Und ewig grüßt das Sommerloch

Tritt im Garten die Blühpause ein – ein Vorgang ebenso erklärlich wie natürlich –, werden manche Gartenbesitzer zu Klageweibern, als drohe der Untergang des Abendlandes. Landschaftsarchitekt Prof. Sigurd Henne plädiert dafür, die Kirche im Dorf zu lassen.

Die alarmistische Note von „Brigitte1” ist einem Blog entnommen, nach dem man im Web nicht lange suchen muss. Die Verzweiflung gibt sich groß, die Ratlosigkeit dito. Beide sind fehl am Platze. Denn dass es im Garten Blühen und Verblühen, Werden und Vergehen gibt, ist für Gartenbesitzer noch lange kein Grund, sich die Kugel zu geben. Auch Landschaftsarchitekt Sigurd Henne, Professor an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen-Geislingen, ist dafür, in Sachen Blühpause die Kirche im Dorf zu lasssen.

/Wann und warum öffnet sich in deutschen Gärten das „Sommerloch"?/

Prof. Henne: Das Sommerloch, die Blühpause, gibt es vor allem im Juni/Juli, weil viele Vegetationstypen ihre Blühhöhepunkte aus vegetationsökologischen, besonders klimatischen Gründen, im Mai oder im Frühherbst haben.

/Welches Kraut ist dagegen gewachsen, damit der heimische Garten nichts an Wohnlichkeit und Attraktivität einbüßt?/

Prof. Henne: Lassen Sie’s mich ganz deutlich sagen: Wichtiger als die Frage, ob zu jeder Zeit alles blüht, ist die Struktur des Gartens. Sie muss stark, durchdacht und überzeugend genug sein, um eine Blühpause aushalten zu können.

/Was meinen Sie damit?/

Prof. Henne: Die Architektur des Gartens ergibt sich aus seiner Gesamtanlage, aus der Wiederholung von Formen und Strukturen, aus Texturunterschieden und Kontrasten zwischen Grüntönen und Blattformen. Die Stimmigkeit dieses Gesamtkunstwerks hat für die Ausstrahlung des Gartens viel größere Bedeutung als einzelne blühende Blumen und Pflanzen, so schön die auch sind.

Keine Kommentare vorhanden

Kommentare sind geschlossen.