Neues Haus-Denken: Um die Küche herum?!

Neues Haus-Denkencon LUXHAUS: Um die Küche herum?!

Wenn Familien nicht mit überkommenen Restriktionen und erst recht nicht mit Raumkonzepten von ehemals bauen möchten, wenn sie ohne reichweitenstarke Erklärungen der Küche den zentralen Platz in Haus und Alltag zubilligen, wenn sie also wagen, der eigenen Dramaturgie zu folgen, ist ein neues Herangehen gefragt. Findet auch eine Expertenrunde bei LUXHAUS und plädiert für den Mut, Raumplanung den Vorrang einzuräumen vor der eigentlichen Hausplanung.

Viele Küchen haben das Problem gängiger Neubaugebiete: Sie treten an mit dem Anspruch unbedingt individueller Lösungen – um am Ende dann doch als beliebige Duplikate zu stranden. Folgen die Akteure bei den Haus- und Raumplanungen (zu) gern dem schon Erprobten? Rührt das daher, dass sich Idealvorstellungen vom Wohnen gern aus Prospektbildern oder anderswo Gesehenem speisen? Dass Schablonen kopiert werden, statt das einzig Authentische anzusprechen, das wir in uns tragen: die eigenen Gefühle, Erinnerungen, Selbstbestimmungen? Hängt es allein am Geld? Hat die Vorstellung von der Küche als einem besonderen Ort in einem besonderen Haus etwa nur mit famillionärem Hintergrund eine Chance?


Letzteres lässt sich in dieser Küchen-Denkrunde im LUX-Haus in Georgensgmünd am schnellsten klären: Ein zu knappes Budget hat für sinnvolles Diskutieren zu viele Beschränkungen; ein unendlich großes zu viele Optionen. Konzentrieren wir uns lieber auf Bauherren wie du und ich: Die sich nicht alles, aber doch einiges leisten können. Und für die eine ebenso innovative wie tatsächlich unorthodoxe Küche auf der Prioritätenliste ganz oben steht.


Melanie Wöppelmann, als LUXHAUS-Architektin an der Nahtstelle zwischen Bauherrenträumen und realisierbaren Planungen aktiv, wirft in den Ring, dass die gebräuchliche Bezeichnung des größten und wichtigsten Raums im Haus die gedanklichen Leitplanken fixiert: KOCHEN/ESSEN/WOHNEN. Auch wenn die Schrägstriche keine Wände mehr sind: In eben dieser Reihenfolge werden die Funktionszonen dieses Raumes konzipiert. Nacheinander abgehakt. Logische Folge: In solchen Grundrissen finden sich Küchen keineswegs im Zentrum wieder, sondern rechts oder links in der Ecke, bevorzugt an der Nordseite der Häuser. Viele Bauherren sind mit solchen Nebenschauplätzen sehr zufrieden, relativiert Dirk Richter, Verkaufsleiter Küchen. Punkt für ihn.



Woher aber sollen künftige Hausherren wissen, was moderne Küchen über das Gängige hinaus bieten können – wenn man ihr Potenzial für außergewöhnliche Lösungen gar nicht erst abfordert? Wann sonst als zu Beginn einer freien Hausplanung eröffnen sich solch verlockende Probierfreiräume?, ermuntert Carolin Seufert, Marketingleiterin bei LUXHAUS, zu Kühnerem. Nehmen wir uns also die Freiheit, die Küche wortgetreu unserem Anspruch folgend in den Mittelpunkt des Familienlebens zu rücken und von diesem Fixpunkt aus das Haus drumherum zu planen. Gunther Reischle, Marketingleiter bei zeyko-Küchen, und Architektin Wöppelmann sprühen sofort Funken, spielen sich die Bälle zu: Halbhohe Wandscheiben statt totale Wandlosigkeit. Satinierte Glaselemente, sowohl transparent als auch blickdicht. Und wer sagt, dass ein Mittelpunkt eckig sein muss?


Der mutigste, konsequenteste, aufsehenerregendste zeyko-Küchen-Entwurf aus dieser Diskussion berücksichtigt den Zusatzwunsch, dass jedem Augenmaß eine Prise Show hinzugefügt werden darf: Kochinsel und Schrankzeile haben hier die sanften Rundungen eines Schiffskörpers. Runde Formen sind reizvoll in einer kantigen (Wohn-)Welt.


Gunther Reischle rät dabei aber zur Vorsicht: Erstens sprengen die Kosten solcher Elemente rasch den Rahmen, in dem Küche noch Spaß macht. Zweitens könnten solche hedonistischen Inszenierungen die Funktionalität vernachlässigen. Freude an der Küche speist sich aus klugen und ergonomischen Lösungen, alles soll unkompliziert zu erreichen und zu händeln sein. „Function follows form“ wäre allerdings keine gute Idee.


Die selbstbewusste Stilsicherheit, mit der die Küche nun zentral einen nach fast allen Seiten offenen Livingroom besetzt, provoziert eine legitime Nachfrage: Möchte man von diesem schicken Designwerk, das stets und aus jeder Perspektive einsehbar ist, tatsächlich immer alles im Blick haben? Die Berge von Geschirr und Gläsern beispielsweise, die bei vielgängigen Gästebegeisterungsmenüs anfallen?


Fachmann und Frauenversteher Gunther Reischle entwickelt aus dem Stand einen Lösungsansatz: Lasst uns doch den unvorzeigaren Teil der Küche hinter einer eleganten Schiebetür in eine „Das-will-ich-gar-nicht- sehen-Kammer“ verbannen. Multifunktionaler Geschirrspül-, Ablage-, Reinigungs- und Vorratsbereich in einem. Solche mehrfachen Nutzbarkeiten gefallen generell: Tischelemente, kinderleicht dreh- und höhenverstellbar – sich mal für Schularbeiten, mal als Buffet, mal als Gäste- bar anbietend. Oder Hochschränke, die sich bei Bedarf senken lassen. Zur Küche als Mittelpunkt des Familienlebens fällt uns sofort eine lange Wunschliste ein. So soll es auch sein.


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