Massiv & schlüsselfertig – Gut geplant ist halb gebaut

Ein Haus im Dialog mit der Natur. (Foto: KS-Original)

Ein Haus zu bauen, massiv, Stein auf Stein – für manchen wird es zum größten Abenteuer im Leben. Doch wer richtig plant, kann Probleme minimieren. Ganz gleich, ob die Wahl auf ein Systemhaus oder einen individuellen Architektenentwurf fällt: genaue Vorstellungen und gute Organisation sind zielführend. Und am Ende hat man sein Traumhaus.

Einen Traum in die Tat umzusetzen, ist per se nicht einfach. Sonst wäre es ja kein Traum. Aber nur Mut – wenn ein paar grundlegende Dinge geklärt sind, ist es nicht mehr weit bis zur Verwirklichung Ihrer Wunschvorstellung. Auf den folgenden Seiten geben wir Ihnen einen Überblick über das konventionelle massive Bauen, nachdem wir in der vorigen Ausgabe den Holz-Fertigbau vorgestellt haben. Das Heft ist übrigens über unseren Leserservice noch erhältlich.


Wie beim Fertigbau dominieren auch im Massivbau die Angebote mit bei- spielhaften Typenhäusern. Jedes Vor- zeigehaus kann den Bedürfnissen des Bauherrn angepasst werden. Und dazu braucht man nicht gleich einen Archi- tekten. Nur etwa zehn Prozent der Ein- familienhäuser in Deutschland werden von diesen Fachleuten geplant. Allerdings – beide Bauplanungsmodelle haben ihre Vorteile: Systemhausanbieter beflügeln mit ansehnlichen Musterhäusern und optischen Vorzeige-Entwürfen im Internet oder in Broschüren die Vorstellung von dem, was machbar ist.


Der Architekt kann wiederum auf die jeweilige Ausgangslage professionell eingehen: extreme Grundstückslagen, extravagante Vorstellungen des Bauherrn oder amtliche Planungsvorgaben, die sehr viel Kreativität bei der Umsetzung verlangen – da ist manchmal ein unkonventioneller Entwurf des Experten die beste Lösung.


Im Fokus stehen in beiden Fällen natürlich die Anforderungen der Baufamilie. Die sollten klar formuliert werden. Denn viele Fragen sind nun konkret zu beantworten: Wie viele Zimmer sind geplant für welchen Zweck? Soll es lieber ein offener Grundriss sein oder sind separate Rückzugsbereiche gefragt? Ist eine Einliegerwohnung zur Gegenfinanzierung notwendig? Braucht man einen Keller, oder lieber Abstellräume, die obendrein später als Aufzugsschacht dienen können? Ist für das Alter barrierefreies (also rollstuhlgeeignetes) Wohnen sinnvoll?


Planung ist die halbe Miete: Wenn das Grundstück vorhanden ist, sollte zum Beispiel auch geklärt werden, wohin der Blick vom Sofa schweifen und wie der Garten aussehen soll. Die technischen Aspekte verlangen angesichts ständig steigender Energiepreise immer mehr Aufmerksamkeit. Die Energieeinsparverordnung (EnEV) legt fest, wie viel Heizenergie im Haus verbraucht werden darf. Jedes erwünschte Unterschreiten dieser Grenzwerte wird vom Staat durch die KfW-Bank gefördert.



Diese hat Energieeffizienzklassen eingeführt, die die Höhe der Förderung festlegen. Beim Neubau wird es ab KfW-Effizienzhaus 70 interessant. Dies steht für 30 Prozent weniger Energieverbrauch als in der EnEV festgelegt. Weitere Klassen sind KfW 55 und KfW 40, also 45 beziehungsweise 60 Prozent Heizenergieverbrauch unter EnEV. Vorausschauende Planung bezieht auch steigende Energiepreise ein. Die können den Bau eines Plusenergiehauses, das selbst mehr Energie erzeugt als verbraucht, oder zumindest eines Passivhauses nahelegen. Dann muss in Dämmung (Passivhaus) oder Technik (photovoltaische Stromerzeugung im Plusenergiehaus) mehr investiert werden.


Sicherlich werden Passivhäuser heute auch höheren Ansprüchen an moderne Einfamilienhausarchitektur gerecht, haben nichts mehr gemein mit den früheren „Dämmburgen“ mit unansehnlichen Schießschartenfenstern. Andererseits setzt eher das Plusenergiekonzept auf Unabhängigkeit vom ungeliebten Energiemonopolisten – denn der gesamte, für Heizung, Warmwasser und Haushaltsgeräte benötigte Strom kann per Photovoltaik selbst erzeugt werden. Sogar der Elektro-Zweitwagen kann damit gespeist werden. Voraussetzung allerdings ist eine Hausbatterie zum Zwischenspei- chern des Eigenstroms.


Voraussetzung für den wirtschaftlichen Einsatz regenerativer Energien zum Heizen ist die gut gedämmte, luftdichte Haushülle, die mindestens den KfW-55-Standard erfüllen sollte. Um den erforderlichen Luftaustausch auch bei geschlossenen Fenstern zu gewährleisten, ist meist eine zentrale Lüftungsanlage nötig, deren Abluft die Wärme entzogen und der angesaugten Frischluft wieder zugeführt wird.


Kombiniert mit einer Wärmepumpe kann damit in weniger strengen Wintern auch geheizt werden. Die Wärme liefert im modernen Haus die Flächenheizung. Sie benötigt nur niedrige Wassertemperaturen und wärmt Boden oder Wände gleichmäßig und kaum spürbar. So wird die Konvektion durch heiße Heizkörper vermieden, bei der die Luft Staub aufwirbelt, der zur berüchtigten trockenen Heizungsluft beiträgt.



Zum effizienten Umgang mit Energie gehört auch die intelligente Steuerung durch einen Energiemanager. Smartphone oder Tabletrechner werden dabei zur Universalfernbedienung der gesamten Haustechnik via Internet. Wer plant, sollte aber nicht nur den Hightech-Einsatz bedenken. Ganz am Anfang ist der Baugrund das Wichtigste: Er sollte von einem Bodengutachter bewertet werden, um eine böse Überraschung und teure Umplanungen und Bauverzögerungen zu vermeiden.


Diese Überraschung besteht zwar „nur“ aus Wasser, das jedoch natürlich niemand im Keller haben möchte. Auch wenn die künftigen Nachbarn versichern, trockene Keller zu haben – der Baugrund kann sich innerhalb weniger Meter verändern. Bei Schichtenwasser ist die beste Lösung, Stauraum auf den Etagen zu schaffen und auf den geplanten Keller zu verzichten.


Sorgfältig prüfen sollten Sie auch den Vertrag, der Ihren Traum wahr werden lassen soll. Wenn Sie mit einem Architekten bauen, schließen Sie einen Kontrakt mit einem Sachwalter Ihrer Interessen in puncto Hausbau. Bei Vertragsabschluss mit einem Systemhausanbieter dagegen stehen sich zwei Partner gegenüber, die ihre Interessen gegeneinander abgrenzen. Hinzu kommt, dass der eine Profi, der andere Laie ist – ein Ungleichgewicht.


Der Hausbau setzt Vertrauen voraus – wie eine Operation im Krankenhaus . So ist der „richtige“ Architekt oder Hausanbieter ähnlich schwer zu finden wie der „richtige“ Arzt. Deshalb sollten Sie unbedingt bis Vertragsabschluss einen Rest Distanz zu Ihrem Bau-Partner aufrecht erhalten – und den Vertrag vor Unterzeichnung von Experten prüfen lassen. Der Verband Privater Bauherren bietet diesen Service an. Dazu muss man gegen eine geringe Gebühr Mitglied im Verband werden. Der VPB kennt die Ausschlusskriterien für einen Vertrag oder gibt Hilfestellung bei eventuell nötigen Nachverhandlungen. Denn am Ende soll ja auf jeden Fall ihr Traum vom eigenen Heim Wirklichkeit werden.


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