Ergonomische Küche: einfacher, besser, schneller

In 6 Schritten zur funktionalen Küche

Kurze Wege, bequeme Höhen und gut organisierter Stauraum erleichtern das Arbeiten und Leben und sind Basis für die ergonomische Küche.

Auch wenn die moderne Haushaltsküche ein Teil des Wohnbereichs ist, bleibt sie dennoch ein Arbeitsplatz. Natürlich ist sie keine Werkstatt wie etwa die Restaurantküche, wo Schnelligkeit und Sauberkeit absoluten Vorrang haben und alle Arbeitsflächen aus robustem, kratzfestem Metall bestehen. In der privaten Küche haben schließlich edle Materialien wie Holz, Glas oder hochwertiger Kunststoff ebenso ihren Platz wie eine wohnliche Dekoration.

Allerdings können wir uns in Sachen Funktionalität bei der Küchenplanung einiges von der professionellen Küche abschauen: Ergonomische Aspekte sind auch angepasste Höhen von Flächen und Geräten, denn sie schonen sowohl den Rücken als auch die Gelenke. Eine durchdachte Anordnung der verschiedenen Küchenzonen verkürzt Wege und vereinfacht Abläufe, egal ob es sich um eine zweizeilige Küche handelt oder eine in U-Form. Clevere Stauräume ersparen nerviges Suchen nach Mehl oder Mixer.

schubläden aus glas Nolte
Bis ins Detail durchdacht: Mit Seitenwänden aus Glas bleibt der Schubladeninhalt stets überschaubar. (Foto:Nolte Küchen)

So gewinnen wir Zeit, um einfach gemütlich am Küchentresen zusammen zu sitzen. Zudem macht gemeinsames Kochen in einer gut organisierten Küche mehr Spaß. Welche Punkte Sie in Sachen Funktionalität bei der Küchenplanung beachten sollten, erklären wir in 6 Schritten:

Schritt 1: individuell planen

Was ist uns an der Küche besonders wichtig, wer wird sie vorwiegend nutzen? Welche Mahlzeiten bereiten wir zuhause zu? Wollen wir häufig mit Freunden kochen? Für die ergonomische geplante Küche sollte man die eigenen Bedürfnisse und Ansprüche klären. Ein passionierter Hobbykoch sollte Stauraum für Werkzeuge und Utensilien am Kochfeld und größere Arbeitsflächen einplanen.

Messerblock Bulthaup
Hobbyköche brauchen ihr Werkzeug immer griffbereit. Denken Sie auch an Steckdosen am Arbeitsplatz für Elektrogeräte. (Foto: Bulthaup)

Fürs ausgiebige Familienfrühstück ist es praktisch, wenn Toaster, Eierkocher, Brot und Müsli in der Nähe des Kühlschranks aufbewahrt werden. Wer wenig selber kocht, braucht eher die Mikrowelle als den Backofen. Wer gerne einen schnellen Salat am Abend zubereitet, bewahrt Schneidebrett, Schale und Besteck am besten zusammen mit Gewürzen, Essig und Öl an einem Ort auf. Wollen Sie für einen späteren barrierefreien Umbau gerüstet sein? Dann planen Sie gleich 1,50 × 1,50 Meter Bewegungsfläche vor den Küchenzeilen ein.

Schritt 2: Küchenbereiche sinnvoll anordnen

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Kurze Wege: Eine U-Küche wie diese bietet genügend Raum, um sich zu bewegen. Alle Funktionsbereiche sind optimal zueinander angeordnet. (Foto: IPM)

Eine Küche teilt sich in verschiedene funktionale Zonen. Das sind zum einen die Bereiche, in den Aktivitäten stattfinden, nämlich Spülen, Vorbereiten und Kochen. Für schnelle und flüssige Arbeitsabläufe liegen diese drei Bereiche idealerweise in genau dieser Abfolge nebeneinander, zum Beispiel, um Gemüse in der Spüle zu waschen, auf der Arbeitsplatte zu schneiden und im Topf auf dem Kochfeld zu garen.

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Arbeitsbereich Spüle: Ein- oder Aufsätze für die Spüle erleichtern den hygienischen Umgang mit Lebensmitteln. (Foto: Blanco)

Als weitere Bereiche kommen noch Bevorratung (von Lebensmitteln) und Aufbewahrung (von Besteck und Geschirr) dazu. Letztere findet sich praktischerweise in der Nähe des Geschirrspülers, um sauberes Geschirr schnell wieder einräumen zu können. Vorratsschränke für nicht gekühlte Lebensmittel sind am besten etwas abseits des aktiven Geschehens aufgehoben. Die Abstände zwischen den verschiedenen Zonen sollten nicht zu groß sein, aber auch noch Bewegungsspielraum gewähren.

Schritt 3: Die ergonomische Arbeitshöhe in der Küche

Eine zu niedrige Arbeitsfläche erfordert eine gebückte Haltung, die auf Dauer zu Verspannungen und Belastungen der Bandscheibe führt. Wer auf zu hoher Fläche arbeitet, muss mehr Kraft aufwenden und überdehnt eventuell die Wirbelsäule.

Maßgeblich für die individuell optimale Arbeitshöhe ist der Abstand zwischen angewinkeltem Ellbogen und Arbeitsplatte. Für Tätigkeiten wie Vorbereiten und Schneiden von Lebensmitteln sollte er zwischen 10 und 15 cm betragen.

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Individuelle Ellbogenhöhe: Ein Küchenmaß, das Sie kennen sollten. (Foto: AMK)

Kochfeld und Spüle: Beim Kochen arbeitet man nicht auf der Fläche, sondern in den Töpfen und Pfannen. Ideal ist ein auf circa 25 Zentimeter unterhalb des Ellbogens abgesenktes Kochfeld. Umgekehrt ist es beim Spülen: Hier ist der Spülboden die Arbeitsebene, das Spülbecken sollte deshalb circa 15 Zentimeter über der Arbeitsflächenhöhe liegen.

Praktisch sind höhenverstellbare Küchenmöbel, bei denen sich die optimale Höhe der Arbeitsplatte per Knopfdruck einstellen lässt, sofern erforderlich also einige Zentimeter höher oder ein paar Zentimeter tiefer.

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Wenn Menschen sehr unterschiedlicher Körpergröße die Küche nutzen, kann sich die Investition in elektrisch anheb- und absenkbare Küchenmöbel lohnen. (Foto: AMK)

Schritt 4: Auch Einbaugeräte in der Küche ergonomisch planen

Backen ohne Bücken: Ein erhöht im Geräteschrank eingebauter Backofen – Geräteoberkante etwa auf Schulterhöhe – schont den Rücken und erleichtert die Kontrolle des Backvorgangs. Auch Kühlschrank, Geschirrspüler, Mikrowelle und sogar Kaffeemaschinen sind als Einbaugeräte für die ergonomische Küche neuerdings in komfortabler Sicht- und Greifhöhe.

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In vielen Haushalten läuft der Geschirrspüler täglich. Ein erhöhter Einbau erspart daher unzählige Bückbewegungen. (Foto: AMK)

Beim Kochfeld spielt neben der Höhe (siehe Punkt 3) auch die Organisation in der Fläche eine Rolle. Für die ergonomische Planung sinnvoll sind Panorama-Kochfelder, bei denen die Kochreihen linear statt hintereinander angeordnet sind. Hier sind alle Töpfe bequem erreichbar, ohne dass Spritzer oder Dampf beim Rühren und Wenden beeinträchtigen. Mit Modul- oder Dominokochfeldern lässt sich die Kochstelle nach persönlichem Bedarf gestalten: Wer wenig kocht, kommt vielleicht mit einem Modul aus; Hobbyköche reihen mehrere Induktions- oder auch Gas- und Spezialkochfelder aneinander.

Schritt 5:  Praktische Küchenschränke wählen

Alle Küchenschränke sollten einfachen Zugang zu Vorräten, Küchengeräten oder Geschirr gewähren und leicht zu bedienen sein. Unterschränke mit Vollauszügen ersparen anstrengendes Bücken oder Knien, Blick und Zugriff auf den Inhalt ist ohne langes Suchen und Kramen möglich. Für Hängeschränke sind Klappen vorteilhafter als Türen. Sie öffnen sich nach oben und stören nicht im Arbeitsbereich.

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Selbsteinzug von Schubladen und Auszügen, Liftsysteme für Oberschrankklappen: Mit technischer Unterstützung arbeitet es sich noch leichter. (Foto: AMK)

So lässt sich zum Beispiel Geschirr aus der Spülmaschine direkt in den Schrank räumen, ohne die Gefahr, sich den Kopf zu stoßen. Eine Alternative sind Schiebetüren, wobei aber immer nur ein Teil des Schrankinneren zugänglich ist. Hochschränke bieten viel Stauraum und eignen sich daher ebenfalls gut für Vorratslagerung. Leichten Zugriff hat man schließlich auch beim Apothekerschrank mit Frontauszug.

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Mit Apothekerauszügen lässt sich selbst schmaler Raum sehr clever nutzen. (Foto: AMK)

Zum Öffnen und Schließen der Schränke gibt es übrigens eine große Auswahl von Griffen in verschiedenen Formen (Bügel, Knöpfe, Muscheln). Prüfen Sie, was am besten in der Hand liegt. Vor allem wegen der puristischen Optik liegen indes grifflose Schränke im Trend. Statt sichtbarer Griffelemente haben sie eingefräste Griffleisten, -mulden oder abgeschrägte Griffkanten. Damit entfällt auch die Gefahr, sich an herausragenden Griffen zu stoßen – ein Vorteil im Haushalt mit kleinen Kindern oder in einer schmalen Küche. Eine smarte Lösung sind elektrische Öffnungssysteme, zum Beispiel Hängeschrankklappen, die sich durch Antippen öffnen und per Knopfdruck schließen lassen.

Schritt 6: Stauraum clever nutzen

Selbst in einer geräumigen Küche ist der Schrankraum begrenzt. Ordnungs- und Unterteilungssysteme helfen, den vorhandenen Platz vollständig auszunutzen und dabei die Übersicht zu behalten. Sehr nützlich sind flexible Systeme mit verstellbaren Trennstegen, die sich an die Größe des jeweiligen Stauguts anpassen.

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Schubladenteiler mit flexiblen Kunststoffelementen: So lassen sich Utensilien verschiedener Größe übersichtlich verstauen. (Foto: Kesseböhmer)

Achten Sie bei Auszügen auf höhere Seitenwände, um besser stapeln zu können. Grundsätzlich sind breitere, sinnvoll unterteilte Schränke günstiger als mehrere schmale. Entstehen bei der Küchenplanung jedoch Nischen oder tote Winkel, dann lassen sich diese sehr gut durch schmale Auszüge oder Eckschränke nutzen, zum Beispiel für Gewürze oder Essig- und Ölflaschen.

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Bei L- oder U-förmigen Küchen entsteht zwangsläufig Eckraum, der sich geschickt nutzen lässt. (Foto: AMK)

Selbst für höhere Sockel von Unterschränken gibt es Schubladensysteme, in denen beispielsweise seltener genutzte Geräte ihren Platz finden.

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