Lichtregie fürs Haus

Richtig beleuchten - aber wie?

Wie wird die Beleuchtung von Räumen ihren drei Aufgaben – Funktion, Komfort, Ambiente – gerecht? Ein Rundgang durchs Haus mit Fachleuten, die etwas davon verstehen: Lisbeth Mans­feldt und Claus Østergaard

Wie am besten beginnen mit einer individuellen Lichtplanung fürs Haus?


Lisbeth Mansfeldt: Durchlaufen Sie jeden Raum im Haus, erspüren Sie ihn. Je mehr Multifunktionen er bieten soll, desto allgemeingültiger muss das Licht sein. Oft ein schwieriger Balanceakt, weil eine stimmige Atmosphäre oberste Priorität hat. Die Räume sollten schon eingerichtet sein; sich Beleuchtungskonzepte in kahlen Räumen auszudenken, führt zu keinem optimalen Wohlfühl-Ergebnis.


Lichtplanung sehen Sie als Bestandteil der Innenraumgestaltung?


Claus Østergaard: Unbedingt. Sie sollte sich dem Stil, den sich die Bewohner in ihrem neuen Haus wünschen, anpassen. Ein allgemeingültiger Rat, ohne deshalb indivuelle Ambitionen einzuschränken: Es tut gut, sich bei der Zahl der verschiedenen Leuchten zu disziplinieren. Ich versuche zum Beispiel in allen „dynamischen Zonen“ des Hauses die Beleuchtungsaufgabe mit sehr wenigen Designs zu lösen. Das ergibt eine gelassenere Atmosphäre, die Stilistik wird einfacher und stimmiger.



Der Eingangsbereich


Ganz wichtig: die Ausleuchtung der Höhenunterschiede vom Boden zur Haustür, auch aus Sicherheitsgründen. Gestalten sie den Eingang funktionell, aber auch attraktiv. Welches Licht soll angehen, wenn jemand den Bereich betritt? Benutzen Sie Sensoren, um Energie zu sparen. Dabei entscheiden Sie, wie lange das Licht brennen soll. Illuminieren sie den Weg, den Parkplatz und schließlich die Eingangstür. Achten Sie darauf, dass keiner dieser Bereiche komplett im Dunkeln liegt, während das Licht an der Haustür an ist. Dunkle Bereiche ziehen das Auge an, es würde anschließend vom Licht geblendet werden.


Leuchten in eher niedriger Position anbringen


An der Haustür das Licht so installieren, dass der gesamte Bereich hell ist und Sie Ihre Besucher identifizieren können – und umgekehrt. Andernfalls blendet Besucher das Licht hinter Ihnen, wenn Sie die Tür öffnen, Sie selbst erscheinen nur als dunkle Silhouette. Im Flur muss jede Menge untergebracht werden – Garderobe, Spiegel, Ablagen –, vorstellbar, dass es an Platz für Wandleuchten fehlt. Ist der vorhanden, sind sie erste Wahl. Ansonsten, abhängig von der Deckenhöhe, Pendelleuchten. Alle dimmbar, sodass sich jederzeit eine spezifische Atmosphäre schaffen lässt. Wird Licht vom Flurspiegel reflektiert, vergrößert das die Lichtausbeute.


Ein Spiegel sollte seitlich mit Wandleuchten bestückt werden – bei Deckenlicht das Make-up zu korrigieren, gelingt selten gut.



Das Wohnzimmer


Der häufigste Fehler: zu wenig Licht. Irrtümlich wird häufig gedacht, wenig Licht sei identisch mit behaglicher Stimmung. Das Wohnzimmer ist ein Multifunktionsraum und braucht verschiedenstes Licht. Kombinieren Sie also Decken-, Tisch-, Steh- und Wandleuchten. Erst durch die Verknüpfung der drei grundlegenden Elemente Funktion, Komfort und Ambiente kann der Raum flexibel auf alle Familienbedürfnisse reagieren.


Das Wohnzimmer beherbergt Malereien, Bücher, Antikes, Dekoration. Sachen, zu denen Sie eine Beziehung haben, mit denen Sie Lebensstil dokumentieren. Warum sollen die in der Dunkelheit unsichtbar sein? Sehr effektvoll ist es, Bücherwände von unten zu beleuchten, das schafft nebenbei eine behagliche Atmosphäre. wenn sie häufig lesen oder Handar­beiten lieben, sollten sie sich eine gute Stehlampe anschaffen. Sie ist die flexibelste Lösung für direktes Licht. Tischlampen oder beleuchtete Ecken sorgen für helle Oasen im Raum. Auf Fensterbretter kleine Tischlampen stellen, das lockert großflächige, dunkle Vorhänge freundlich auf.


Für den Couchtisch mit Sofa und Sessel drumherum empfiehlt sich eine Hängeleuchte. Vergessen Sie den Dimmer nicht, er schafft die Freiheit, die Atmosphäre im gesamten Raum und am Tisch zu verändern. Wagen Sie sich ruhig an eine Hängeleuchte, die in Größe und Design auffällt, dazu würde ich ausdrücklich ermutigen. Sie schafft sofort eine Mitte im Raum und Sie können wunderbare Stimmungen inszenieren.



Eine der weltweit bekanntesten Leuchten ist die fantastische „Artichoke“ von Poul Henningsen. Weil sie vielen zu groß erschien, wurde eine kleinere Version produziert. Dabei ist die größere viel beeindruckender. Wenn sie niedrig über dem Tisch hängt, erhält man eine schöne Ansicht der Blätter. Und Sie zeigen mit einer solchen Lösung, dass Licht Ihnen wichtig ist.


Um den Raum in Lichtareale zu glie­dern, plädiere ich für sechs bis acht helle Punkte – natürlich abhängig von der Raumgröße. Wenn Sie unsicher sind, beleuchten Sie testweise einige Plätze mit Kerzenlicht, um zu sehen, was geschieht. Verrücken Sie die Kerzen, um festzustellen, wie sich die Raumwirkung verändert. Spots im Wohnzimmer zählen nicht zu meinen Favoriten. Ich mag beispielsweise für Bilder flexible Modelle, die am Rahmen oder an der Decke angebracht werden.


Berücksichtigen Sie auch die Leuchtquelle, sie muss einen Ra-Index* von annähernd 100 haben. Ich selbst habe nicht viele Wandleuchten in meinem Wohnzimmer. Einige machen aber in dunklen Bereichen tatsächlich einen guten Job. Kürzlich sah ich bei jemandem Wandleuchten hinter dem Sofa – wunderbar. Wie auch Außenwandmodelle im Wohnzimmer einer anderen Familie. Ein fantastischer Effekt und mutig dazu.



Die Küche


Damit man sieht, ob die Nahrungsmittel frisch sind, muss das Licht die Farben naturgetreu wiedergeben. Der Ra-Index* sollte bei 90, noch besser bei annähernd 100 liegen. LED oder Halogenlicht erreicht solche Werte. Besonders die Arbeitsfläche sollte bestens erhellt sein. Mit Wandleuchten sichern Sie sich perfektes Arbeitslicht. Es darf nicht blenden, Schatten sind tabu. Verwenden Sie Lichtquellen, die Stroboskopeffekte (optische Täuschungen) vermeiden. Ich habe für eines meiner jüngsten Projekte zum Beispiel die „AJ“ ausgewählt: Mit dem justierbaren Kopf kann man das Arbeitslicht bedarfsgerecht optimieren.


Ein gutes Lichtkonzept verhindert dunkle Bereiche.

Bringen sie die Leuchten möglichst nahe an der Wand an. Deren Reflexion streut das Licht zusätzlich. Hängeleuchten sind oft eine extrem gute Lösung – sofern man sich nicht den Kopf an ihnen stößt. Die Küche ist heute zugleich beliebter Essplatz. Man muss also von Arbeits- auf behagliches Atmosphärenlicht umschalten können. Am einfachsten ermöglichen das Dimmer. Ein funktionierendes Szenario: eine Hängeleuchte über dem Esstisch und Lichtquellen über der Arbeitsplatte, die sich herunterdimmen lassen. Die Leuchte über dem Esstisch sollte 60 Zentimeter Abstand zur Tischplatte haben.



Das Bad


Da dieser Raum nass und feucht ist, müssen für Leuchten verschiedene Schutzklassen berücksichtigt werden. Am Spiegel und an den Waschbecken ist ein „Arbeits­-Licht“ nötig. Optimales Schminken oder Rasieren erfordert eine Lichtquelle mit einem Ra-Index* von mindestens 90. Ich rate dazu, die Leuchten am Spiegel anzubringen. Sie erhellen das Gesicht frontal, manche Lampen senden sogar eine Art Hintergrundbeleuchtung aus, die im Spiegel reflektiert wird. Leuchten mit Opalglas oder Diffusor verhindern Blendung. Das Licht sollte weich und diffus sein, so gibt es keine irritierenden Schatten auf dem Gesicht.


Wer sein Bad als Spa-­Bereich ver­steht, kann nicht auf dimmbares Licht verzichten. Wie im Wohnzimmer würde ich verschiedene Spots verwenden. Und Kerzenlicht nicht vergessen!


Farbiges Licht in Kombination mit Wasser ist eine Geschmacksfrage. Ich mag die Anmutung klaren Wassers. Rotes Wasser in der Natur würde mich niemals zum Baden animieren. Mich fasziniert vielmehr ein warmes und leichtes Gefühl im Bad. Elementar für eine solche Inszenierung ist das Licht. Eine wohltuende Atmosphäre zu schaffen, spart übrigens oft auch Energie. In einer kleinen Gästetoilette sollte das Licht nicht nur funktionell sein, sondern auch einladend. Häufig wird hier zu viel des Guten getan – Deckenleuchte plus Wandleuchten etwa. Ausreichend sind Wandleuchten neben dem Spiegel. Sie verbreiten ein niedriges Licht, das zugleich das Gesicht gut ausleuchtet.



Das Kinderzimmer


Für die Kleinen zählt der Fußboden zu den liebsten Spielplätzen. Sehr praktisch ist deshalb eine Hängeleuchte im Zimmer, selbstverständlich ausgerüstet mit einem Dimmer. Man kann das Licht intensivieren, wenn erforderlich, und es abschwächen, um eine warme, entspannende Atmosphäre zu arrangieren. Untersuchungen belegen, dass eine hohe Lichtintensität Kinder stresst, eine niedrige sie dagegen beruhigt.


Am Bett ist eine Wandleuchte sinnvoll. Sie verbreitet ein gutes Licht und Kinder können sie bedienen, ohne aufstehen zu müssen. Bitte beachten, dass sich eine Halogenleuchte extrem erwärmen kann. Ich würde deshalb auf die neuen LED ausweichen. Tisch-­ und Stehmodelle sind für Jugendliche in Ordnung, für kleine Kinder da­ gegen eine Gefahrenquelle. Eine Wandleuchte, die anstelle der Hängeleuchte angeschaltet werden kann, wenn eine entspanntere Atmosphäre angeraten ist, leistet gleichfalls gute Dienste. Lässt sie sich nicht runterdimmen, rate ich zu einem Leuchtmittel mit einer niedrigeren Leistung.


Entscheiden sie über das Licht nicht unter rein funktionalen Aspekten. Kinder brauchen Entspannung, genauso wie wir. Licht im Kinderzimmer wirft immer auch die Frage nach Tageslicht auf. Selbstverständlich ist es wichtig, wie in allen Räumen des Hauses. Aber für Kinder, so denke ich, ist die gesündeste Sache das Tageslicht im Freien. Also die richtige Kleidung an und raus an die frische Luft.



Die Experten


Lisbeth Mansfeldt ist Autorin des Licht- Buches „Sans for Lys“ und Managerin des Louis Poulsen-Show-Rooms in Kopenhagen.


Claus Østergaard ist einer der Direktoren von Louis Poulsen, einem der Branchenführer. Designer-Ikonen wie Poul Henningsen, Arne Jacobsen und Verner Panton entwarfen für Poulsen Lampenklassiker von Weltrang.


Enke Cäcilie Jansson

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