Das Gen der Besser-macher

Herbert Holtgreife jedenfalls hat sein Immer-Besser­macher-Gen aus einer Zwei-Mann-Gara­gen-Werk­statt zu einem international erfolgreichen Unternehmen mit 450 Mit­arbeitern geführt: Solarlux.

Das (deutsche?) Wirtschaftswunder, das hierzulande so schnell in verzücktes Schwärmen bringt (Mittelstand, Mittelstand!), ließ sich zum Glück noch nie an die 50er-Jahre des Nachkriegsaufstiegs ketten. Lange davor und auch danach fanden und finden sich immer wieder Männer (Frauen spielen da, sorry, immer noch nicht die große Geige), die aus oft obskuren Gründer-Garagen zu erfolgreichen Unternehmern mit vielstelligem Millionenumsatz aufsteigen.

Bill Gates und seine American-Dream-Google-Boys müssen für diese Feststellung nicht in den Zeugenstand gerufen werden. Herbert Holtgreifes Garage stand nicht in Kalifor-nien, sondern im Sauerland, und sein kongenialer Technik-Partner hieß Heinz-Theo. Beide Anfang 30 und beider Aufstieg begann ausgerechnet Mitte der 80er-Jahre, als fast alle Signale auf Grauschwarz standen: Stillstand, Trübsal, Krise (schon vergessen?).

Herbert Holtgreife hat damals als talentierter Bauelemente-Verkäufer richtig gut verdient. Und dabei auch die Macken und Fehlstellen am Markt, das Unerledigte kennengelernt, Kundenwünsche, um die sich bisher keiner so richtig kümmern konnte oder wollte. Marktverkrustungen, -erstarrungen, -lähmungen (Krise! Sparen! Volle Deckung!) graben das große Loch wachsender Unzufriedenheiten. Perfektion steht da noch gar nicht als Alternative auf dem Masterplan – die Maßlosen tarnen sich am Anfang meist eher bescheiden: einfach nur besser sein als andere. Origineller, nützlicher, effizienter.

Was Herbert und Heinz-Theo auf dem Bierdeckel in ihrem Stammlokal skiz­zierten und dann in ihrer Sauerländer Garagen-Werkstatt als Muster zusammenschraubten, war von klassischer Newcomer-Chuzpe. Viele Leute haben inzwischen Wohnungen mit Balkon. Wären die verglast, könnte man auch bei deutschtypischem Regen- und Schmuddelwetter das schöne Draußen-Gefühl genießen. Der geniale Einfall der beiden Visionäre: Solche Glaselemente nicht fix und starr, sondern beweglich einbauen.

Bei Sonnenwetter werden sie einfach zur Seite gefaltet. Bei solch spürbarem Komfort- und Balkonlust-Gewinn, noch dazu mit überschaubarem Aufwand zu realisieren, wird sich der deutsche Miets-hausbesitzer-Balkonmarkt gewissermaßen Schlange stehend aufs Konto drängeln, malen sich die Jungunternehmer Heinz und Heinz-Theo aus. Was für eine Enttäuschung. Die Wohnungsgesellschaften mit ihren zig Zehntausenden Objekten passen zu den jungen Kreativen aus der Garage wie Eisbein zum Prosecco.

„Das war mindestens eine Nummer zu groß für uns“, sagt Herbert Holtgreife rückblickend. Flaute. Tote Hose. Ein volles Jahr verkaufen die beiden Freunde so gut wie gar nichts.

Wir merken uns: Um die Welt besser, wenigs­tens ansatzweise an einer winzigen Stelle besser zu machen, bedarf es nicht nur der richtigen Eingebung, technischer wie kaufmännischer Talente, charakterlicher Eignung (Entschlossenheit; Sturheit?) – sondern auch des Quäntchen Glücks, im richtigen Moment an der richtigen Stelle bereitzustehen: Wenn ihr unsere Balkon-Verglasungen nicht wollt – wie wäre es mit neuen, flexiblen Wintergarten-Elementen?

Eine Idee genau zur richtigen Zeit: Als plötzlich überkommene Mauern überall niedergerissen werden wollen. Freiheit, Licht, Sonne, für alle! Nomen est omen. Solarlux.

Das war der Durchbruch. Zumal die Befreiung aus den alten Zwängen auch Nachfragen aus ganz anderen Bereichen auslöste:?Cafés und Geschäfte in der City wie in den nach amerikanischem Vorbild entstehenden Einkaufszentren am Stadtrand öffneten sich ihren Kunden im wahrsten Sinn des Wortes total – die mühelos wegfaltbaren XXL-Glaselemente von Solarlux kamen dafür wie gerufen. Die alsbald eintreffende Aufkaufofferte eines der ganz großen Fenster-und-Türen-Multis wurde von den zwei Männern ausgeschlagen. Mit der Folge, dass die Abgewiesenen nun mit eigenen Glas-Elementen in den Markt einstiegen.

„Nun ja“, so der Holtgreife-Kommentar zu so viel selbstbewusstem Eigenständigkeitsbeharren, „da muss­ten wir uns halt zu neuen Höhen treiben: noch komfortabler, noch beweglicher, noch einfallsreicher.“ Wettbewerb, das steht fest, ist ein starker Antreiber von Perfektionierungen.
Klar ist, dass mit wachsender Dimension der neuen Glasflächen auch die Probleme wachsen: Den mechanischen kann man mit schlau ausgetüftelten „Wagen“, die das Glaselement butterweich durch die vormontierten Schienen gleiten lassen, noch am leichtesten beikommen. Schwieriger, aufwendiger ist die Bewältigung der klimatischen Anforderungen der immer großformatigeren Glas-Konstruktionen: Schutz vor zu viel Sonne, vor Überhitzung, vor heißer, stehender, alles austrocknender Luft.

Inzwischen aber war Solarlux längst ein Unternehmen mit entsprechenden Expertenteams für die Erfüllung vielgestaltiger Kundenwünsche – nicht nur nach zeitgemäß sensorgesteuerter Klimatisierung. Jeder Kunden auftrag hat seine Besonderheiten. Der XXL-Wintergartenanbau bei Osnabrück wie die Mall in San Francisco oder der Business-Komplex in Kuwait.

„Unsere Kunden“, sagt Herbert Holtgreife, „erwarten insofern Perfektion von Solarlux, weil kein anderer Anbieter es derzeit zu diesem Preis besser machen kann.“ Eine lebenskluge Definition des Perfekten. Auf eine Art kompromisslos-anspruchsvoll. Zugleich aber ehrlich und schlau genug, die wichtigste Information mitzuliefern: Ich spreche vom Stand heute. Sie, meine lieben Kunden, haben das Recht, morgen Besseres von uns zu erwarten. Wieder ein Schritt auf dem (endlosen) Weg zum Perfekten. Nichts weniger.

*Auf den Punkt gebracht*

/Ist Perfektion für Sie wichtig?/
Als Motivation für je­den Versuch, das bisher Unmögliche doch hinzubekommen.

/Hat Perfektion ein Verfallsdatum?/
Die jeweils bessere Lösung.

/Welche drei Dinge sind für Sie perfekt?/
Die Harmonie der Familie. Ich komme aus einer Familie mit neun Ge­schwistern, wir sind bis heute ein verschworener Clan. Wenn am Sonn­tag­mit­tag mei­ne drei Kinder, die Schwie­ger­kin­der mit al­len vier Enkeln bei uns am Mit­tagstisch sitzen – das ist es!
Vielleicht auch mein Morgensport-Programm: Laufen an der frischen Luft, an­schließend meine Bahnen schwimmen im Pool – der perfekte Kraft­quell für den kom­menden langen Tag. Der volle Klang meiner Hammond-Orgel. (Ich wollte in meinem früheren Leben Mu­­­siker werden.)

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