwa Leichtbetonsteine mit geringem Gewicht. (Foto: KLB Klimaleichtblock)

Der Klassiker für monolithische Außenwände ist der Hochlochziegel. Hochloch deutet auf den Verlauf des Hohlraumsystems im Stein hin. Denn das muss senkrecht angeordnet sein, wenn der Stein eine tragende Funktion haben soll. Optimieren lässt sich diese Bauweise mit verfüllten Hochlochziegeln. Deren Hohlräume sind so konstruiert, dass sie mit Dämmmaterialien wie Perlite, Mineralwolle oder Holzweichfaser gefüllt werden können. Monolithische Außenwände sind nicht nur mit Ziegeln, sondern auch mit Porenbeton- und Leichtbetonsteinen möglich.

4. Hybridbauweise

Ein Hybridhaus besteht aus Porenbetonsteinen und Holz. Es nutzt die Vorteile beider Baumaterialien optimal aus, indem es den Mauerwerksbau mit dem aus Holzfertigteilen vereint. So bildet beim Edition Clever 138 + des Massivhausbauers Town & Country ein massiv aus Porenbetonsteinen gemauertes monolithisches Erdgeschoss die Basis für ein Dachgeschoss in Holzrahmenbauweise. Das vermittelt einerseits das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit und nutzt zugleich die energetischen Vorteile des Holzfertigbaus.

Hybridbauweise Town Country
Bei der Hybridbauweise des Edition Clever 138 + setzt ein Dachgeschoss in Holzrahmenbauweise auf ein monolithisch aus Porenbeton gemauertes Erdgeschoss auf. (Foto: Town & Country)

Die Holzrahmenbauweise bietet einige Vorteile bei Wärmeschutz und CO2-Bilanz. Nicht nur, weil Holz ein natürlich nachwachsender Rohstoff ist, sondern auch, weil die Holzrahmenbauweise Ressourcen spart. Denn: Im Dachgeschoss gibt es keine gemauerten Drempel, Giebel, keine Ringbalken und keinen Innenputz. Durch das Mauerwerk im Erdgeschoss und den Holzrahmenbau im Dachgeschoss ergibt sich auch eine klare Trennung zwischen den Gewerken und dadurch eine verbesserte Taktung im Bauablauf.

5. Massivfertigbauweise

Fertigbau geht allerdings auch komplett massiv: So baut die Firma Rötzer Ziegel-Element- Haus in Südbayern individuelle Eigenheime aus Ziegel-Elementwänden. Wände und Decken werden industriell exakt im Werk vorgefertigt und computergesteuert getrocknet. Wie auch beim Holzfertigbau sind die Wände fix und fertig verkabelt, mit sämtlichen Rohrleitungen versehen und fertig verputzt, wenn sie auf die Baustelle kommen. Nur die Fenster und Türen werden dort dann noch eingesetzt.

Massivbau Roterer Ziegelhaus
Fertighauswände lassen sich auch aus Ziegeln produzieren und computergesteuert trocknen. Sie kommen fertig verkabelt und mit allen Rohren versehen auf die Baustelle. (Foto: Rötzer Ziegel-Element-Haus)

Diese Bauweise vereint also die Vorteile eines massiven Ziegelhauses mit den Vorteilen der Fertighaus-Bauweise. Zum Beispiel den raschen Aufbau trockener Wände auf der Baustelle, der das Risiko einer verspäteten Fertigstellung auf ein Minimum reduziert. Denn das wiederum ermöglicht den sofortigen Start des Innenausbaus, was nicht nur Zeit, sondern auch Geld und Nerven spart.

6. Bausatzhaus

„Selbst ist der Mann“ heißt es bei Ytong-Bausatzhaus. Wobei dieses Selbstbausystem aus leichten und einfach zu bearbeitenden Porenbetonsteinen gewiss auch keine halbwegs geschickte Frau abschreckt. Bei entsprechender Eigenleistung lassen sich damit bis zu 60.000 Euro beim Hausbau sparen.

Wie andere Hausanbieter auch bietet Ytong Bausatzhaus eine Reihe von Vorentwürfen von Bungalows, Ein- und Zweifamilien- sowie Doppel- und Mehrgenerationenhäusern zur Inspiration an. Dann wird ein regionaler Bausatzhauspartner gefunden. Mit dem zusammen wird das Eigenheim individuell fertig geplant.

Bausatzhaus Ytong
Beim Bau eines Massivhauses können Bauherren hier selbst Hand anlegen. Die Porenbetonsteine sind leicht und einfach zu bearbeiten. Natürlich nach fachkundiger und Anleitung und während der Bauphase sorgfältig betreut. (Foto: Ytong Bausatzhaus)

Der Rohbau eines solchen Bausatzhauses lässt sich übrigens auch komplett vom Ytong- Baupartner oder einem anderen Unternehmen der eigenen Wahl bauen. In beiden Fällen bleibt dem Bauherrn nur noch, den Innenausbau entweder selbst zu besorgen oder ebenfalls besorgen zu lassen.

Do-it-yourselfer können an Bauherrentagen kostenlos und unverbindlich feststellen, wie einfach das Bauen mit den leichten Ytong-Steinen klappt. Der Bausatzhaus-Partner steht den Bauherren während der ganzen Bauphase mit Rat und Tat zur Seite. Obendrein veranlasst er die zeitgerechte Lieferung der Materialien und stellt die nötigen Werkzeuge und Maschinen zur Verfügung. Die Bauzeit eines solchen Bausatzhauses beträgt dank genau aufeinander abgestimmter Einzelkomponenten etwa ein Jahr.

7. Stahlbetonbauweise

Einer spannenden Bautechnik bedient sich der Massivhausanbieter Kern-Haus. Er nutzt den ansonsten im Eigenheimbau eher selten anzutreffenden Stahlbeton und spezielle Bausteine, die zugleich die Dämmung des Hauses bilden. Duotherm-Wände sparen laut Kern-Haus 15 bis 20 Prozent mehr Heizkosten ein als andere massive Außenwände mit gleichem Wärmedurchlasswert.

Beton besteht ausschließlich aus natürlichen Rohstoffen, deren Ursprung Wasser, Kies und Sand bilden. Er lässt sich recyceln und sogar aus recycelten Rohstoffen herstellen. Gegenüber den Belastungen des alltäglichen Wohnens und Umwelteinflüssen weist er eine deutlich höhere Lebensdauer auf.

Stahlbeton
7. Stahlbeton: Duotherm heißt diese Bauweise, bei der die stahlbewehrten Bausteine zugleich die Dämmung sind. Sie werden wie Legosteine aufeinander gesteckt und ihre Hohlräume mit Beton ausgegossen. (Foto: Kern-Haus)

Das Stein-auf-Stein-Prinzip funktioniert bei Duotherm ähnlich wie bei Lego-Spielzeugsteinen: Die exakt aufeinander passenden Duotherm-Dämmelemente mit Stahleinlagen sind innen hohl und werden geschossweise einfach aufeinander gesteckt. Dann rollt der Mischer an und füllt die Wände mit Beton. Der erhärtet zum massiven Kern, der dann innen und außen nahtlos mit Dämmung ummantelt ist. In kürzester Zeit kann mit dem Verlegen der Decken und mit der Montage des Dachstuhls fortgefahren werden. Durch die schnelle Rohbauzeit können auch hier die Folgegewerke früher beginnen. Die Vorteile Zeit- und Kostenersparnis liegen auf der Hand. Außerdem ist die Duotherm-Wand im Vergleich zu ähnlich gedämmten Massivbauwänden relativ schlank. Das kann bei Außenmaßen von 10 x 10 Metern gut 4 Quadratmeter Wohnfläche mehr bedeuten.

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