Einzigartig effizient und ökologisch: GreenTecKitchen
Ballerina, Bosch und Pfleiderer sind Innovationspartner einer Weltpremiere: Die „Grünste“ Küche mit Ökowerkstoff und...

Rudolf Schricker nutzt diesen merkenswerten Fehlversuch, um sein Anliegen exemplarisch zu beschreiben: Es gibt nichts Erstrebenswerteres, Angenehmeres, Wichtigeres, als mit sich und seiner Umgebung in Einklang zu kommen. Physiker würden sagen: auf eine Wellenlänge. Vielleicht stellt man sich das wirklich am besten als Zweiklang von Senden und Empfangen, Geben und Nehmen vor, der unser gesamtes Umfeld einschließt: die Mitmenschen, das Haus, die Natur.
Was wir in unserem eher logisch geprägten Abendland an den asiatischen Hochkulturen mit Recht bewundern, ist die ausgeprägte Fähigkeit, Lebensqualität vor allem als tiefe innere Zufriedenheit zu zelebrieren. Interessanterweise weniger durch Verdrängung von Materiellem und Körperlichem als durch eine besonders ausgeprägte Kunst bewusster Wahrnehmung. Professor Schricker sagt es nicht so unhöflich, meint aber genau das: Wir ticken nicht richtig!
Die Küche sei ein ideales Beispiel. Dass sie wie kein anderer Raum (neben dem Bad) der sinnlichste, angenehmste Genüsse vieler Art verschaffende Ort sein könnte, wissen wir zwar. Wenn es aber an die konkrete Planung der Küche geht, verdrängt die stolze Freude an unserer Begabung zu vernünftigem Handeln gern die Tatsache, dass unsere Genussfähigkeit auch im Computerzeitalter immer noch auf animalische Art funktioniert. Der Appetit verginge uns, würde frisch gebackener Kuchen nicht so verführerisch duften, die krosse Haut der Weihnachtsgans nicht in so unwiderstehlichem Braungold glänzen, der Zwiebelring nicht so vielversprechend zischen, wenn er sich in die heiße Pfanne stürzt Dass bei solchen Vorstellungen das Wasser im Mund zusammenläuft, gehört dazu.
Die hohe Schule der Küchengestaltung, sagt Professor Schricker, kann sich daher selbst mit der perfekten Aufteilung der schicksten Schränke, Borde, Schubläden nicht genügen. (Küchen-)Lebensqualität beruhe auf Synästhesie, dem Zusammenspiel sinnlicher Wahrnehmungen. Wir haben zum Glück von Natur aus ein paar prima empfindsame Sinnesorgane fürs Sehen, Hören, Tasten, Riechen, Schmecken verfügbar, die uns mit ein wenig Schulung und Erfahrung bereitwillig die Türen in die Welt angenehmster Genüsse auftun. Da wir uns sowieso ernähren müssen, ist die Neigung zu kulinarischen Vergnügungen besonders sympathisch.
Was ist gut und was ist schön?
Es macht Spaß, mit dem Professor zu streiten, welchen Stellenwert beim Gestalten einer Küche rationale und emotionale Aspekte haben, was wohl in welcher Frage wovon dominiert wird. „Licht ist die Dimension des Wissens“, sagt Rudolf Schricker, „aber das Sehen täuscht am meisten. Es ist der jüngste der menschlichen Sinne. Der Spürsinn ist der älteste. Dann folgt der Hörsinn. Der bleibt selbst, wenn wir schlafen, auf Empfang “
Spätestens seit der Zeit der Aufklärung haben wir uns einigermaßen festgelegt, was richtig, schön und gut ist. Nämlich?
„Richtig“ ist das, was funktioniert, seinen Zweck erfüllt. Es ist allgemein gültig. Das Schöne ist die ästhetische Komponente.
Und was man darunter versteht, bleibt selbst in massenhaft geteilter Form subjektiv. Das Schöne ist (seltsamerweise) auch keine wissenschaftliche Disziplin.
„Gut“ sei eine eher emotionale Kategorie, eigentlich die Kurzversion von „es tut mir gut“.
Dass dabei trotz aller analytischen Trennungsversuche Vernunft und Gefühl stets miteinander verwoben sind, versteht sich.
Die Bauhäusler, legt sich der Design-Professor fest, seien, bei allem Respekt, „von Rationalität regelrecht übermannt“. Ihr Versuch, eine Demokratisierung des Schönen und Guten durch industrialisierten Massenstil in den Alltag zu tragen, ist aller Ehren wert, liefert aber zugleich den Beweis, dass es auf Dauer nicht reicht, „nur“ funktional alles richtig zu machen, statisch perfekt, in einem über jede Kritik erhabenen Einheitsstil
Was fehlt dem rein Rationalen?
Dass rational fixierte Planungen die berühmte „Frankfurter Küche“, als Urbild eines allein auf schnelle Nahrungszubereitung konzentrierten quadratisch-praktisch-optimierten, entsprechend kleinen Raums mit der Philosophie der U-Boot-Küche, hervorbrachten, war zu Zeiten der Wohnungsnot zweifellos nützlich, reicht aber für heutige Ansprüche nicht aus. Professor Schricker behauptet streitlustig, zeitgemäße Küchengestaltung sei weder eine Frage der Raumgröße noch eines üppigen Budgets.
Sondern?
Der Kreativität. Der Neugier. Typisch Innenarchitekt. Aber deshalb reden wir schließlich miteinander.
Vielleicht waren es weniger Termingründe als vielmehr die Überzeugungskraft des guten Beispiels, dass uns der Professor zu sich nach Hause, in seine eigene Küche eingeladen hat. Die besitzt nämlich auch nur bescheidenste 8,5 Quadratmeter.
Küchen im XXL-Format, bei deren Planung man auch finanziell aus dem Vollen schöpfen kann, mögen nach strengem Qualitätsmaßstab eine andere, aber keine leichtere Aufgabe sein.
Trotzdem: 8,5 Quadratmeter sind arg wenig für einen ideensprühenden Kreativen. Der mit seinen Vorstellungen von einer modernen Küche nicht nur vor sich selbst bestehen, sondern schließlich auch Zustimmung, ach was: Begeisterung von seiner Frau Susanne und den beiden erwachsenen Söhnen ernten will.
Der Traum vom flexiblen Raum
Als Design-Professor vertritt er die These von der flexiblen Küche. Die „atmet“, lebendig ist, sich öffnet und schließt. Die alte, unveränderbar in sich erstarrte Küche sei tot – so modern sie sich auch formal kaschiere.
Was sich im ersten Moment vermessen, überhoben, sehr theoretisch anhören mag, hat einen fröhlich-bodenständigen Kern: Wir sind doch auch nie dieselben. Schwanken mit unseren Stimmungslagen und Wünschen im Stundentakt. Haben morgens andere Gelüste als abends. Lassen uns gern von himmelblauer Frühlingssonne die Laune aufstecken und versuchen, uns gegen endlos trübes Novembergrau irgendwie zu wehren. Das alles in ein und derselben Küche. Allein. Zu zweit. Gemeinsam mit den Söhnen. Natürlich auch in noch größerer Runde mit Gästen. Die Liste der Anforderungen an diese Küchen, selbst auf die wichtigsten Situationen begrenzt, ist ellenlang, belegt aber freilich anschaulich die Grundforderung des erfahrenen Innenarchitekten: Wir brauchen in diesem Raum unbedingt mehr Flexibilität!
Da bei allem Gestaltungswillen Schränke und Schübe, Spüle und Dampfgarer normalerweise vor Ort unverrückbar montiert sind, wird man neugierig, wie sich der Design-Professor das vorstellt mit der Flexibilität in seiner Küche. Nun gilt Rudolf Schricker nicht von ungefähr als einer der Lichtspezialisten unter den renommierten Raumdesignern. Er forscht und arbeitet seit vielen Jahren in diesem Themenbereich. Oft hat er schon bewiesen, wie Räume allein durch andere Beleuchtungen ihre Wirkung verändern, nicht nur ihren Charakter, sondern auch die Stimmung der Menschen darin unmittelbar beeinflussen und verändern können.
Licht ist ein großer Verführer. Es kann Räume größer oder kleiner, freundlicher oder sachlicher, wärmer oder kühler erscheinen lassen – bis man glaubt, an zwei völlig verschiedenen Orten gewesen zu sein.
Die lebenskluge Bemerkung, dass etwas „plötzlich in ganz anderem Licht“, also als etwas völlig Neues erscheine, deutet die Chance an, auf die der Professor baut: Wenn er schon seine Küchenmöbel nicht seiner Stimmungslage anpassen kann, dann können sie sich doch bitte schön in ihrer Ausstrahlung flexibel präsentieren!
Das funktioniert tatsächlich.
Leuchte, Küche, leuchte
Im Haus des Professors ist zu erleben, was gute Lichtinszenierung kann. Die Möbel selbst sind eine Maßanfertigung. Baujahr 2007. Die Lackfronten im Weißton Camé, kombiniert mit dunkel gemasertem Ebenholz. Sieben Lichtinstallationen hat Professor Schricker auf seinen 8,5 Quadratmetern Küche untergebracht. Wo es nötig ist, helle Spots zum Arbeiten. Lichtdesign-Elemente, wie die strahlend blau leuchtenden Kanten, die formale Linien der Möbelanordnung eindrucksvoll nachzeichnen und dem Ganzen Kontur geben.
Bestimmend aber ist die große LED-Fläche auf der Rückseite des Technikblocks mit Dampfgarer und Backofen, die sich dem Sitz- und Essbereich zuwendet und mit ihren leuchtenden Farben gewissermaßen die Stimmung in beiden Teilen des Raums bis hin zur offenen Treppe und dem Übergang zum Wintergarten prägt.
Wir probieren es aus: Der Professor hat nicht übertrieben mit seiner Behauptung, allein mit Licht Seele und Charakter eines Raumes verändern zu können. Sogar das kräftige Blau seines großformatigen Lieblingsbildes an der Wand hinter dem Essplatz ändert in verschiedenem Licht seine Intensität und Wirkung.
Blau, sagt Rudolf Schricker, berühre ihn sehr. Es beruhige ihn. Freilich gebe es auch feurige blaue Farbschläge, die mit ihrem hohen Rotanteil stimulierend wirken. Vor Rot solle man stets Respekt haben. Es könne ungeheuer aufwühlen, sogar aggressive Stimmung erzeugen. Gelb wiederum, auch als Orangeton Lieblingsfarbe von Susanne Schricker-Schön, wirke als klassische Sonnenfarbe stets positiv, lebendig, angenehm.
Grün sei in seiner Wirkung jahreszeitabhängig. Das Frühlingshafte, Frische sei uns jetzt sehr willkommen, hole uns gewissermaßen den zart-schönen Aufbruch der Natur mit dem Versprechen der bevorstehenden warmen Tage ins Haus
Susanne Schricker-Schön bestätigt, dass nicht nur die Beredsamkeit ihres Mannes die Wunderwirkung farbigen Lichts auslöse: Sie funktioniere sehr wohl im Alltag. Die Fernbedienung ist der Schlüssel zu einer flexiblen, der aktuellen Gemütslage angepassten Wahrnehmung der eigenen Küche und des Essbereichs davor.
Selbstverständlich sind das Beleuchtungsspektrum und die Farbwirkung kein Ersatz für veränderbare Einrichtungselemente wie bewegliche Wände, Möbel oder Küchenblöcke. Die inzwischen etablierte Öffnung der Küche zum Wohn- und Essbereich hin bedeutet derzeit ein mehr oder weniger harmonisches Nebeneinander von Wohn-, Ess- und Küchenmöbeln. Der logisch folgende zweite Schritt, die Entwicklung neuartiger Einrichtungsgegenstände für diesen neuen „Living-room“, steht noch ganz am Anfang. Bislang gibt es nur erste Entwürfe kreativer Sitz-Ess-Koch-Arbeits-Möbel, die vielfältig und sehr verschieden verwendbar sind.
Wenn meine Küche mich mag
Nichts weniger als der Aufbruch zu einem wirklich neuen Verständnis von der Küche des 21. Jahrhunderts steht auf der Agenda. Das beschreibt in etwa den Hintergrund der Gespräche des Design-Professors Rudolf Schricker mit DER KREIS, der europaweiten Gemeinschaft mittelständischer Küchenspezialisten. Wenn sich praktische Alltagserfahrung versierter Küchenplaner mit kompetentem Raumdesign verbündet, ist ein visionärer Anspruch an Küchenerlebnisse neuen Typs nicht hochgestapelt
Stellen wir uns nur mal kurz eine Küche vor, die vor Freude aufleuchtet, wenn wir sie betreten. Immer dasselbe Spiel: Sie versteht mich, sie mag mich – sie weiß genau, in welcher Stimmung ich gerade bin. Kochen darf ich aber noch alleine.
Fantasterei?
Abwarten.