Interview mit Gerd Hauser: Alles bisher gebaute ist nun von gestern

Bauen beflügelt Prof. Dr. Gerd Hausers Fantasie und Leidenschaft. Der 64-Jährige ist Professor für Bauphysik an der Technischen Universität München, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik in Stuttgart, Inhaber eines Ingenieurbüros, Erfinder des „Energiepasses“. Das Thema Plusenergiehaus treibt ihn seit Jahren um.

Logisch, dass er im Auftrag der Bundesregierung maßgeblich am Konzept des Wettbewerbs zum „Effizienzhaus Plus” des Bundesbauministeriums in Berlin mitgewirkt hat. Wir haben uns im gläsernen Plusenergie-Labor in der Berliner Fasanenstraße zum Gespräch verabredet.

/Sie arbeiten nun schon 30, 40 Jahre am Thema energieeffizientes Bauen. Ist das Plusenergiehaus die Erfüllung?/

*Prof. Gerd Hauser:* Wenn wir es schaffen, dieses Niveau zum Standard für alle Gebäude zu machen, im Neubau wie im Bestand, ließe sich darüber reden.

/Bisher war das „Nahe-Null-Energie-Haus“ das große Ziel. Was ist passiert?/

*Prof. Gerd Hauser:* Die EU-Richtlinie von 2012 schreibt vor, bis Ende des Jahrzehnts zu „nearly zero“-Gebäuden zu kommen, zu Niedrigstenergiehäusern. Ohne zu definieren, was das in Zahlen heißt. Die guten Erfahrungen mit dichten, wirklich energieeffizienten Gebäudehüllen, dem Einsatz von Lüftungs- und Heizsystemen mit Wärmepumpen und der Ausbreitung der Photovoltaik ermöglichen ein neues Niveau. Noch ist es nicht wirtschaftlich, mit dem Haus extrem ins Energie-Plus zu kommen.

Aber die Null deutlich zu unterschreiten, macht Sinn. Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung hat jedenfalls 2010 einen großen Schritt getan mit dem Wettbewerbsverfahren für das „Effizienzhaus Plus”. Sinnvollerweise wurden auch die jungen Leute an den Universitäten und Instituten einbezogen.

/Worin besteht der Paradigmenwechsel, den die Plusenergiehäuser einläuten?/

*Prof. Gerd Hauser:* Entscheidend ist, dass diese Gebäude im Jahresverlauf mit ihrer eigenen Technik selbst mehr regenerative Energie erzeugen, als für ihre Nutzung erforderlich ist. Da geht es um weit mehr als die Eigenproduktion eines Energieüberschusses. Energetisch betrachtet ist das der Paradigmenwechsel von einer generell verbrauchsabhängigen Erzeugung von Energie zum zumindest teilweise erzeugungsunabhängigen Verbrauch.

*Lesen Sie das ausführliche Interview im neuen Sonderheft “Plusenergiehäuser”. Hier als E-Book oder als gedruckte Ausgabe bestellbar und am Kiosk.*

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