Vom Möbeldesign zum Wohnstil – Aufwertung simpler Gegenstände zu Klassikern

Bild: sea travel styled shabby chic interior corner © ulianna19970

Wie sich jemand sein Zuhause mit Möbeln und Wohnaccessoires gestaltet, ist weitgehend individuelle Geschmacksfrage. Und dennoch verbinden sich hier gleich mehrere Ansprüche, denen Tisch, Bett und Schrank, manchmal sogar Leuchte und Küche, gerecht werden müssen. Wer nicht nur gemütlich oder behaglich wohnen, sondern damit auch seine Persönlichkeit ausdrücken möchte, greift vermehrt zu sogenannten Designklassikern. Doch wie entstehen diese und was macht sie genau aus?

Modernes Wohndesign mit langer Geschichte

Manchmal definiert sich der Wohnstil schon daran, dass man eine bestimmte Immobilienform wählt. Während Reihenhaus, Bungalow und Dreizimmerwohnung eher klassisch sind, gibt es hochmondäne Loft- oder Maisonette-Wohnungen, die schon für sich eine besondere Atmosphäre des modernen Wohndesigns ausstrahlen. Dabei hat dieser Begriff eine lange Tradition und kann sogar auf eine internationale Prägung zurückblicken. Immerhin waren es um 1900 sogenannte Werkstätten, die nach englischem Vorbild das Wohnen durch neue, durchwegs einfach gestaltete Einrichtungsgegenstände neu definieren wollten. Bekannt in Deutschland ist vor allem die Künstlergruppe „Die Brücke“, die im Raum Dresden durch Richard Riemerschmid geprägt wurde. Er designet die schlichten Maschinenmöbel, die nicht nur ein Paradebeispiel für die Kombination aus Kunst und Industrieproduktion darstellten, sondern auch ein Verkaufsschlager wurden.

„Neues Wohnen made in Germany“

Die Ideen aus deutscher Designschmiede traten schon bald einen Siegeszug in fremde Länder an, wobei neben der genannten Dresdner Schule vor allem

- die Kölner Werkstätten

- der Deutsche Werkbund

- Peter Behrens

sich einen Namen machten. Letzterer wurde sogar künstlerischer Beirat der Elektrofirma AEG und machte sich als Designer von Küchen- und Haushaltsgeräten einen Namen, deren Funktionalität und Erscheinungsbild in einem komplett neuen Außendesign umgesetzt wurde. Allgemein gelten diese heute als erstes Beispiel einer modernen und vor allem gelungenen Corporate Identity.



Aus der englischen Art „Arts and Crafts“ Bewegung bildete sich auch eine weitere wichtige Bewegung in Deutschland, die den allgemeinen Wohndesign Begriff prägte. Die Rede ist vom sogenannten Bauhaus-Stil, der dazu verwendet wurde, alltägliche Produkte durch individuelle Produktformung so zu verschönern, dass sie zum Designobjekt wurden. Dieses Gedankengut übernahm über kurz oder lang auch die fortschreitende Industrialisierung, die die Vorteile künstlerischer Ausgestaltung von Alltagsgegenständen für das Wohnen erkannte und zu ihrem Hauptmotto machte. Damit ist aber auch gleichzeitig der Anspruch klar, den modernes Wohndesign heutzutage hat. Denn es geht im Wesentlichen darum, dass Design als Kunst angesehen wird, die sich nützlich macht. Während hier also der praktische Nutzen eines geformten Gegenstands im Vordergrund steht, muss reine Kunst keine Funktionalität haben. Hier stehen die Anregung der Phantasie und der reine künstlerische Gedanke im Focus der Aufmerksamkeit. Über diesen spannenden Unterschied zwischen Kunst und Design hat auch Rene Haas einen gelungenen Artikel verfasst.

Generell betrachten viele Designer ihre Arbeit nicht nur als einfachen Beruf, sondern vielmehr als eigenständige Art zu denken. Im Depot Basel haben sich die Verantwortlichen beispielsweise die Frage nach der Motivation der Designer gestellt und dafür eine eigenständige Ausstellung entwickelt. Unter dem Titel „Forum für eine Haltung“ wird besprochen, wie die Ziele und die Motivation eines Designers aussehen, warum Design überhaupt so begeistert und wie das individuelle Designverständnis zustande kommt. Werke von insgesamt 24 zeitgenössischen Künstlern werden zu diesem Zweck ausgestellt, ergänzt wird die Ausstellung außerdem durch insgesamt fünf Foren, in denen jeweils eigene Themen diskutiert und Ideen ausgetauscht werden können. Ein Interview mit der Kuratorin Matylda Krzykowski auf smow.de gibt noch weitere interessante Einblicke.



Vom Wohndesign zum Einrichtungsstil

Seit jeher legen Menschen viel Wert darauf, wie sie wohnen. Und der Einfluss bestimmter kultureller Entwicklungen ist ebenfalls nicht zu verleugnen. Aus diesen beiden Ansprüchen haben sich die unterschiedlichen Wohnstile entwickelt, die zum einen Ausdruck des persönlichen Lebensgefühls sind, zum anderen meist auch typisch funktionalen Charakter haben. Wer sich zum Beispiel den maritimen Einrichtungsstil ansieht, der vor allem aus

- kalkweißen Wänden

- Steinfliesen

- typischen Rot- oder Brauntönen an den Wänden

- Steingut und Marmor im Küchen- und Sanitärbereich

- Jalousien und Balken an Fenstern und Türen

besteht, der erkennt, dass damit den klimatischen Verhältnissen im Süden Rechnung getragen wird. Da es hier meist hohe Temperaturen hat, muss es im Zuhause möglichst kühl sein. Das erklärt die kühlen Materialien sowie die hellen bzw. weißen Farben, die keine Wärme speichern. Ganz anders verläuft es beim skandinavischen Wohnstil, der gerade in Deutschland sehr beliebt ist. Hier findet man

- helle Möbel

- große Fensterflächen, die viel Licht in die Räume bringen

- große Teppiche und warme Wolldecken

- blaue und weiße Wohnaccessoires, vor allem Kissen, Decken und Plaids

- offene Kamine oder Kachelöfen mitten in den Wohnräumen

- florale Muster

die die Wohnverhältnisse hoch oben im Norden wieder spiegeln. Denn wo die Sonne lange Zeit nicht scheint und die Temperaturen eher im unteren Bereich angesiedelt sind, kommt dem Gemütlichkeitsfaktor eine wesentliche Rolle zu. Deshalb gibt es hier viele hellen Farben und Wohnbereiche, die lichtdurchflutet sind. Warmhaltende Wohnaccessoires sind nicht nur optisch ein Highlight, sondern gewährleisten eine gemütliche Atmosphäre an langen kalten Winterabenden. Wer mehr über diesen Stil erfahren möchte, der findet eine detaillierte Übersicht mit allen wichtigen Merkmalen bei www.schoener-wohnen.de.



Aus Alt mach Neu

Was sich derzeit in vielen Wohnzimmern wiederfindet, sind Einrichtungsgegenstände, die Vergangenes mit Modernem kombinieren. Die Rede ist vom sogenannten Shabby Chick, der ein bisschen Flair aus alten Zeiten wieder Tageslicht tauglich werden lässt. Eine alte Kommode, deren Gebrauchsspuren man ihr ansieht, macht sich hervorragend zu einer modernen Ledercouch, die gleichzeitig als Schlafstätte fungiert. Oder aber Großmutters alte Truhe ist der optimale Abstellplatz für den neuen Hightech-Flachbildschirm.

Dabei müssen – geht es nach dem modernen Möbeldesign – die Stücke gar nicht tatsächlich alt sein, denn es gibt hervorragende Methoden, Möbel auf alt zu trimmen ohne ihre Funktionalität einzuschränken oder ihren Zustand zu verschlechtern. Und wer sich dennoch richtigen Shabby Chic in seine Wohnräume holen möchte, kann sich auf den örtlichen Flohmärkten umsehen. Dort ist mit Sicherheit das eine oder andere Designstück versteckt.

Design ist Ausdruck der Persönlichkeit

So sehr ein bestimmter Einrichtungsgegenstand oder die komplette Möblierung echtes und vor allem namhaftes Design sein kann – wie jemand wohnt, ist immer auch Ausdruck der eigenen Persönlichkeit. Dies repräsentiert er am besten in der Gestaltung mit Farben und Accessoires, wobei hier echte moderne Designerstücke natürlich für den optischen Effekt sorgen. Ein perfektes Beispiel für ein Stück, das immer wieder mit modernem Design umgesetzt wird, ist der simple Zeitungsständer. Manche Stücke – kreativ geformt und aus außergewöhnlichem Material – sind echte Kunstwerke, doch da der Nutzen quasi im Namen liegt, sind es einfache Designobjekte. Die Funktionalität ist ungebrochen, egal wie futuristisch oder extravagant das Modell ausgeführt und gearbeitet ist.

Es ist eine Designfrage, welches Material und welche Formen für ein Möbelstück verwendet werden. Doch der Konsument, der es kauft und in sein Wohnzimmer stellt, macht es zum gefragten Objekt. Man erinnere sich nur an die berühmten Nierentische in knalligen Farben oder aber die Kunststoffstühle in Grellorange, die der Einrichtungsstil der 70er Jahre in die Wohn- und Esszimmer der heutigen Elterngeneration gebracht hat. In der damaligen Zeit weitgehend einfach funktional im Wohnzimmer verwendet, sind sie heute echte Designstücke und können modernes Wohndesign erst so richtig perfekt machen. Das Bewusstsein dafür wurde erst Jahre nach der Produktion dieser einzigartigen Möbel geschaffen und ist bis heute aktuell.


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