Wohnen wie die Kennedys
Der Ostküstenstil, in dem sich Meer, Ungezwungenheit und Lebensfreude vereinen, übt seine Strahlkraft bis in unsere...

Steht Mailand selbst doch bereits für Eleganz, Chic, Mode und Trends, waren die Erwartungen der über 358.000 Besucher an die Parade unter den Möbelmessen entsprechend hoch. Kaum ein Aussteller wagte es deshalb, ohne Neuheiten, einen spektakulären Showroom oder einen namhaften Designer in die italienische Metropole zu kommen: Andree Putman, Konstantin Grics, Patricia Urquiola, Arne Quinze, Ross Lovegrove, Tokujin Yoshioka – die Aufstellung liest sich wie die Hautevolee der Branche.
Eines vorweg: Nicht alles, was die 2.450 Aussteller aus 140 Nationen präsentierten, waren auch echte Neuigkeiten. Teile der „Crystal Virus“-Kollektion von Pieke Bergmann etwa gab es bereits im Vorjahr zu bestaunen, was ihrer Schönheit aber keinen Abbruch tat.
Vielerorts nutzten die Aussteller das Mailänder Forum für Rückblenden. Anlässlich des 40. Jahrestages des Sitzsacks „Sacco“ würdigte Zanotta beispielsweise das einstige Hippie-Möbel mit Modellen aus Haute-Couture-Stoffen.
Doch immer stimmte die Kulisse, in der die Produkte und die Markenidentität der Möbelmacher präsentiert wurden. Sie schienen keine Kosten für die Erstellung inspirierender Orte der Präsentation zu scheuen. Und kaum einer von ihnen verzichtete dabei auf einen Fingerzeig Richtung Umweltschutz undNachhaltigkeit. Patrick Blancs „Hängender Garten“ für Trussardi war beeindruckender Beweis für das grüne Gewissen der Branche.
Zudem sollten wetterfeste Kollektionen das naturnahe, Lebensgefühl symbolisieren, ebenso wie die vielfach organische Formensprache sich an Motiven wie Blumen oder Blättern orientierte. Noch ein nicht ganz neuer Trend: die Besinnung auf traditionelle Handwerkskunst in Kombination mit modernen Akzenten. Wer letztlich die Nase vorn hatte und was es in Mailand wirklich Neues gab – das hat für uns dopo domani-Geschäftsführer Arno Schneider herausgefunden.
Die bunteste Kollektion auf dem „Salone del Mobile“ präsentierte eindeutig die Firma Mooi aus Breda in den Niederlanden“, befindet Arno Schneider. „Die Einflüsse des Delfter Porzellans in Vasen und Schalen, bunte und schrille Teppichbeläge, die mit passenden Tapeten kombiniert wurden, und dazu wirklich schräge Leuchten aus Häkelgarn waren ein perfektes Konzept.“
Mithalten konnten in Sachen Kreativität die Macher hinter Droog Design. „Neben Pieke Bergmanns ,Crystal Virus‘-Kollektion präsentierten sich die Holländer mit abgefahrenen Entwürfen wie dem ,Cosy Chair‘ von SMAQ. Die Liege erinnerte an die Rohre einer Fußbodenheizung“, so der Berliner Wohnexperte.
Verrückt und emotional schien eh das Stichwort der Messe, so sein Eindruck. „Der Moroso Showroom ,A little Garden of Love‘ inszenierte beeindruckend die neuen Gartenmöbel der Italiener.“ Doch bei aller Begeisterung für das Besondere gab es auch genug „Tragbares“ in Italien. „Die besten Entwicklungen zeigte Porro. Die Möbel zeichnen sich durch ihre moderne Zurückhaltung aus“, urteilt der Trendscout. Klassiker des Designs präsentierte wie selbstverständlich auch Vitra Design. Arno Schneider: „Jasper Morrison stellte gleich drei Neuheiten vor: den ,Basel Chair‘, die ,Place Sofa Family‘ und den Sessel ,Monopod‘. Wie zu erwarten, ist die Formensprache der Möbel klar, schlicht und elegant.“
Ein Ärgernis gab‘s doch: „Für den ,Chest of drawers XS‘ von Tejo Remy, ein bunter Stapel Schubladen, hätte man 70.000 Euro hinblättern müssen. Da fragt man sich schon, wo das hinführen soll...“