Mehr Haus fürs Geld

21 Spartipps, um günstig ein Haus zu bauen

Günstig ein Haus bauen: Wie Sie sich Ihren Traum vom Eigenheim erfüllen können, das erfahren Sie hier mit vielen Beispielen und Kniffen. Beherzigt man sämtliche Spartipps, lassen sich einige Zigtausend Euro erwirtschaften. Die legt man entweder auf die hohe Kante oder gönnt sich ein paar liebe und teure Extras – eine Sauna, ein Wellnessbad, einen Pool im Garten …

Bei jedem Neubau sind mehrere Zehntausend Euro Ersparnis drin. Das fetteste Sparschwein steht ganz am Anfang Ihres Bauvorhabens: Es trägt die Farben
Schwarz-Rot-Gold und ist gefüllt mit Geld vom Staat: Allein in diesem Jahr hat der Bund insgesamt eine Milliarde Euro an Bauzuschüssen für energiesparende und klimaschonende Neubauten ausgezahlt. Fest steht, dass sich Klimaschutz beim Bauen doppelt auszahlt – als Föderung vom Staat und wegen der Aussicht auf null Energiekosten ein Leben lang: für Warmwasser, Heizung, Strom – und sogar die „Betankung“ eines Elektroautos.

1. Die Kunst des Weglassens

Braucht man einen Kamin? Oder einen Wintergarten? Terrassenzugang von jedem Erdgeschosszimmer? Entscheiden können das nur Sie. Denken Sie daran, dass Weglassen sehr oft gar kein Verlust ist, sondern ein Gewinn.

Dass Reduktion ein Plus bedeutet, zeigt sich beispielsweise auch außen. Jeder weggelassene Erker, Balkon, Quergiebel oder Wandvorsprung, jede weggelassene Gaube oder Loggia macht nicht nur das Bauen günstiger, sondern hilft auch, später, laufende Kosten zu senken. Sowohl beim Energieverbrauch als auch bei den Erhaltungsmaßnahmen.

2. Platte statt Keller

Bodenplatte
Auch beim Hausbau ohne Keller ist ein Bodengutachten angeraten. Bei der Ausführung der Bodenplatte kommt es vor allem auf Frostsicherheit und eine korrekte Entwässerung an. (Foto: Gütegemeinschaft Fertigkeller e.V.)

Ein Haus auf Bodenplatte ist im Schnitt 24.000 Euro günstiger als eins mit Keller. Bedenken Sie: Auch für eine Bodenplatte muss Erde abgetragen werden, fällt Aushub an,
braucht es einen Bagger samt LKW, viel Baustahl und noch mehr Beton. Etwas tiefer zu graben und einen Vollkeller zu gießen, ist also gar nicht der ganz große Aufwand. Dennoch, ein paar Zehntausend Euro macht es schon aus. Je nach Hausgröße. Wer auf Stauraum im Souterrain verzichten kann und lediglich den Technikraum unter die Erde
bringen will, ist mit einem Teilkeller oder komplett vorgefertigten Mini-Kellern gut beraten. Solche „Technik-Boxen“ lassen sich auch unter Garage beziehungsweise Carport platzieren. Kosten für diese Fertig-Module: circa 300 Euro pro Quadratmeter – nach Angaben der Gütegemeinschaft Fertigkeller.

3. Kosten senken beim Grundriss

Weniger Wände und Türen = weniger Kosten. Die Richtigkeit dieser Gleichung liegt auf der Hand. Und längst sind offene Erdgeschoss-Grundrisse usus, die mit einer einzigen Innentür auskommen: der zur Gästetoilette. Beziehungsweise noch einer zweiten: zur Speisekammer.

4. Sparen mit Typenhäusern

günstig ein haus bauen Aktionshaus Neo von Fingerhaus
Beim Aktionshaus Neo von Fingerhaus sorgt einringsum verglaster Wintergarten für Extra-Komfort. (Foto: Fingerhaus)

Viele Hausanbieter werben mit attraktiven Angebotshäusern, die in hohen Stückzahlen gebaut werden und in puncto Grundriss und Planung ausoptimiert sind – was sie besonders günstig macht. Die sogenannten Typenhäuser lassen sich aber zu vertretbaren Mehrkosten jederzeit verändern, anpassen, aufpeppen oder sie bieten sogar kostenneutral die Wahl zwischen unterschiedlichen Fassadengestaltungen, Farbkombinationen, Material-Optionen. In Qualität, technischem Standard, Ausstattung oder Energieeffizienz stehen sie dem regulären Hausangebot in nichts nach. Ihr Vorteil, der zum optimierten Preis-Leistungs-Verhältnis führt, wird in aller Regel durch Vorplanung erzielt. Es ist eben ein Unterschied, ob man ein Haus nur einmal baut oder vielmals.

5. Wohnfläche reduzieren

Die durchschnittliche Mietwohnung in Deutschland misst rund 100 Quadratmeter. Ein Einfamilienhaus dagegen erstreckt sich im Schnitt auf roundabout 145 Quadratmeter. Selbstverständlich kann eine Familie mit ein oder zwei Kindern auch sehr bequem auf 100 bis 120 Quadratmetern wohnen. Mehr Platz ist zwar immer schön. Aber wenn man bedenkt, dass jeder zusätzliche Quadratmeter mit Kosten von circa 1.500 Euro verbunden ist, dann kann sich jede Baufamilie leicht selbst ausrechnen, welches Einsparpotenzial ein kleiner dimensioniertes Haus bietet.

6. Trockenbau statt Massivwand

Wer vier kräftige Außenwände hat, braucht meist keine tragenden Innenwände. Das gilt übrigens nicht nur für Massivhäuser aus Stein, sondern ganz besonders für Holzfertighäuser – deren Außenwände tragen das gesamte Haus in der Regel alleine. Innen können dann günstige Trockenbauwände gesetzt werden, die neben dem Preisvorteil noch ein weiteres Plus mitbringen: Sie sind bei Bedarf schnell wieder herausgerissen. Kluge Bauherren sehen diese Flexibilität vorher und lassen den Bodenbelag von Anfang an unter der Trockenbauwand durchlaufen. So entsteht später etwa aus zwei Kinderzimmern ein großer durchgehender Fitness- oder Hobbyraum.

7. Ausbauhaus statt einzugsfertig: Eigenleistung beim Hausbau

Musterhaus Bad Vilbel ProArt 145 von Prohaus aussen
ProArt 145 heißt dieses elegante Ausbauhaus mit Giebelerker von ProHaus. (Foto: ProHaus)

Wer sich gegen ein schlüsselfertiges Fertighaus beziehungsweise bezugsfertiges Haus entscheidet und im neuen Eigenheim selbst tapeziert, Fliesen verlegt oder weitere Gewerke übernimmt, kann so richtig sparen. Einige Zehntausend Euro sind drin, je nachdem, wie viel Eigenleistung sich die neuen Eigentümer zutrauen. Über wie viel Know how sie verfügen und wie handwerklich versiert sie sind.

8. Flachdach statt Steildach

Ein traditioneller Dachstuhl ist ein beeindruckendes Meisterwerk der Handwerkskunst. Die natürlich entsprechend Geld kostet, allerdings mittlerweile auch schon maschinell produziert wird. Ein Flachdach ist also gar nicht mehr viel billiger. Dennoch: Ein und dasselbe Haus kann mit Flachdach bis zu 10.000 Euro günstiger sein als mit Walmdach. Zwei Einschränkungen: Das Flachdach ist längst nicht überall genehmigungsfähig. Und wegen der üblichen Abdichtung mit Folien oder Bitumenbahnen und fehlender Neigung bleibt es anfällig für einsickerndes Wasser.

9. Sparen bei der Dämmung

Natur oder Kunststoff? Bei der Dämmwirkung macht das keinen großen Unterschied, bei den Preisen schon. Da werden manchmal auch überzeugte Ökos schwach und hoffen, dass die Recyclingindustrie innerhalb des Ablaufs der Haltbarkeit einer Styropordämmung von etwa 50 Jahren ein Verfahren zu dessen Wiederverwertung erfunden haben wird.

10. Fassade – günstiger Putz

Point 154 von Danwood. Außenansicht
Schnörkellos und trotzdem sympathisch kommt dieses Satteldachhaus mit weißer Putzfassade daher. (Foto: Danwood)

Putz schützt und schmückt die Fassade tadellos. Mit Farbbeimischung oder Anstrichen schafft man ein individuelles Antlitz des Hauses. Klinkerfassaden – je nach Stein – kosten nicht selten 8.000 bis 20.000 Euro extra, Holzverkleidungen etwas weniger. Trespa Platten (eine Art Laminat für die Fassade) noch weniger. Holz will allerdings von Zeit zu Zeit frisch lackiert oder lasiert werden, um seine Witterungsbeständigkeit zu erhalten. Ausnahme: Lärche; sie bleibt auch unbehandelt viele Jahrzehnte stabil und wird dabei immer schöner.

11. Der Würfel als Super-Sparschwein

Architekturentwurf Ideenreich Städtisch von Baufritz Terrasse
Die Version Städtisch des Hausentwurfs Ideenreich ist als weißer Bauhaus-Kubus designt. (Foto: Baufritz)

Unter allen Bauformen ist der Würfel die ideale: Je kleiner die Außenfläche des Hauses, desto energetisch vorteilhafter. Und je kompakter ein Baukörper, umso günstiger kann man ihn bauen. Denn nirgendwo sonst lässt sich mehr Wohnfläche pro Meter Außenwand unterbringen.

12. Fenster – Sparen mit Augenmaß

Effizienzhaus Next 80
Großzügige Fensterflächen fluten nahehzu den modernen Bungalow mit Licht. (Foto: Danwood)

Der schlechte Ruf von Kunststofffenstern ist passé; ihre Qualität hat sich zuletzt sehr gebessert. Nach wie vor sind sie jedoch am günstigsten und vor allem pflegeleicht und witterungsbeständig. Holzfenster sind im Schnitt 30 Prozent teurer, dämmen dafür perfekt und verleihen der Fassade einen natürlich edlen Look. Holz-Alu-Fenster können gerne das Anderthalbfache eines Kunststofffensters kosten, sind dafür aber auch deutlich länger haltbar als diese, dabei sehr wartungsarm und pflegeleicht.

13. Bodenbeläge – öko & günstig

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(Foto: Fertighaus Weiss)

Parkett oder PVC-Fußböden? Langflor-Teppich oder Linoleum? Das ist Geschmackssache, abgesehen von ein paar Tatsachen: Parkett etwa kann billiger sein als Laminat. Oder PVC: Der einst übel beleumundete Kunststoffbelag hat mittlerweile die schlimmsten Probleme (gesundheitsschädliche Weichmacher) hinter sich gelassen und ist erheblich günstiger (ab 30 Euro pro Quadratmeter) als Laminat. Oder Linoleum, das im Kielwasser des Bauhaus-Booms als Trendware wiederentdeckt wird! Es besteht im Gegensatz zu PVC aus Naturmaterialien und ist daher umwelt- und gesundheitsfreundlich.

14. Elektroinstallation: Stehen Sie nicht auf der Leitung!

Circa 5.000 Euro Einsparpotenzial liegen unter Putz verborgen – in der Elektroinstallation. So groß ist nämlich die Differenz zwischen Komfortausstattung und Mindestausstattung bei einem Einfamilienhaus. Gemeint sind zunächst nur Anschlüsse und Verkabelung für Strom, Telefon sowie Radio/TV. Nimmt man Haus automation und Smart Home dazu, fällt der Spareffekt von Komfort zu Basic noch höher aus.

15. Treppen sparen mit System

Treppengestaltung Wiehl
Die weiße Stahlwangentreppe mit naturfarbenen Eichenholzstufen ist eine der „Treppen des Jahres 2020“. (Foto: Wiehl)

Der Weg zur Kostensenkung bei Treppen führt über drei Stufen: erstens Konstruktion, zweitens Material, drittens System-Bauteile statt Handarbeit. Konstruktiv am günstigsten sind Wangentreppen. Wenn es auf jeden Quadratzentimeter ankommt, machen sich Wendel- oder Spindeltreppen bezahlt. Sie sind jedoch wegen des höheren Konstruktionsaufwands teurer. Freitragende Faltwerktreppen oder Kragarmtreppen landen sie meist im oberen Preissegment.

Bei den Treppenmaterialien ist Holz der Klassiker. Sparen lässt sich mit Nadelhölzern wie Kiefer oder Fichte. Generell kostet natürlich eine individuell geplante, handwerklich gebaute Treppe deutlich mehr als eine Systemtreppe, deren vorgefertigte Bauteile nur angepasst werden.

16. Innentüren

Kampa gut geplant Musterhaus Schwarzwald Garderobe Sitznische
Ein geheimer Eingang: Die Tür zum Technikraum ist in die Garderobe integiert. (Foto: Kampa)

Mindestens die Schlafzimmer und das Bad im Obergeschoss verlangen nach Privatheit und somit nach Türen. Und die können den Ausbau stark verteuern. Türblätter in Vollholz oder edel furniert und mit Original-Bauhaus-Drückergarnituren bestückt kosten ein Vielfaches einer weiß folierten Tür mit Drückergarnitur von Baumarkt.

17. Küche: Der Preis ist heiß

Die einfache und budgetfreundliche Antwort ist diese Faustregel: Häufig und intensiv genutzte Küchenhelfer sollten gute Markenware sein; Markengeräte sind schlicht haltbarer als No-Names und lassen sich eher reparieren, sollten sie nach Jahren doch einmal schwächeln. Alles andere darf aus der Kategorie „einfach aber zweckmäßig“ kommen.

18. Oberflächen: Echt oder Dekor?

moderne Wohnküche
Weiß ist und bleibt ein Küchen-Klassiker. Hier kombiniert mit Eiche-Dekor. (Foto: Nobilia)

Vollholz, Echtbeton, Glas, Metall oder Keramik bilden das obere Ende der Preisskala. Denselben Look gibt es auch einige Preisetagen günstiger: mit Laminat-Dekoren. Sie sind nicht nur optisch, sondern dank 3D-Oberflächen auch haptisch so gut wie nicht mehr von den Original-Materialien zu unterscheiden. Und manchmal sogar robuster und pflegeleichter.

19. Jagen Sie Ihr Geld nicht durch den Schornstein

Moderne Häuser kommen ohne Schornstein aus. Solaranlage und Wärmepumpe produzieren weder Rauch noch heiße Luft, ergo muss auch nichts übers Dach abgeführt werden. Und bei modernen Brennwertheizungen sind die Abgase so „kalt“, dass sie über ein dünnes Rohr direkt nach draußen geführt werden können. Die Folge: Wer von gemütlich prasselndem Feuer in einem klassischen Kamin träumt, muss dafür einen eigenen Schornstein einplanen – oder zumindest ein nicht ganz billiges Abgasrohr aus Edelstahl. Kalkulieren Sie dafür mindestens 300 Euro pro Meter inklusive Einbau. Oder sparen Sie sich die Tausender und freunden Sie sich mit diesen vier deutlich günstigeren Alternativen an: Elektro-Kamin, Ethanol-Kamin, Gas-Kamin, Video.

20. Heizung – fossil kann teuer werden!

Im Eigenheim-Neubau werden heute im Wesentlichen zwei Heizungstypen eingebaut: die elektrische Wärmepumpe und die Gas-Brennwerttherma. Beim Thema Energiebezug sollte immer die Preisentwicklung mitbedacht werden, die seit Jahrzehnten nur eine Richtung kennt: nämlich aufwärts. Das wird so bleiben – und sich noch verschärfen. Wer also beim Heizen in die Zukunft denkt, macht sich schon heute möglichst unabhängig von fossilen Brennstoffen.

21. Das Geld nicht mit dem Bad ausschütten

Repräsentative Wohlfühlbäder sind immer gefragter. Das beginnt mit der ihnen zugebilligten Grundfläche, die manchmal schon größer ist als die des Schlafzimmers und endet bei edelextravaganten Designarmaturen noch lange nicht. Die Qualität von Fliesen, Badkeramik und Armaturen leidet nicht, wenn Sie sich hier für (gute) Standards entscheiden. Einsparpotenzial: vierstellig!

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