Küchen – Trend zur Klassik

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    „Eiche Nautic“ sieht mit seinen groben Astlöchern und rustikalen Rissen aus wie aus Treibholz gebaut, ist aber mit der melaminharzbeschichteten Oberfläche gegen alles Unheil gewappnet.

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    Bewegungsfreude: Die Designerschranktüren heben sich elektrisch.

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    Mit den 24 Oberflächengestaltungen für die Schrankinnenräume lässt sich das innere dem äußeren Dekor angleichen.

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    Stets zu Diensten: Optimale Beschlagstechnik für optimale Vorratshaltung – beste Beschläge sind unverzichtbar.

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    Dick und stark: Der „ultimative Küchenschrankkorpus“ hat eine verschraubte, 8 Millimeter starke Rückwand.

Holz ist das angesagte Material für die Küchen der Saison. Über äußeren Schick und innere Werte sprachen wir mit Heidrun Brinkmeyer, Chefin von Ballerina Küchen.

/Frau Brinkmeyer, Holz hat derzeit seinen großen Auftritt auf der Küchenbühne, Eiche ist der Star. Je massiver und dunkler, desto besser. Trotzdem bleibt die Frage: Echtes Holz oder lieber eine gute Nachbildung?/

Heidrun Brinkmeyer: Holz ist zwar der klassische Küchenwerkstoff, ich halte ihn allerdings für nicht unproblematisch. Holz ist lichtempfindlich, es verändert bei den großen Fensterfronten von heute im Laufe der Zeit stark sein Aussehen. Gerade bei offenen Küchen, die optisch mit dem Ess- und Wohnbereich verbunden sind, könnte das irgendwann irritieren. Obendrein ist Holz stoß- und kratzempfindlich. In der Küche ist es ein Material für bekennende Liebhaber, die Macken klaglos ertragen.

/Welche Entwicklungen gibt es hinter dem Dekor, bei den inneren Werten?/

Heidrun Brinkmeyer: Unsere Küchen werden in der Regel wie alle anderen auch aus Spanplatte und MDF hergestellt – das sind mitteldichte homogene Faserplatten, bei denen unter hohem Druck Holzmehl und Leim verpresst werden. Ausnahme: unsere „GreenTecKitchen“. Ihr Plattenmaterial besteht zu 30 Prozent aus schnell nachwachsenden Einjahrespflanzen. Das schont nicht nur unsere Wälder, sondern macht die Platten auch um 20 Prozent leichter und führt nicht zuletzt durch die geringeren Transportbelastungen zu geringeren CO2-Belastungen. Das Material lässt sich anders als gewichtsreduzierte Platten mit Wabenstrukturen, mit denen experimentiert wird, besser anpassen und bearbeiten.

Bei den Funktionalitäten gibt es seit dem Selbsteinzug mit Schließdämpfung für Auszüge und Schubkästen oder den voll integrierten Schließdämpfungen für Scharniere nichts wirklich Neues. Bei Ballerina legen wir allerdings Wert darauf, immer nur das Beste einzubauen. Aktuell beispielsweise das Scharnier mit regulierbarer Schließgeschwindigkeit.

/Sie statten Ihre Schrankkorpusse jetzt mit einer 8 Millimeter starken Rückwand aus. Warum ist Ihnen das bei Möbeln sonst wenig beachtete Detail so wichtig?/

Heidrun Brinkmeyer: Zu Zeiten, als der Tischler Schränke noch als Einzelstück gefertigt hat, war diese Rückwandstärke ganz normal. Die heute üblichen 3,2 Millimeter lassen sich doch von jedem Tellerstapel nach hinten drücken. Rückwände aber sind maßgeblich für die Stabilität eines Korpus. Beim Nachdenken, wie wir die Küche qualitativ noch besser machen können, entschieden wir uns für die 8 Millimeter.


/Sie bieten Ballerina-Kunden den „ultimativen Korpus“. Was, bitte, ist das?/

Heidrun Brinkmeyer: Beim Korpus geht es zunächst einmal um die größtmögliche Stabilität. Dazu tragen neben der bei uns übrigens verschraubten Rückwand auch die 19 Millimeter starken Querböden bei. Hinzu kommt, dass wir unsere Korpusse auch innen in 24 Farben beschichten. So wird das Dekor der Küche nicht auf die Außenseiten der Türen und die Seitenwangen beschränkt, sondern wertet auch das Schrankinnere auf. Auf Bestellung sogar mit echtem Holzfurnier, wovon ich allerdings abrate. Auf Schrankböden muss ja beispielsweise auch mal eine Keramikschüssel geschoben werden. Das kann die Lackversiegelung beschädigen, lässt Feuchtigkeit eindringen und führt irgendwann zu unschönen Gebrauchsspuren.

/Wie durchsetzungsfähig sind denn neue Möbelfunktionen, etwa motorunterstützte Beschläge?/

Heidrun Brinkmeyer: Wir haben natürlich alles im Angebot, was es an Neuerungen gibt. Auch elektrische Auszüge. Die werden in Deutschland allerdings kaum nachgefragt. Das ist eher etwas für den Export, der 52 Prozent unserer Herstellung auslastet. Im Ausland wird generell mehr auf ausgefallene Hochwertigkeit geachtet. Stark zugenommen hat das Interesse an motorisch angetriebenen Hochschrankklappen. Gerade kleinere Frauen schätzen es, wenn sie zum Schließen der Tür nur auf eine Taste am unteren Boden tippen müssen. Ich selbst mag übrigens keine motorische Bewegung bei Auszügen. Ich agiere eher intuitiv und empfinde sie daher als unpraktisch. Außerdem sind sie relativ teuer und schadenanfällig.

/Wie spüren Sie neue Trends auf?/

Heidrun Brinkmeyer: Auf Messen und mit Trendforschern. Einmal im Jahr wertet ein Team von 17 Experten – darunter Designer, Architekten, Vertriebsmitarbeiter aus dem In- und Ausland – alle Beobachtungen aus. Sind 70 Prozent dafür, folgen wir einer Idee.

/Was, meinen Sie, bleibt jenseits von modischen Einflüssen über Zeiten aktuell?/

Heidrun Brinkmeyer: Holztöne beim Dekor – das deckt sich mit dem derzeitigen Trend. Oder Rahmenfronten, wie wir sie in Landhausküchen finden. Bei der Funktionalität würde ich immer für die besten Beschläge auf dem neuesten technischen Stand plädieren.

/Wie viel sollte man bei der Küche in Energieeffizienz, neueste Technik und Komfort investieren?/

Heidrun Brinkmeyer: Ich würde in jedem Fall zu Wasser und Strom sparenden Geräten raten. Das müssen nicht unbedingt die Weltrekordhalter oder +++-Geräte sein. Da ist man bereits im mittleren Bereich sehr gut bedient. Fürs Kochen darf es schon ein Induktionsfeld sein. Profiausstattungen wie Vollflächeninduktion wiederum sind eher etwas für enthusiastische, gut betuchte Hobbyköche.

/Küchenplanung ist zwar Profisache, aber der Kunde sollte schon wissen, was er will. Was sind die häufigsten Planungsfehler?/

Heidrun Brinkmeyer: Der Stauraum wird gern unterschätzt. Jeder Kunde sollte sich vor der Planung klar darüber sein, wie viel Platz er konkret für Töpfe, Pfannen, Geschirr & Co. benötigt. Auch bei der Ergonomie sollte man sehr präzise sein. Wer kocht wie oft? Daran orientieren sich die Höhen der Arbeitsflächen. Nutzen zwei verschieden große Akteure die Küche gleichberechtigt, sollten unbedingt zwei verschieden hohe Bereiche geplant werden – wenn der Platz das zulässt.

/Eine Küche soll Freude machen, haben Sie mal gesagt. Was bedeutet das für Sie?/

Heidrun Brinkmeyer: Dass man sich wirklich gern in ihr aufhält, sie den eigenen Geschmack repräsentiert und makellos in die Wohnsituation passt. Heute geht keiner mehr zum Schneider, man kauft von der Stange – die Küche ist eine Ausnahme. Sie ist schon ein Stück Selbstverwirklichung, eine Spiegelung der eigenen Persönlichkeit und Lebensart. Freude bereitet sie garantiert auch dann, wenn sie funktionsgerecht ist.

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