Bauen oder mieten?

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    Für jetzt und später. Ein Eigenheim ist auch eine gute Investition in die Zukunft. (Fotos: D & B Production)

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    Zögern Sie mit Ihren Immobilienplänen nicht zu lange.

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Lohnt sich ein Eigenheim noch?

Obwohl die Baubranche boomt, kann die Nachfrage nicht gestillt werden. Entsteht gerade eine Immobilienblase? Und was ist profitabler: mieten oder bauen?

Unsere Redakteurin Melina Rost hat dazu Chris-Oliver Schickentanz, den Finanzexperten und Chef anlagestrategen der Commerzbank befragt.

Herr Schickentanz, die Preise für Grundstücke und Immobilien, vor allem in urbanen Regionen, steigen rasant. Ist das schon eine Immo bilienblase?

Chris-Oliver Schickentanz: Nein! Eine Blase entsteht nur dann, wenn Preise ungerechtfertigt steigen. Das ist bei uns in Deutschland aber nicht der Fall. Zum einen haben wir über Jahrzehnte kaum Preissteigerungen am deutschen Häusermarkt erlebt. Von daher sind die letzten Jahre auch ein Aufholprozess. Zum anderen sprechen auch Angebot und Nachfrage für weiter steigende Immobilienpreise, gerade in den deutschen Großstädten.

Woran liegt das?

Chris-Oliver Schickentanz: Auf der Angebotsseite lähmt uns unser sehr restriktives Baurecht. Deutschland ist das Land in Europa, an dem die Abänderung von Bebauungsplänen und das Genehmigungsverfahren für Neubauten am längsten dauert. Dadurch nimmt das Angebot gerade in den Großstädten nur sehr schleppend zu. Die Nachfrageseite wächst dagegen weiterhin dynamisch: Der Zuzug in die Großstädte ist unbegrenzt, die Anzahl der Singlehaushalte nimmt konti nuierlich zu – und damit der Wohnraumbedarf. Und: Wir steuern wirtschaftlich auf Vollbeschäftigung zu. Dadurch können sich viele Menschen höhere Mieten oder die Investition in ein Eigenheim leisten.

Und wenn ich trotzdem vor einer Immobilienblase Angst habe? Welche Warnsignale gibt es?

Chris-Oliver Schickentanz: Es gibt drei zuverlässige Blasensignale:
• Eine spürbare Abkopplung von Immobilienpreisen und Mieten, das heisst, Häuser- beziehungsText weise Wohnungspreise steigen wesentlich stärker als die ortsübliche
Vergleichsmiete.
• Eine zunehmende Verschuldung privater Haushalte: Immer mehr Haushalte wollen sich den Traum vom Eigenheim erfüllen, auch die, die es sich kapitalseitig nicht erlauben können.
• Und: Die Neubauaktivitäten gehen durch die Decke. Man will auch den letzten Flecken Erde mit einer Immobilie bebauen, um von den steigenden Immobilienpreisen zu profitieren. Für Deutschland ist keiner dieser Indikatoren aktuell im roten Bereich.

Beruhigend! Wie kommt es, dass wir hierzulande im grünen Bereich sind?

Chris-Oliver Schickentanz: Wir haben in Deutschland ein sehr konservatives Kreditrecht. Als Häuslebauer haften Sie normalerweise mit ihrem Gesamtvermögen. Da schrecken viele vor spekulativen Finanzierungen zurück. In den USA dagegen kann die Bank nur auf das finanzierte Objekt zugreifen. Bei Zahlungsschwierigkeiten werfen Sie Ihren Hausschlüssel in den Bankbriefkasten und sind die Schulden los. Auch die schon genannten bürokratischen Bauhürden sind ein Schutz gegen eine Preisblase. Denn „schnell schnell“ wie in vielen Blasenländern geht in Deutschland nicht.

Aktuell befinden wir uns in einer Niedrigzinsphase. Wie lange noch?

Chris-Oliver Schickentanz: Das historisch günstige Zinsumfeld wird uns noch eine ganze Weile begleiten, auch wenn das absolute Zinstief wohl hinter uns liegt. Konkret heißt das: Wir erwarten, dass die Zinsen peu à peu über Jahre moderat steigen werden, aber im historischen Vergleich weiter günstig bleiben. Mehr als 0,8 Prozentpunkte Zinsanstieg pro Jahr können wir uns auch im schlimmsten Fall nicht vorstellen.

 Was bedeutet das für Familien, die planen, in diesem Jahr ein Haus zu bauen?

Chris-Oliver Schickentanz: Für künftige Bauherren ist die Frage nach einer Preisblase nur  von untergeordneter Bedeutung. Viel wichtiger ist, dass man sich in der eigengenutzten Immobilie wohlfühlt, dass der Grundriss zukunftsträchtig ausgelegt ist und dass man sich die Finanzierung leisten kann. Die eigenen vier Wände sind schließlich kein Rendite-, sondern ein Wohlfühlfaktor.

Die Mietpreise steigen, die Grundstückspreise und Baukosten ebenfalls. Was ist auf lange Sicht rentabler? Mieten oder kaufen?

Chris-Oliver Schickentanz: Der Kauf einer Immobilie ist für die meisten Haushalte die deutlich bessere (und günstigere) Alternative. Dies gilt insbesondere in der aktuellen
Niedrigzinsphase, in der der Immobilienkredit zu Minizinsen finanziert werden kann. Und: Ein Eigenheim ist ein nicht zu unterschätzender Beitrag für die eigene Altersvorsorge. Wer nach Renteneintritt mietfrei leben kann, schafft damit die besten Voraussetzungen, um vor Altersarmut verschont zu bleiben.

Das komplette Interview finden Sie hier.