Raum gewinnen!
Sie haben das Gefühl, es fehlt an Platz für die vielen großen und kleinen Dinge? Sie haben ihn! Wir zeigen Ihnen, wo.

Stilvoll zu leben, stilbewusst zu wohnen, ist ein schönes Selbst-Versprechen und Herausforderung zugleich. Stillos, weiß man, ist schlecht. Unentschlossenheit zum Stil zu erheben, riskant. Patchwork, als wild-spontaner Mix aller möglichen Elemente, geht auch (fast immer) in die Hose. Und um in der Königsdisziplin des gekonnten Stilbruchs zu punkten, muss man erst mal Stil haben, den man dann brechen kann .
Zum Glück muss Stil nicht erfunden werden. Ob die Klassifizierung sinnvoller Grundrichtungen zu acht Lifestyle-Gruppen oder sechs Stil-Welten führt, hängt von der Fragestellung ab. Und von der Intensität, mit der Wohn- und Lebensstile verwoben werden. Die Trendagentur Futurize von Gabriela Kaiser und Mara Michel hat bei ihren Markt- und Feldstudien vier große Trend-Gruppen herausgefiltert:
Zahlenmäßig mit 34 Prozent an der Spitze behaupten sich die Designorientierten, die „Optimizer“. Dicht gefolgt von den Naturorientierten, den „Reformern“, mit 32 Prozent. Zu den eher Traditionellen, den dekorativen „Stabilizern“, rechnen sich 22 Prozent. Die restlichen 12 Prozent sind Trendhopper, „Surfer“, junge Ausprobierer, die sich noch niemandem und nichts verpflichtet fühlen. Und die wir als Hausherren hier mal vernachlässigen können.
Mit der Formulierung solcher Lifestyle-Gruppen ist selbstverständlich keine qualitative Wertung verbunden. „In welcher Wohnatmosphäre fühlen Sie sich wohl?“, lautet die Sinnfrage bei der Pilgerfahrt zum persönlichen Stil. Versuchen wir es im LUX-Haus.
Moderne (1): Puristisch, unfarbig, designt
Erdgeschoss mit Tageslicht. Hellgraue Fliesen und weiße Wände ziehen sich fast durch die gesamte Ebene und verwischen die Grenzen zwischen den Räumen.
Vor den Fenstern hängen geradlinige Flächenvorhänge ganz in Weiß oder mit verhaltenem Muster. Soll viel Licht ins Haus, schieben Sie die Flächenvorhänge einfach hintereinander und verschaffen sich so freie Sicht nach draußen.
Im Koch- und Essbereich dominieren Weiß, Grau, Schwarz und Chrom. Die Küche ist kantig, funktional mit glatten Oberflächen, die Edelstahlfronten setzen schöne Kontraste.
Im Essbereich haben Tisch und Sessel abgerundete Formen. Die geben dem Raum trotz der reduzierten Farbigkeit eine emotionale Note. Ein großer gläserner Leuchter scheint über dem Tisch zu schweben. Alles wirkt elegant, designt und exklusiv.
Die Möbelstücke an sich, gleichfalls in vornehm zurückhaltendem Weiß und Grau, sind in ihrer Aussage schon so wirkungsvoll, dass ihnen Pflanzen und Accessoires nur sparsam an die Seite gestellt werden. Letztere im modischen Beerenton. Ein hochfloriger Teppich bringt Gemütlichkeit ins Spiel.
Im Wohnbereich sind die beiden großen Fensterfronten der Vermittler zur Außenwelt, sie holen die Natur ins Haus. Das tut auf ihre Weise auch die grün tapezierte Wand.
Im großzügigen Bad ist eine Wand mit einer Steinmauer verkleidet – man möchte sie nahezu reflexhaft berühren. Sie bildet einen wunderbaren Kontrast zu der XXL-Glasfront der Dusche. Eine gerundete, elegante Wanne, nahezu frei im Raum stehend, ist ein nächster Blickfang. Das Holzschränkchen und ein brauner Teppich geben dem Bad eine warme Atmosphäre.
Die Galerie im Obergeschoss macht sich als gemütlicher Rückzugsort beliebt. Es dominieren dunkle Brauntöne, die den Ort stark erden. Im langen Regal finden Literatur und Dekoration den ihnen gebührenden Platz. Das ist der ideale Platz für stille Abendstunden, um zu lesen oder einfach nur runterzutouren.
Bei der für dieses LUX-Haus gewählten Einrichtung wird augenscheinlich demonstriert, wie klug es ist, sich bei der Grundeinrichtung auf zeitlose Farbigkeit, also auf Weiß, Grau, Schwarz und Beige-Braun-Töne, zu konzentrieren und mittels Accessoires und Heimtextilien Farbe – und damit modische Touchs – ins Haus zu holen. Auf diese Weise lässt sich öfter und unaufwendig Abwechslung, sprich: eine neue Optik beim Interieur schaffen.“
Wir sind uns mit Gabriela Kaiser aber einig, dass minimalistischer Purismus nicht das allein selig machende Maß des Modernen ist. Ein weiterer Vorschlag von ihr für diese prägnante Architektur:
Moderne (2): Natürlich, harmonisch, authentisch
„Für den Naturliebhaber sind Beige, Braun und Grüntöne wichtig. Er mag authentische Materialien wie Holz, Kork und Keramik, sowie stark strukturierte Oberflächen“, beschreibt die Trendexpertin den Natur-Stil. „Wände werden auch innen begrünt – wegen der außergewöhnlichen Optik, und wegen des frischen Raumklimas. Vor den Wänden dürfen Matten aus verwebten Ästen hängen, die zugleich als Raumteiler dienen. Auch vor den Fenstern finden sich Flächenvorhänge aus Bambus oder mit bedruckten Naturmotiven – ein Wald, stilisierte Äste oder einfach nur organische Strukturen.
Holz wird gerne so gezeigt, wie es in der Natur gewachsen ist. Das kontrastiert dann mit sehr glatten Holzflächen oder Glas. Ich denke an Wurzeln, die als Tischbeine herhalten, oder ausgehöhlte Holzstämme und dicke Äste, die zu Vasen oder Blumentöpfe umfunktioniert werden.
Möbel bestehen meist aus Holz, Bambus oder Rattan, ihre Formensprache ist eher reduziert. So lässt sich zum Beispiel ein Eisengestell mit Naturseilen umwickeln und gibt dann einen Beistelltisch ab.
Handwerkliche Optiken sind stets willkommen. Zum Beispiel bei grob gewebten Decken oder handgefilzten Accessoires. Den Boden bedecken hochflorige, weiche Teppiche, in die sich die Füße so richtig schön eingraben können, oder Fellimitate – die Natur wird geschont und nicht ausgebeutet. Wichtig bei der Ausstattung ist das Licht im Essbereich. Neben indirekter Beleuchtung und Kerzen liegen Lampen aus Astgeflechten im Trend, die bizarre und doch sehr sinnliche Muster auf den Tisch werfen.
Ein Kamin, in dem Tannenzapfen prasseln und ihren unnachahmlichen Harzduft verströmen, runden die gemütliche Stimmung ab. In der Natur können viele Menschen sehr gut entspannen, sich aus der Welt nehmen und Energie tanken. Es ist also naheliegend, dass sie sich die Natur nun auch ins Haus holen und sich so eine Chill-out-Zone im eigenen Heim gönnen.“
Moderne (3): Dekorativ, traditionsbewusst, repräsentativ
Die Stilexpertin der Trendagentur räumt auch der dritten großen Lifestyle-Gruppe gute Erfolgschancen ein: moderne Architektursprache mit Einrichtungsvorlieben für Dekoratives und Schmückendes.
Für „Traditionalisten“ sind Vertrautheit, Bodenständigkeit und Heimatverbundenheit elementare Werte, die ihr Stilgefühl prägen, ohne deshalb alt und unmodern daherzukommen.
Gabriela Kaiser rät, von allzu viel Farbigkeit abzusehen und sich lieber auf die Neutraltöne von Creme über Beige bis Braun zu konzentrieren: „Tapezieren Sie einige Wände mit ornamentalen Mustern, aber eben nur einige. Gerade der Kontrast von Uniwänden in Creme oder einer anderen Farbe zu gemusterten Wandflächen belebt einen Innenraum und bringt Spannung.
Besonders empfehlen sich dekorative Tapeten, die in der Farbigkeit tonig und dadurch zurückhaltender sind.
Bei den Heimtextilien wird eine ähnliche Dessinierung wieder aufgegriffen, um das Bild abzurunden. Ganz neu ist es, diese prachtvollen Stoffe in reduzierter Farbigkeit wie Creme oder Beige-Tönen zu zeigen.
Die Fenster schmücken zarte, leichte, seidig schimmernde Gardinen. Bei den Kissen sollten es ruhig ein paar mehr sein, sie dürfen in Satin glänzen oder in Seide schimmern. Auf dem Fliesenboden liegen hochwertige Teppiche, die eine wohlige, gemütliche Atmosphäre verbreiten.
Wer etwas modischer agieren will, kann sich beispielsweise einen Leder-Laminatboden in den Wohnbereich legen – eine sehr wertige repräsentative Optik.
Bei den Möbeln sollten sich wagemutig puristische Formen mit aufwendigeren abwechseln: der Esstisch eher geradlinig, die Stühle dazu in der Rückenlehne mit feinem Händchen dekoriert. Im Wohnbereich würde ich eher schlichte Sessel und Sofas, die üppig mit Kissen ausstaffiert sind, zu einem vom Barock inspirierten niedrigen Tisch stellen.
Im Schlafzimmer sind die Möbel von schlichter Kastenform, besitzen aber dekorative Leisten. Das Bett zeigt in der Rückfront die vertraute geschwungene Treppenform, ist aber ansonsten schnörkelfrei. Diese Kontraste von dezent und dekorativ gelten als sehr modern und trotzdem repräsentativ. Weiße und cremige Farben leisten ihren Beitrag zu diesem abgerundeten Bild.
Vasen, Geschirr und Accessoires dürfen verspielter und romantischer sein, ruhig auch üppiger in der Anzahl. Und wegen der Harmonie möglichst in Weiß oder Creme."
Erstaunlich, welch unterschiedliche Wohnwelten die Trendexpertin für ein und denselben Entwurf von LUXHAUS maßschneidert. Gabriela Kaiser wirbt leidenschaftlich für den mutigen Selbstversuch, unter professioneller Begleitung, versteht sich: „Lassen Sie sich auf ungewöhnliche Perspektiven ein, befreien Sie sich von selbst auferlegten Zwängen, probieren Sie neue faszinierende Möglichkeiten des Wohnens.“ Es klingt nur scheinbar wie ein Widerspruch, wenn die Stilberaterin dabei immer wieder betont: „Lassen Sie sich nichts einreden. Bleiben Sie immer Sie selbst. Wenn Sie sich von einer Raumsituation sofort angesprochen und wohlfühlen – das ist es!“