Design-Show "100 % Design" in London: Zehn ausgewählte Stücke
„100% Design“, einmal im Jahr in London, ist die wichtigste britische Design-Schau mit Kreativköpfen aus aller Welt.

Oder auch: welch überraschende Ergebnisse aus unerwarteten Konstellationen erwachsen, dass aus Gegensätzen kreative Reibung wird und wie leicht hier „schön“ und „funktional“ zusammenfinden. Doch der Reihe nach!
Fangen wir noch einmal an bei der kleinen Edelstahlschmiede unter dem blauen Dach in der übersehenen Provinz zwischen Stuttgart und Bodensee. Am First eine Wetterfahne mit zwei windzerzausten Köpfen. Auf den Wiesenflächen an der Zufahrt fremd anmutenden Figuren, überwältigend schöne Bänke, lustige Windspiele, ein einladender Tisch. Eine hohe schlanke Säule trägt den Schriftzug „werkraum2“. Und allein diese schlichte Säule macht neugierig, wer oder was „werkraum2“ wohl sein mag; denn dieser Edelstahlkorpus zeigt überhaupt keine Herstellungsspur,überzeugt mit makellosen geraden Kanten und prunkt mit zwei verschiedenen Schlifftechniken:eher matthomogen die Schriftseite mit ihrem Gegenüber, mit großer Lust an Lichtspielen die beiden anderen. Eine beiläufige Visitenkarte!
Dem Edelstahl verschiedene Oberflächen abzugewinnen, seine leicht technischkühle Anmutung durch Materialmix zu verändern und die perfekten Schweißkanten für kühne Schwünge, Bögen und Wellen einzusetzen – das gehört zum Grundvokabular der beiden Macher von „werkraum2 unikate aus edelstahl“. Hand und Kopf hinter dem programmatischen Namen sind Gerhard Link und Ingrid Röschlau.
Gerhard Link, das ist der gelernte Schmied, der seit mittlerweile 40 Jahren fast ausschließlich mit Edelstahl arbeitet und lange Zeit als Meister die Künstlerwerkstatt des Bildhauers Erich Hauser geleitet und den Großteil von dessen Edelstahlplastiken realisiert hat. Ingrid Röschlau würde man nicht in einer Werkstatt erwarten: Germanistin und Texterin, Organisatorin und Redenschreiberin, Kulturmanagerin und Öffentlichkeitsarbeiterin. Seit nunmehr fünf Jahren ist sie der kreative Kopf des werkraumDuos. Ihr Büro ist vollgestellt mit Papiermodellen und Materialproben, dazu Skizzen an der Wand – aber auch die Zeichnungen und Fotos von den Kindern befreundeter Künstler und Fotografen. Außerdem gehören Zitate und poetische Sätze zu den Besonderheiten der Räume und Ausstellungsaktionen. Die beiden lassen Edelstahl neu sehen. Ihre Objekte – schlicht, reduziert, puristisch – passen zu jeder Einrichtung und jedem Stil: Und mit Brüchen – also z.B. Edelstahlpflanzgefäße vor dem alten Bauernhaus, klare Edelstahlvasen auf barocken Schränken, dicke Schalen auf alten Holztischen – wirken die Arbeiten fast noch spannender als in sachlichmoderner Architektur.
Aber freie Arbeiten sind nur eine Facette des Schaffens von werkraum2. In diesen Werkraum kann man auch mit Wünschen kommen und erhält dann auf die Situation abgestimmte Vorschläge und Entwürfe. Ob Vorplatz oder Entree, ob „Beschilderung“ oder Garteninstallation, egal ob kleines Objekt oder große Gestaltungslösung – die beiden lassen sich von solchen Anfragen anregen, neue Wege zu beschreiten und neues Terrain zu erobern. „Wer an der Küste bleibt, kann keine neuen Ozeane entdecken.“ Dieser Satz von Magellan ist das Motto ihres Arbeitens.
Das werkraum2Duo: Gerhard Link und Ingrid Röschlau
Gerhard Link und Ingrid Röschlau entwerfen und realisieren gemeinsam seit 2004 Unikate aus Edelstahl. Beide experimentieren gerne, entwickeln Ideen weiter, geben und sammeln Anregungen und genießen den Austausch mit anderen Kreativen. Aufeinandergetroffen sind die Kopfarbeiterin (mit Sinn für Handwerkliches) und der Handarbeiter (mit Begeisterung für die moderne Kunst) bei der HauserStiftung. Gerhard Link ist Schmiedemeister und Spezialist für Edelstahl. Prägend waren für ihn seine Jahre als Werkstattleiter des Stahlplastikers Erich Hauser. Jetzt, in seinem eigenen Werkraum, kann er seine Materialkenntnis für neue Ideen einsetzen. Mit variantenreichen Oberflächenbearbeitungen ist es los gegangen, überraschende Materialkombinationen wurden zum interessanten Experimentierfeld und weiche asymmetrische Biegungen sind gern gesuchte Herausforderung. Die meisterliche Qualität und die handwerkliche Perfektion sind schon lange sein Markenzeichen. Gerhard Link lebt in Rottweil.
Ingrid Röschlau ist auf Umwegen zum Edelstahl gekommen: über das Kommunikationsdesign und die Kunst und nach dem Studium der Germanistik, Geschichte, Politologie und Soziologie. Erfahren als Kulturmanagerin und Kommunikationsberaterin macht sie noch immer Text und Konzeptionen nicht nur für den werkraum2. Nach verschiedenen beruflichen Stationen in Nürnberg, Frankfurt a.M. und Stuttgart wo sie jeweils neue Projekte aufgebaut hat – startete sie den Spagat zwischen Freelancertum und Geschäftsführung der „Kunststiftung Erich Hauser“. Ihre Handschrift zeigt sich nicht nur in den puristisch eigenwilligen Entwürfen, sondern auch in poetisch getönten Präsentationen, Ausstellungen und Reden. Ingrid Röschlau lebt in München und Rottweil.