Vorgefühlt

Das Mobile: ein funktionales, in jeder Beziehung ausgewogenes Küchenmobile.

Eigentlich sind wir noch heftig damit beschäftigt, die sinnlichen Qualitäten der gegenwärtigen Küchen auszureizen, da dürfen wir schon schauen, wie unkonventionell Küchenzukunft gedacht wird. 42 Studenten der Fachrichtung Innenarchitektur und Design der Hochschule Coburg sind der Frage nachgegangen: Wie sieht die Küche der Zukunft aus?

1. Preis: Pensilis Rotonda"


Begründung der Jury:

„Vom Kreis als Mittelpunkt zur Küche im Mittelpunkt“ umschreibt die Idee von „Pensilis Rotonda“. Das kreisrunde Formenspiel ist und hält in Bewegung, löst und verändert sich mit der menschlichen Bewegung. Immer wieder entstehen, durch Menschen inszeniert, neue Raumperspektiven und Eindrücke.


Das Arrangement von verschiedenen Rotunden bietet eine Vielzahl individueller Lösungsmöglichkeiten während des Kochens: Höhenüberwindung und -verstellbarkeit, Altersgerechtheit, Sauberkeit und Hygiene, Imageveränderung durch wechselnde Farben und Materialien, flexible Raumkonfigurationen, Technikintegration, Stauraumlösungen. Die Beleuchtung ist variantenreich. Die Rotunden sind vertikal leicht zu verschieben und in sich drehbar. Die Rotationen lassen Kochen wieder zu einem „Spielvergnügen“ werden, bei dem alles und jeder in Bewegung ist. Bewegung wird zum Synonym für Lebendigkeit. Die Grundform des Kreises lässt Kochen zum Akt für Kommunikation und Selbstbesinnung werden.


„Pensilis Rotonda“ von Catharina Klocke überzeugt durch technische Innovation, originellen Designanspruch und visionäre Darstellung, wie Küche wieder zum Mittelpunkt werden kann.


Über den Herd gefragt: Catharina Klocke


Wen haben Sie beim Entwerfen als Nutzer Ihrer Küche vor sich gesehen?

Kinder. Die aktiv bei der Zubereitung des Essens mithelfen können und an alle Schränke problemlos und ohne Gefahren herankommen. Der Partner im Rollstuhl, der nebenbei am Tisch sitzt und an seinem Laptop arbeitet. Ein älteres Ehepaar. Auf jede körperliche Einschränkung kann diese Küche reagieren. Kein Bücken mehr und trotzdem ist alles in Bewegung. Unterm Strich: ein drehbares Formenspiel, welches sich JEDEM Nutzer anpasst. DU bist der Mittelpunkt.


Was hat Ihre Küche, was andere nicht haben?

Sie hängt an der DECKE. Keinen Kontakt zum Boden. Flexibel und immer individuell. Geschmeidigkeit und Bewegungsfluss durch runde Formen.


Was kochen Sie selbst am liebsten?

Pasta in jeglichen Variationen – italienisch halt.


Woran denken Sie bei „deutsche Küche"?

An Brot mit Wurstaufstrich als Abendbrot. An Kartoffelgerichte, Rindfleischsuppe, Gemüseeintöpfe, Wirsing, Rosenkohl … Deftige Mahlzeiten, die satt machen.


2. Preis: Kunststück


Begründung der Jury:

Der Entwurf „Kunststück“ ist eine sehr moderne, visionäre Idee, in der ein Kunstraum Kochkunst trifft und das mediale Zeitalter mit verschütteten Traditionen sowie sinnlichen Erlebnissen bereichert. Flexible Elemente, wie Lümmelhöhle, Wasser, Skulptur und Schrank, bilden die Grundstruktur dieses konkreten „virtuellen“ Raumes. Sie sind Imageträger verschiedener Motive und Farbvarianten, die sich der jeweiligen Stimmung anpassen. Das Kochen wird so in sinnlich erfahrbare Erlebnisse eingebettet.


Organische Kochbegleiter verschmelzen High­tech und Kunst zu Kochevents. Koch- und Kunstgenuss bewirken symbiotisch, dass das Leben und der Ausdruck wieder im Mittelpunkt stehen. „Kunststück“ von Melisande Seebald ist in jeder Hinsicht innovativ, sogar visionär, in jedem Fall originell und inspirierend.


Über den Herd gefragt: Melisande Seebald


Wen haben Sie beim Entwerfen als Nutzer Ihrer Küche vor sich gesehen?

Junge, dynamische Menschen, die wegwollen von Standards und das Besondere suchen.


Was hat Ihre Küche, was andere nicht haben?

Sie ist nicht auf den ersten Blick als Küche zu erkennen.


Was kochen Sie selbst am liebsten?

Allgäuer Kässpätzle.


Woran denken Sie bei „deutsche Küche"?

An einen Ort, wo man sich trifft, gemeinsam isst und die Zeit vergisst.


Leidenschaft Küche


Gespräch mit Ernst-Martin Schaible, geschäftsführender Gesellschafter DER KREIS und Auslober des Wettbewerbs „Die Küche im Mittelpunkt des Lebens“

Vor 30 Jahren haben Sie DER KREIS als mittelständischen Küchenverbund gegründet. Ahnten Sie damals, dass sich die Küche als Tempel der Genüsse unentbehrlich machen würde?

Ernst-Martin Schaible: Gewusst habe ich es nicht, aber darauf hingearbeitet. Zu unserem Verbund gehören heute 2.100 Mit­glieder in acht europäischen Ländern. Das ist geballte Kompetenz der Branchenbes­ten, Leidenschaft, Freude an Visionen. Wir Küchenspezialis­ten haben in?Zusammenarbeit mit der Indus­trie das Design der modernen Küche maßgeb­lich beeinflusst.


Sie wollen Ihren Vorsprung wahren – deshalb der studentische Wettbewerb?

Ernst-Martin Schaible: Auch das. Gute Kü­chenplanung ist allerdings für uns heute schon mehr als ein Zusammenfügen von Möbeln und Tech­nik zu einer Werkstatt. Kochen und Essen sind emotionale Vorgänge, die Küche liefert dafür die Bühne, auf der die Akteure ihr Stück spielen. Und sie ist selbst Sinnes­eindruck: Licht, Akustik, Feeling, Geruch, Geschmack ermöglichen ein Sinnesrauschen, das die Lust auf Küche steigert. Diese Lust auf einen Trend zu reduzieren, wäre falsch, wie uns die Studenten mit ihren Entwürfen bestätigen. Küche ist kein Trend, sie ist Lebens­einstellung.


Was verlangen Sie von einer guten Küche?

Ernst-Martin Schaible: Qualität, Dauerhaftigkeit, Ehrlichkeit. Wer eine Küche plant, muss sich mit ihren technischen und ästhetischen Möglichkeiten auseinandersetzen, aber ebenso mit ihren sozialen Vernetzungen. Mit diesen Ansprüchen ist man bei einem Küchenspezialis­­ten bestens aufgehoben.


3. Preis: Freischwinger


Begründung der Jury

Fragesteller war DER KREIS, der sich vor 30 Jahren als europaweiter Verbund von Küchenspezialisten gegründet hat und mit seinem Jubiläum nicht den Blick zurück, sondern vor allem nach vorn richtet. Eine Jury, unter anderem mit den Auslobern des Wettbewerbs – Ernst-Martin Schaible, geschäftsführender Gesellschafter DER KREIS, und Prof. Rudolf Schricker, Präsident des Bundes Deutscher Innenarchitekten –, hat die Preisträger gekürt. Hier sind die Drei vom Siegertreppchen.


Der Entwurf „Freischwinger“ besticht durch Multifunktionalität und Flexibilität, die zu neuen Koch- und Esserlebnissen einladen. Die essenziellen Elemente des Kochens – Hitze, Wasser, Luft und Kälte – sind modular entwickelt und individuell einsetzbar. Herzstück ist ein Multifunktions-Tischelement und das darüber schwebende Raumbelüftungssystem, das auch für Licht- und Soundinszenierungen dient.


Das durch weitere Funktionsmodule angereicherte Gesamtensemble lässt völlig neue und überraschende Erlebnisse zu. Diese emotionalen Aspekte leisten einen wesentlichen Beitrag, Küche und Kochen wieder in den Mittelpunkt des Alltags zu rücken. Nebenbei gehen Technik und Design einen überzeugenden Verbund ein und dokumentieren die hohe ästhetische Qualität des „frei Schwingens“.


Über den Herd gefragt: Philipp Körner


Wen haben Sie beim Entwerfen als Nutzer Ihrer Küche vor sich gesehen?

Mich in naher Zukunft. Ich koche gern in wohnlichem Ambiente mit Freunden, esse dann mit ihnen in großer Runde und nutze zu noch späterer Stunde die Küche auch gerne mal als Bar und Tanzfläche. Durch seine Funktionalität und Wandelbarkeit ist mein Entwurf jedoch für viele Leute interessant.

Was hat Ihre Küche, was andere nicht haben?

Zunächst einmal einen Tellerlüster, der interaktiv einen beziehungsweise keinen Schatten auf die besetzten Plätze des Tisches wirft. Also dort, wo jemand sitzt und einen Teller vor sich hat, wird der Platz zugleich stärker beleuchtet, da ja der Teller im Lüster fehlt.

Außerdem ist sie durch den „Mehrere-Generationen-Tisch“ und ihren modularen Aufbau sehr wandlungsfähig und repräsentiert bis auf Schlaf- und Badezimmer wohl jeden Raum einer Wohnung: Sie ist zugleich Küche, Esszimmer, Wohnzimmer, Lounge und Partykeller.


Was kochen Sie selbst am liebsten?

Ich mag internationale Gerichte, die ja dank Internet inzwischen für jedermann leicht nachkochbar sind. Deshalb habe ich auch einen Flatscreen mit Internetzugang in meine Kü­che integriert.


Woran denken Sie bei „deutsche Küche"?

An ein uriges Res­­­tau­­rant in der Fränkischen Schweiz mit einer kleinen ausgewählten Speisekarte, niedrigen Preisen, gro­­ßen Portionen, einer funktionalen Kü­­che und einem gemütlichen Wirt.


„Freischwinger“ von Philipp Körner ist eine originelle, verblüffende Idee, design- und technikorientierten Menschen wieder die Lust am Kochen zu vermitteln.


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