Musterhaus „Qi“ von Baufritz

Ausstattungsexperte und Schreinermeister Thomas Zoller von Baufritz in Erkheim: „Nachhaltige und langlebige Qualität des Authentischen zahlt sich immer aus.“ Er versteht aber auch, dass aus Kostengründen heute neue Materialien hergestellt werden, um die Illusion von echtem Holz oder Leder, Stein, Kork oder Seide zu erzeugen. Doch das ist eine andere Geschichte.

Die Verwendung von Holz zum Feuermachen gilt gemeinhin als Beginn menschlicher Kulturtätigkeit. Es hilft manchmal, sich solcher alter Gewissheiten zu erinnern. Der natürlichste Werkstoff der Welt gewinnt dann noch mehr Statur.

Das neue Musterhaus „Qi“ des Allgäuer Holzhaus-Spezialisten Baufritz ist aus mehreren Gründen sehenswert. Einer ist die schmale, schlanke Gestalt mit der Faltlamellen-Fassade, die zugleich als Beschattung dient. Ein anderer das Cabriodach über dem Terrassendeck oder der naturtemperierte Weinkeller. Doch eine der schönsten Seiten des Musterhauses am Firmensitz in Erkheim und gleichzeitig eine der Visitenkarten des Nachhaltigkeits-Verständnisses von Baufritz sind die Liebe und die handwerkliche Meisterschaft, mit denen der Baustoff Holz auf ganz verschiedenen Bühnen im „Qi“ auftritt.

„Qi“ inspirierte schon viele zum Bau des eigenes Hauses – dafür ist es ja da

Nicht als Orgie bornierter Holzmichel, sondern als wohltemperierter Einsatz, im Wissen um Möglichkeiten und Grenzen von Holz im Haus. Thomas Zoller (39), Schreinermeister und geprüfter Möbel- und Innenraumgestalter bei Baufritz, sagt es am Ende unserer Besichtigung so: „Ich bin mir sicher, dass Holz als Bau- und Gestaltungsstoff künftig eine noch wichtigere Rolle spielen wird. Dafür sorgt allein der Vorzug, dass er unbegrenzt nachwächst und nachhaltig wie kein zweiter ist. Aber ich habe Holz nie als Alleinunterhalter verstanden. Es braucht gute Begleiter in Gestalt von Stein und Glas, Stahl oder Keramik. Wir fertigen mit Holz letztlich nur einen Rahmen – nimmt es sich zu wichtig, verblasst das Bild: der Mensch im Haus. Am Ende ist ja nicht allein das Regal wichtig, sondern die Bücher. Holz ist eine Facette, allerdings eine wichtige. Und eine sehr schöne.“

Thomas Zoller studierte bis zum Vordiplom Elektronik. Das half ihm, endgültig Klarheit darüber zu gewinnen, dass der Stoff, den er in den Händen halten, formen und gestalten wollte, Holz heißt. Sein Verhältnis zu ihm nennt er sinnlich. Er verbindet mit ihm nicht bloß Farbe, „sondern immer auch Geruch und Gefühl“, und am Aufregendsten an Holz findet er „die Veränderung der Optik und Patina, wenn man dies zulässt. Junge Buche etwa ist eher fad, aber wenn sie ab 80 braunkernig wird, tritt ein starker Charakter hervor.“

Im „Qi“ sind vor allem gebürstete Edelkastanie (Fußböden, Innentreppe), Eiche (Bad, Weinkeller) und Ulme (Möbel) verwendet worden. Niemand anders als die 37-jährige Geschäftsführerin und Baufritz-Mitinhaberin Dagmar Fritz-Kramer, „Unternehmerin des Jahres 2008“, war es, die ein eher selten eingesetztes Holz wie die Edelkastanie zum tragenden Element bestimmte. Thomas Zoller: „Die Chefin ist eine mutige und authentische Unternehmerin. Sie wollte die Edelkastanie, die nicht mit der minderwertigen Rosskastanie zu verwechseln ist, aus ihrem unverdienten Aschenputteldasein erlösen: Die Edelkastanie hat tolle Gebrauchseigenschaften, sieht prima aus und lässt sich gut verarbeiten.“
Das Resultat ist sehr vorzeigbar – gebürstet als Fußboden im Wohnbereich, einschmeichelnd glatt, warm und ansatzlos auf der glasflankierten Innentreppe, repräsentativ an der Haustür. Kein Zufall, dass die Baufritz-Suche nicht bei einem Exotenholz landete. Es entspricht dem Selbstverständnis des baubiologisch führenden Familienunternehmens, Klima schonende Wege zu gehen. „Man muss nicht immer alles machen, was machbar ist und Holz aus dem letzten Winkel des Globus holen“, erklärt der Schreinermeister. Er gibt sich damit als Anhänger echter Materialien zu erkennen. „Immer schön authentisch bleiben“, begründet er.

Holz erwartet Toleranz

Für wichtiger und anspruchsvoller hält es Thomas Zoller, den heimischen Hölzern mit ihren unterschiedlichen Eigenschaften gerecht zu werden. Weshalb der Allgäuer mit den lebhaften braunen Augen auf die Frage, welche Wünsche in Sachen Holz im Hausbau eigentlich noch ihrer Erfüllung harren, etwas überraschend antwortet: Toleranz. „Ich meine die Toleranz gegenüber Vielfarbigkeit, Astigkeit oder gelegentlicher Rissigkeit. Das, was oft als ,Fehler‘ bezeichnet wird, gehört in Wahrheit zu den inneren Stärken des Materials.“

Für ihn, den Fachmann, kann Technologie kein Wissen ersetzen. Deshalb reizt es ihn ungleich mehr, die Materialität und Verhaltensmuster von Originalstoffen auszukosten, als mit nachgemachten Materialien Echtheits-Illusionen zu erzeugen. „Mit Nachahmung geht viel Wissen um Authentisches verloren. Das ist beim Holz nicht anders als bei Stein, Stoff oder Leder. Ich frage mich oft: Warum noch so gekonnte Kopien anstreben? Warum nicht eigene Wege mit dem Original beschreiten?“

„Tom“ Zoller, nun ganz leidenschaftlich, streicht über die seidenweiche, mit kräftiger Maserung und urwüchsigen Ast-Zeichnungen geprägte Tischplatte aus Ulme. Sie ist für ihn Beleg, wie aus Kenntnis des Materials und Wissen um sein Verhalten, aus Wertschätzung des Echten in Verbindung mit handwerklicher Meisterschaft berührende Schönheit entsteht.

Experimentierfreudige Könner

Dieses Zusammenspiel ist ein Erkennungszeichen von Baufritz und kaum sein geringstes. „Ich arbeite hier mit Könnern und Kreativen zusammen. Wir beobachten den Markt genau, wir sammeln Ideen auf den Messen von Köln oder Mailand, aber wir traben dem Markt nicht gedankenlos hinterher. Wir versuchen selbst zu bestimmen, was gut und gesund, was wertig und schön ist.“

Da die Hauskenner von Baufritz jene Individualisten sind, die sie sind, widerstrebt ihnen eigentlich der Bau von Musterhäusern. Es sei denn, man nimmt sie nicht als Schablone für Folgehäuser, sondern als Ausweis für Experimentierfreude, Materialkenntnis und Könnerschaft des Erkheimer Teams. Auch deswegen haben sie ihre „HausSchneiderei“, diese Ideenschmiede, nicht Schreinerei oder Zimmerei genannt. Dagmar Fritz, mit Kogeschäftsführer Helmut Holl ein Duo, das sich in seinen Einzelstärken ergänzt: „Der Begriff stammt von mir. Wir wollten damit ausdrücken, dass wir ein Haus für die Wünsche des Kunden maßschneidern und dass wir hier Werkzeuge haben wie ein Schneider: Maßband und Muster.“
Maßschneiderei hat im „Qi“ durch die Bank und mit Spielfreude stattgefunden (Thomas Zoller sagt, als er über Holz als den traditionellsten Baustoff spricht, die Arbeit mit ihm gleiche „dem Jazz – Variationen über ein Thema“). Nicht als Geschmacks-Diktat, sondern als Momentaufnahme ideeller und handwerklicher Möglichkeiten. Bei den Frontseiten der grifflosen Küchenmöbel haben sie, um die Wucht einer massiven Holzküche und den sattsam benutzten Hochglanzlack zu vermeiden, eine Variante gewählt: Cremefarbiges Linoleum, erstklassig antistatisch und antibakteriell, wurde wie Furnier aufgebracht. Es ist funktioneller als geöltes Holz und hinterlässt keine Gebrauchsspuren im Material.

Im Beispiel steckt Provokation. Ähnlich wie in den unkonventionellen, polarisierenden Leuchten – im Eltern-Schlafraum ein Silberdraht-Lichtball von 1,20 Meter Durchmesser. Thomas Zoller ist es wichtig, bei einem Musterhaus starke Statements abzugeben und nicht zu gefällig zu sein. „Nett ist oft die kleine Schwester der Langeweile.“

Im Bad hat dieses Herangehen zum vornehmen Einsatz von Eiche auf dem Waschtisch und als Relax-Boden hinter der freien Wanne sowie zur selbstbewussten Akzentuierung des langen, schmalen Raumes geführt. Getreu dem Motto „Betone, was du nicht verbergen kannst“ verlängern die Längsausrichtung der Wanne, das flache, gestreckte Eichenboard und die Maserung des Waschtischs den Raum. Intensität durch Bekenntnis, Spannung durch Aufrichtigkeit.

Die Frage nach neuen Einsatzbereichen für Holz im Haus kontert Herr Zoller zunächst mit der Frage, welche Bereiche es sich denn noch nicht erobert habe. Dann ergänzt er doch. Er sei sicher, „dass wir neue Wandverkleidungen mit Holz erleben werden und der neue Wohlfühlraum Bad ein Bewährungsraum für geeignetes Holz wird“.

Tolle Figur im Bad

Da ist es wieder: Der Meister unterschreibt Verallgemeinerungsfragen nicht mit Blankoschecks. Er sagt, Holz im Barfußbereich bringe vielen Menschen „die verloren gegangene Sinnlichkeit des Fühl- und Tasterlebnisses zurück“. Doch Tom Zoller, der sein Meisterstück mit einem Waschtischkonzept aus 50-jähriger Lärche gemacht und sein Familienbad ebenfalls in Lärche ausgeführt hat, sagt, es komme darauf an, welches Holz man fürs Bad erwägt. „Lärche, Eiche oder Edelkastanie machen im Bad eine tolle Figur, Buche, die unter Feuchtigkeit stark arbeitet, sollte man dort nicht einsetzen.“

Ähnlich reagiert er auf die Neugier, ob er bei seinen Bauherr-Kontakten unterschiedliche Holz-Affinität zwischen den Geschlechtern spüre. Nein, die Liebe zum Holz erlebe er bei Mann und Frau gleichermaßen. Aber gewiss sei er sich: „Es gibt männliche und weibliche Hölzer. Eiche ist maskulin – stark, unbändig, knorrig. Kirsche ist absolut feminin. Sie zeigt Feuer und Leidenschaft, duldet keinen Nebenbuhler.“

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