Haus als Altersvorsorge: Was Bauherren früh bedenken sollten

Nicht erst seit der Diskussion um die gesetzliche Rente steht für viele Bauherren die Frage im Raum: Wie lässt sich fürs Alter finanziell vorsorgen? Sparpläne, Aktien, Fonds, Gold oder doch das eigene Haus? Ein Eigenheim ist für viele Familien mehr als eine Geldanlage. Es bedeutet Sicherheit, mehr Platz, einen eigenen Garten und die Aussicht, später mietfrei zu wohnen.

Ganz so einfach geht die Rechnung heute aber nicht mehr auf. Ein Haus als Altersvorsorge kann ein wichtiger Baustein sein, ersetzt aber keine vollständige finanzielle Planung. Entscheidend ist, wie gut Finanzierung, Lage, Betriebskosten, Rücklagen und Lebensplanung zusammenpassen.

Wie ein Haus zur Altersvorsorge beitragen kann

Heute lässt sich ein eigenes Haus im Grünen nicht mehr ganz so leicht finanzieren wie in den Zehner- und frühen Zwanzigerjahren. Dafür spielen bei der Entscheidung fürs Traumhaus andere Gründe eine wachsende Rolle: endlich sein eigener Herr sein, keine Angst vor Mieterhöhungen oder Kündigung, keine Nachbarn in der Etage darüber oder darunter, ein geschützter Garten für die Kinder, mehr Platz und mehr Modernität in den eigenen vier Wänden. All das lässt sich mit Geld kaum aufwiegen.

Mietfrei wohnen im Alter: Was das Eigenheim finanziell leisten kann

Mit Blick auf die Altersvorsorge lohnt sich trotzdem die Frage nach den nackten Zahlen: Ist das eigene Heim auch finanziell eine lohnende Investition? Das klassische Argument dafür lautet: Wer im Eigenheim wohnt, zahlt ein Leben lang keine Miete mehr.

1.000 bis 2.000 Euro Monatsmiete sind für eine Familie in einer einigermaßen bürgerlichen Umgebung oder attraktiven Wohnlage nicht ungewöhnlich. Wer heute baut, spart also inklusive üblicher Mietsteigerungen in den kommenden 20 Jahren schnell eine Viertel- bis halbe Million Euro. Und je jünger man baut, desto länger profitiert man, gerne 40 oder 50 Jahre lang.

Eigenheim als Teil der finanziellen Planung für junge Bauherren
Je früher Bauherren den Schritt ins Eigenheim gehen, desto länger kann mietfreies Wohnen später entlasten. (Bild: KI-generiert)

Ein einfaches Rechenbeispiel macht die Größenordnung greifbar:

Gehen wir davon aus, dass eine Baufamilie über die Jahre 500.000 Euro Mietkosten sparen würde. Dann stellt sich die Frage, wie viel Haus man sich leisten könnte, wenn dieses Geld stattdessen in eine Baufinanzierung fließt. Bei einem Mix aus günstigen KfW-Krediten und teureren Bankkrediten käme man in der Musterrechnung auf aktuell rund 3 Prozent Effektivzins. Daraus ergibt sich eine Kreditsumme von rund 370.000 Euro, berechnet auf 20 Jahre Laufzeit und vollständige Tilgung.

Auf den ersten Blick sieht das wegen der Differenz zu den angesetzten 500.000 Euro wie ein schlechter Deal aus. Auf den zweiten Blick ganz und gar nicht. Denn anders als bei der Miete ist das Geld nicht weg. Es steckt im Wert des eigenen Hauses, das man theoretisch jederzeit verkaufen könnte. Das Eigenheim kann also Vermögen schaffen und zugleich die Wohnkosten im Alter senken.

Checkliste: Diese 5 Fragen sollten Sie sich frühzeitig stellen

Bevor das Modell Immobilie als Altersvorsorge funktionieren kann, braucht es eine ehrliche Bestandsaufnahme Ihrer Finanzen und Wohnsituation.

1. Wo liegt Ihr Haus?
Steht es dort, wo Sie im Alter leben möchten? Also zum Beispiel am Stadtrand mit U-Bahn-Anschluss in die City oder lieber auf dem Land, wo mehr Platz und Ruhe locken? Wichtig sind in jedem Fall die Wege: Wie weit ist es zu Ärzten, zum Supermarkt, zur nächsten ÖPNV-Station oder zu den Enkelkindern?

2. Wie groß ist Ihr Haus?
Ein größeres Haus verursacht höhere Betriebskosten und macht mehr Arbeit beim Putzen und Instandhalten. Das kann im fortgeschrittenen Alter überfordern. Dann kann es sinnvoll sein, nur noch auf einer Ebene zu wohnen und die andere zu vermieten, etwa als Einliegerwohnung. Wer dafür schon bei der Hausplanung die Voraussetzungen schafft, zum Beispiel durch einen separaten Eingang, spart später Geld und erleichtert sich die Entscheidung.

3. Wie groß ist das Grundstück?
Gartenarbeit hält fit, ist aber auch körperlich anstrengend. Überlegen Sie am besten schon beim Grundstückskauf, wie viel Mühe Sie sich mit Rasenmähen, Unkraut jäten und Baumschnitt eines Tages machen können oder wollen.

4. Wie viel Geld können Sie zurücklegen?
Ein über Jahrzehnte selbst bewohntes Eigenheim muss nicht nur einmal, sondern wahrscheinlich öfter renoviert und modernisiert werden, nicht nur energetisch. Dafür sollten Sie rechtzeitig ausreichende Rücklagen bilden, am besten auch noch im Alter. Viele Bauherren unterschätzen, dass nach dem Einzug nicht dauerhaft Ruhe herrscht. Folgekosten kommen sicher, und sie sind heute deutlich höher als vor zehn oder 20 Jahren.

5. Wie hoch sind die monatlichen Betriebskosten?
Auch ein abbezahltes Haus kostet monatlich Geld. Zu den Betriebskosten zählen Strom, Gas oder Fernwärme, Telekommunikation, Abfallbeseitigung, Abwasser und nicht zuletzt die Grundsteuer. Auch diesen Kostenblock sollten Sie bei der Abwägung zwischen Wohneigentum und Miete im Blick behalten.

Altersvorsorge mit Eigenheim: Warum mehrere Pfeiler wichtig bleiben

Aber reicht das eigene Haus für die spätere Altersvorsorge? Die ernüchternde Antwort lautet: meistens nicht. Denn die eigenen vier Wände können Sie nicht ernähren. Auch die gesetzliche Rente reicht für viele Menschen kaum, um den gewohnten Lebensstandard zu halten.

Für finanzielle Sicherheit im Alter braucht es mehrere Pfeiler. Zusätzlich zu Rente und Eigenheim können etwa eine private Rentenversicherung, eine betriebliche Altersversorgung oder ein gut sortiertes Depot bei der Bank dazugehören.

Immobilienbesitzer haben dabei einen Vorteil: Wer über Jahre Zinsen und Tilgung stemmen muss, lernt meist, Geld zusammenzuhalten. Nach einer Studie der Bausparkasse LBS besitzen Wohneigentümer im Jahrzehnt vor dem Renteneintritt fünfmal so viel Vermögen wie Mieter. Das liegt nach Expertenmeinung auch daran, dass Bauherren das Sparen zur Gewohnheit machen.

Eigenheim als Baustein für Wohnen und finanzielle Sicherheit im Alter
Das eigene Haus kann im Alter viel Sicherheit geben, sollte aber Teil einer breiter aufgestellten Vorsorge sein. (Bild: KI-generiert)

Trotzdem wird das Eigenheim als Altersvorsorge voraussichtlich an Bedeutung verlieren. Finanzexperten wie Thomas Beyerle, Professor für Immobilienwirtschaft an der Hochschule Biberach, verweisen darauf, dass die heute 30- bis 40-Jährigen häufigere Jobwechsel und damit verbundene Umzüge als normal erleben. Ein festes Haus passt dann nicht immer zur Lebensplanung. Viele Millennials und Angehörige der Generation Z verschieben den Hausbau deshalb in die zweite Lebenshälfte.

Dann bleibt bis zum Ende des Berufslebens allerdings weniger Zeit für Tilgung und Vermögensaufbau. Umso wichtiger wird es, früh auch andere Anlagen mitzudenken. Das eigene Haus kann Sicherheit geben, Kosten senken und Vermögen schaffen. Als alleinige Altersvorsorge reicht es aber meist nicht aus.

Tipp der Redaktion:

Wer noch auf der Suche nach dem passenden Haus ist, findet in unserem Fertighausvergleich viele Entwürfe, Anbieter und Grundrisse für die weitere Planung.
mein schönes zuhause°°° FOLGEN SIE UNS AUF
zuhause3.de Newsletter


Vertrag widerrufen