Der moderne Garten: In der Ruhe liegt die Kraft

Der moderne Garten: In der Ruhe liegt die Kraft

Ein Garten jenseits von Beliebigkeit verlangt nach Form und Stil. Die Natur lässt sich ungern in ein Raster pressen, folglich sind auch die Regeln für Charakter und Kontur eines Gartens sehr weit gefasst. Aber ein paar Empfehlungen zur Güte gibt es trotzdem.

Wir haben sie für den modernen, den romantischen, den mediterranen, den fernöstlichen, den kindgerechten Garten zusammengetragen. Landschaftsarchitektin Carola Ettwein beschäftigt sich mit den Stil­prinzipien eines modernen Gartens.


Die Generalansage lautet: „Weniger ist mehr.“ Wie das Haus, so zeichnet sich auch der grüne Raum durch die Kon­zentration auf wenige gestalterische Elemente aus. Trotz gerader Linien, schlichter For­men und de­zenter Farben oder mitunter auch starker Kon­traste ist Raffinesse dabei durchaus er­laubt.


In diesen modernen Rahmen passen besonders gut Schwimm- oder Wasserbecken, aus­­drucksstarke Gräser und Gehölze, zu­rüc­k­­haltend platziertes, geschmackvolles Bei­werk wie Pflanzgefäße oder auch Kunst­ob­jekte. Ein paar wenige, zentrale Gestal­tungs­ideen braucht jeder Garten. Diese sollten deutlich ablesbar sein. Bei modernen Gärten greift man häufig auf industriell gefertigte Materia­lien zurück. Bet­on und Edelstahl lassen sich sehr gut mit Glas oder Kunststoff kombinieren. Wenn die mit ausgewählten natürlichen Baustoffen wie Holz oder auch Natursteine ergänzt wer­den, entstehen Gartenbilder, die allen Sin­nen Anregung bieten.


Auch die Pflanzenwelt eines modernen Gar­tens hat ihre Eigenheiten. Angesagt sind flä­chige Pflanzungen mit architektonischem Cha­rakter und prägnanten Konturen. Üppige, bunte Blu­men spielen eher eine untergeordnete Rolle. We­sentlicher sind die Struktur der Blätter, eine mo­nochrome Auswahl an ausdrucksvollen Blü­ten­, skulpturale oder ma­lerisch bizarre Wuchs­formen und im­mergrüne Gehölze.


Eiben, Kirschlorbeer und Buchs, wenige sorgsam platzierte Scheinzypressen (Chamae­cy­paris) oder Lebensbäume (Thuja) setzen ganzjährig Akzente. Dazwischen sollte man freiere Formen von Bambus oder Gräsern gruppieren. Auch der auffällige Wuchs von Ahor­n oder kunstvoll gestaltete Form­ge­hölze verschaffen sich gern Aufmerksamkeit.



Pflanzen mit moderner Anmutung

Filigrane Effekte:

  • Hohe Ziergräser: Garten-Sandrohr (Calamagrostis acutiflora ,Karl Foerster‘)
  • Zierliches Chinaschilfgras (Miscanthus sinensis ,Gracilimus‘)
  • Halbhohes Ziergras: Lampenputzergras (Pennisetum alopecuroides ,Hameln‘)
  • Bodendeckende Ziergräser: Japan-Segge (Carex morrowii ,Variegata‘)

Stauden für sonnige Kiesgärten:

  • Schafgarbe (Achillea millefolium)
  • Beifuß (Arthemisia schmidtiana ,Nana‘)
  • Wolfsmilch (Euphorbia polychroma)
  • Lavendel (Lavandula angustifolia ,Hidcote Blue‘)
  • Blauraute (Perovskia abrotanoides)
  • Königskerze (Verbascum bombiferum)
  • Fetthenne (Sedum telephium)
  • Mauerpfeffer (Sedum acre in Sorten)
  • Palmlilie (Yucca filamentosa)


Blattschmuck-Stauden für schattigere Bereiche:

  • Schaublatt (Astilboides tabularis; große Staude in Wassernähe)
  • Bergenie (Bergenia cordifolia ,Silberkerze‘)
  • Hohe Gunnera (Gunnera manicata; große Staude in Wassernähe)
  • Großblättrige Funkien (Hosta in Arten und Sorten)
  • Schaublatt (Rodgersia in Arten)

Zwiebeln für sonnige Kiesgärten:

  • Hoher Sternkugellauch (Allium christophii)
  • Stepppenkerze (Eremurus robustus)
  • Bart-Iris (Iris barbata in Arten und Sorten)
  • Wildtulpen (Tulipa tarda in Sorten)
  • Krokusse (Crocus, z. B. tomassinianus)


Die runden Blütenballen der Gartenhortensie ,Annabelle‘ oder die Schnee­ball-Sträucher (Viburnum) korrespondieren wunderbar mit streng geschnittenen Ge­hölz­­kugeln. Lineare, die Vertikale betonende Gestalten von Gräsern und schlichte grüne Boden­de­cker wie Efeu (Hedera), Immergrün (Vinca minor ,Alba‘), oder die Dickanthere (Pachy­san­dra terminalis) als horizontaler Flächen­bewuchs ergänzen sich gekonnt.


Eine groß­zü­gige Rasenfläche bringt wiederum die nö­tige Ruhe in den Mix aus Struktur und Blatt­grün. Zu den bevorzugten Gesteins­arten in einem modernen Garten gehören Granit, Gneis und Schiefer. Ihre Farbe differiert von Hellgrau über An­thrazit bis zu einem sehr dunklen Grau. An den Oberflächen der Ge­steine zeigen sich oft interessante Ein­­schlüsse. Stufen, Einfassun­gen, Platten und Wege aus Natur­stein­material passen sehr gut zu Mau­ern aus glattem Sichtbeton. Als Wege­belag eignen sich Pflastersteine für die häufig be­nutzten Flächen wie Hofeinfahrt, Gara­gen­zufahrt oder Eingangsweg. Weniger stark fre­quentierte Nebenwege geben sich auch mit einem weniger aufwendigen Belag zu­frieden, scharfkantigem Splitt zum Bei­spiel oder rundkörnigem Kies.


Um diesen Minimalismus zu betonen, empfiehlt sich das Spiel mit Kontrasten: Ein heller Wegebelag aus Kalksplitt hebt sich deutlich gegen eine Mauer aus dunklem Gneis ab. Und es dürfen mutig ungewöhnliche Mate­rialien ausprobiert werden. Stumpf­kantiger, rundgeschliffener, bläulichgrüner Glasbruch als Wegebelag oder in kleineren Flächen zwischen kleinen Ziergräsern verteilt, kann eine interessante Spannung erzeugen.


Be­ton­platten mit einer rauen, gebürsteten Ober­fläche, früher oft aus Mangel an anderen Steinen verwendet, finden neuerdings wieder regen Ge­brauch. Ebenso in Mode ge­kom­men sind künstlich rostende, rötliche Ele­mente wie Platten oder Figuren aus „Cor­ten-Stahl“. Damit sich die klare Formensprache der gesamten Gar­tenanlage in jedem Detail wiederfindet, darf eine zeitge­mäße Möblierung nicht vernachlässigt werden. Alumi­nium und Hartholz sind zwei Materialien, die bei Gartenmöbeln oft angeboten werden. Ein Sonnenschirm in einem klaren kräftigen Rot setzt wiederum einen sparsamen, imposanten Farbtupfer.




Gehölze für den modernen Garten

Markante Gehölze:

  • Säulen-Eibe (Taxus baccata ,Fastigiata‘)
  • Wacholder (Juniperus in Arten und Sorten)
  • Scheinzypressen (Chamaecyparis in Arten und Sorten)
  • Ahorn (Acer palmatum in Sorten)
  • Säulen-Hainbuche (Carpinus betulus ,Fastigiata‘)
  • Stechpalme (Ilex in Arten und Sorten)
  • Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus in Sorten)
  • Buchs (Buxus sempervirens ,Rotundifolia‘)

  • Bambus
  • Rotblättrige Glanzmispel (Photinia fraseri ,Red Robin‘)
  • Etagen-Schneeball (Viburnum plicatum ,Mariesii‘)
  • Schneeball-Hortensie (Hydrangea arborescens ,Annabelle')
  • Skimmie (Skimmia japonica; bedingt winterhart)


Gehölze für den Winter:

  • Sibirischer Hartriegel (Cornus alba ,Sibirica‘)
  • Lichtmess-Zaubernuss (Hamamelis mollis)
  • Winter-Duftschneeball (Viburnum bodnantense ,Dawn‘)

Gehölze für den Frühling:

  • Purpurmagnolie (Magnolia z. B. liliiflora ,Nigra; bedingt winterhart)
  • Weißer Flieder (Syringa z. B. vulgaris ,Madame Lemoine‘)
  • Samthortensie (Hydrangea aspera ssp. sargentiana; liebt Halbschatten)

Gehölze für den Sommer:

  • Rosa Hartriegel (Cornus florida ,Rubra‘)
  • Deutzia (Deutzia magnifica)
  • Pfeifenstrauch (Philadelphus coronarius)
  • Sommer-Duftschneeball (Viburnum opulus)
  • Strauchrose (Farben passend zur Fassade des Hauses)

Gehölze für den Herbst:

  • Ahorn (Acer in Arten und Sorten; herrliche Herbstfärbung)
  • Felsenbirne (Amelanchier lamarckii)
  • Wilder Wein, Jungfernrebe (Parthenocissus tricuspidata; Kletterpflanze)
  • Strauchrosen mit Fruchtbildung, wie lange dekorativen Hagebutten

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