Familienbande nach Lust und Laune – im Mehrgenerationenhaus!

Alexander Brenner hat viele Jahre an deutschen Hochschulen Entwurf und Städtebau gelehrt und als Architekt häufig Einfamilienhäuser mit dem Anspruch „mehrere Generationen unter einem Dach“ entworfen. Der Stuttgarter kennt sich also aus mit der Gratwanderung zwischen größtmöglicher Unabhängigkeit und einladender Nähe. „Um das richtige Maß von beidem zu finden, ist eine vorausschauende Planung wichtig. Dafür muss man die Zukunftsfühler ausstrecken“, so Alexander Brenner.

Früher war es normal, dass sich drei oder sogar vier Generationen ein Familiendomizil teilten. Man war finanziell aufeinander angewiesen. Heute entdecken immer mehr Familien dieses Miteinander für sich neu, haben Lust, gemeinsam ein Haus zu bauen: Man liebt und schätzt sich, teilt Freud und Leid – und bewahrt sich trotzdem ein eigenständiges Leben. Anderer Fall: Mit einer an Fremde vermieteten Einliegerwohnung wird ein Teil des Baus refinanziert. Architekt Brenner schuf in seiner Generationenvilla Lebensräume für Menschen verschiedener Altersgruppen: alltagstauglich, optisch elegant, Nähe und Distanz ausbalancierend.

*Das waren die Wünsche der Bauherren*

– Eine Gemeinschaftsvilla für die Eltern, Großeltern und ein bis zwei Kinder. Die Einliegerwohnung als Großelternreich, einen zweiten autarken Bereich als Option für eine spätere „Kinderwohnung“, die sich ohne große bauliche Umbaumaßnahmen einrichten lässt.
– Offene und große Begegnungsstätten, ergänzt durch ihr Pendant: Rückzugsmöglichkeiten und Privatsphäre.
– Einbauschränke und ausreichenden (unsichtbaren) Stauraum.
– Größtmögliche Flexibilität innerhalb des Hauses, um auf die sich verändernden Bedürfnisse jedes einzelnen Mitbewohners reagieren zu können.

*Das sind die Lösungen des Architekten*

Bei dem neuartigen Villentypus von Alexander Brenner kann auch nach Fertigstellung jederzeit zwischen drei bis fünf separaten Einheiten gewählt werden, mit bis zu zwei Einliegerwohnungen für den Eigenbedarf oder zur Fremdvermietung. Dafür sind Extraeingänge im Erdgeschoss vorhanden. Ein Haus, das sich den Bewohnern anpasst – nicht umgekehrt. Die Erfahrung des Architekten: Familien, die gemeinsam bauen wollen, unterschätzen schlichtweg, wie viel Privatheit sie tatsächlich benötigen. Häufig wünschen sie sich offene, große Begegnungsstätten und übersehen dabei, noch nie in solchen Raumsituationen gelebt zu haben.

In intensiven Vorgesprächen filtert Alexander Brenner deshalb heraus: Welches Raumgefüge entspricht am wahrhaftigsten der Lebensart der Bewohner in spe – und nicht ihren Illusionen, wie sie vielleicht gern sein möchten. Eine Planung, bei der viele (kleine) Bereiche entstehen, die so wenig wie möglich aufeinander angewiesen sind, hält Alexander Brenner für das Einstandsoptimum.

Im nächsten Schritt lassen sich dann für mehr Luftigkeit Wände reduzieren oder Türen öffnen. So reagiert das Haus auch zu späteren Zeiten noch flexibel auf alle Situationen des Miteinanderlebens. Neben einer gemeinsamen, großen Terrasse im Erdgeschoss plant der Architekt zusätzlich zu jeder Wohneinheit einen kleineren, separierten Balkon oder eine Terrasse, die von den anderen Etagen aus nicht einsehbar sind. So kann man sich zum gemeinsamen „Sonnenanbeten“ verabreden, muss aber nicht.

Zwangsbegegnungen sollen ausgeschlossen werden. Alle Bewohner können sich für oder gegen ein Treffen in ihren privaten Bereichen entscheiden. Die getrennten Eingänge verschaffen separaten Zugang. Der Aufenthalt im Gemeinschaftsbereich signalisiert: Ich habe Lust auf Familientrubel. Alle Schränke sowie sämtlicher Stauraum stecken in den Wänden. Die „Hoheitsbereiche“ können problemlos getauscht werden. Umziehen leicht gemacht! Die Maßmöbel wurden ebenfalls vom Architekten entworfen.

Auf Familienzuwachs oder den Abnabelungsdrang der Teenager lässt sich ohne großen Aufwand reagieren. Zwischen den tragenden Bauteilen können Wände eingefügt werden, um neue unabhängige Einheiten zu schaffen – oder separate Räume werden miteinander verbunden. In massiven Innenwänden zwischen Räumen, die später eventuell zusammengelegt werden, sollte schon vorab ein Türdurchbruch vorgesehen oder gleich eine Tür, kaschiert durch eine Verkleidung, eingebaut werden.

Wichtiger Hinweis des Architekten: Die autarken Einheiten müssen akustisch gut getrennt sein, denn die Generationen haben unterschiedliche Bedürfnisse nach Ruhe.

*Die Umsetzung*

/Die Einliegerwohnung/

Diese autarke Wohneinheit bewohnen die Großeltern. Wegen des Extraeingangs wäre sie genauso gut zur Fremdvermietung geeignet, denn es gibt keinen Bereich, in dem man sich mit den anderen Bewohnern begegnet. Der Architekt hat die Einliegerwohnung ins Dachgeschoss gelegt, was einen schönen Ausblick und wesentlich mehr Ruhe garantiert. Eventueller Lärm durch herumtobende Kinder in den unteren Geschossen wird minimiert. Die großzügige Terrasse mit Dachgarten ist ein einladender Freiluftsitz. Der begrünte Teil schützt die darunterliegenden Ebenen vor Ein- und Draufblicken.

Alexander Brenner rät, bei einem mehrstöckigen Gebäude unabhängig von dessen Größe an einen späteren Lift zu denken. Die Mehrkosten sind gering. Aber im Alter könnte er sich als segensreich erweisen, problemlos am Familienalltag teilzuhaben, ohne die Ruhe und Geborgenheit des obersten Stockwerks aufgeben zu müssen. Ein betonierter Luftraum mit den nötigen Kabelanschlüssen würde fürs Erste ausreichen. Mit einfachen Decken in den Geschossen kann er zunächst als Weinkeller, Abstellkammer oder Lager genutzt werden.

/Elternzone – Kinderreich/

Der Haupttrakt ist Elternrefugium. Hier wurde nach Geburt des ersten Kindes ein Babyzimmer im jetzigen Studio eingerichtet, um nah beim Nachwuchs zu sein. In der Kinderwohnung lebte ein Au-pair, mit direktem Familienanschluss und eigenem Bad. Mittlerweile bewohnen die zwei Kinder der Hausherren die Kidszone. Für den Fall, sie haben irgendwann Lust auf Selbstverpflegung, sind bereits Küchenanschlüsse vorhanden.

Der Bereich kann auch als eigenständige Wohnung mit nach Süden orientierter, ebenfalls sichtgeschützter Terrasse genutzt werden. Dank des separaten Eingangs lässt er sich komplett vom Elterntrakt abtrennen und als Einliegerwohnung vermieten.

/Raum für Vielsamkeit/

Das Erdgeschoss ist Gemeinschaftsterritorium mit Terrasse und Pool, die Hauptzone familiären Lebens. Die große Halle wird von allen Generationen bevölkert – zum Spielen, Lesen, Quatschen oder Feiern. Sie hat einen Übergang in den Wohn-Ess-Bereich. Die Bibliothek könnte einem Gäste- oder Kinderzimmer weichen. Dieses zusätzliche Zimmer garantiert selbst im Trubel einen stillen Ort zum Lesen oder Arbeiten.

Ein an den Hauswirtschaftsraum angrenzendes WC ist auf dieser Etage bereits vorhanden. Die Wand lässt sich entfernen und mit dem Raum daneben zu einem Bad umfunktionieren. Die Anschlüsse sind vorinstalliert. Macht unterm Strich eine zusätzliche kleine Einheit. Mal sehen, wer dort einmal wohnen wird.

2011 erschien im Callwey Verlag „Houses“ von Alexander Brenner, in dem neben der „Generationen-Villa“ weitere kompakte Stadtvillen und große Architekturskulpturen vorgestellt werden.

www.alexanderbrenner.de

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