Tapeten und Möbel: Tolles Team

Crushed-Optik

Bambus oder Blüten, Swarovski-Steine oder Biedermeier-Streifen – es gibt nichts an Tapetendekors, das es nicht gibt. Gut ausgesucht kann die Wandbekleidung ein fast schon symbiotisches Leben mit dem Interieur führen.

“Sparsam sein“, lautet das Motto von Marianne Gollub. Wenn die Innenarchitektin und Designerin Mobiliar und Wände in Einklang bringt, gilt der Grundsatz der Zurückhaltung. „Ist das Sofa gemustert oder hat es eine auffällige Farbe, sollte die Tapete dahinter Ruhe ausstrahlen und dezent im Hintergrund bleiben“, so eine ihrer fundamentalen Gestaltungsthesen.


Harmonie im Raum


Wichtig, wie bei jedem Arrangement, ist die Harmonie im Raum. Auch wenn man sich in die Designertapete mit den grafischen Mustern verliebt hat – zur Inneneinrichtung im Landhausstil wird die Wandbekleidung nicht passen. So wie auch die Tapete mit klassischem Biedermeier-Streifen-Dekor kaum die Einrichtung aus Fichtenholz-Möbeln zur Geltung bringt. „Auf der anderen Seite lässt sich durch eine stilsichere Tapete der Charakter der Einrichtung und des Raumes betonen“, weiß Marianne Gollub. Denn mittlerweile ist die Tapete nicht mehr nur ein Stück Papier, mit dem man die kahlen Wände bedeckt. Es sind übergroße Gemälde. „Sie dienen im Raum als Orientierunghilfe, gliedern große Zimmer in verschiedene Bereiche, setzen bewusst Akzente oder erzeugen Stimmungen in der Wohnung“, so die Berlinerin.


Gut fotografiert und Szene gesetzt


Da gelangt selbst die mit dem Charme des Partykellers gebrandmarkte Bildtapete zu einem positiven Image. Gut fotografiert und in Szene gesetzt, kann die Fototapete nämlich zu einem Bildobjekt im Raum mutieren. So wie im Schlafzimmer einer Kundin von Marianne Gollub: Dort prangt eine überdimensionale Pusteblume zwischen zwei bodentiefen Fenstern, und zwar bis zur Decke hoch. Der Rest des Raumes unterwirft sich dem Grün und Weiß der abgebildeten Pflanze. „Kein Möbelstück, kein Accessoire, nicht mal eine Pflanze im Raum lenkt von ihr ab“, sagt die Innenarchitektin. Wichtig auch: Das Objekt muss man mit genügend Abstand betrachten können. „Ist das Zimmer zu klein, wirkt das Abgebildete schnell wieder billig.“


Farb-Hingucker richtig plaziert


Verliebt in eine Tapete, doch die ganze Wand in diesem Dekor ist zu viel des Guten? „Dann behandeln Sie das Wandkleid wie ein Kunstwerk“, rät die Designerin. „Tapezieren Sie eine Senkrechte, etwa den Kaminvorsprung oder eine Waagerechte, wie einen Streifen über dem Sofa mit dem Muster. Oder Sie gönnen sich eine Vorwandkonstruktion, die in das Design gehüllt und entsprechend beleuchtet wird. Richtig dosiert, setzen kräftige Farbtapeten und auch Muster-Wandkleider tolle Akzente. Die Kunst, einen solchen Farb-Hingucker so zu platzieren, dass er den Raum schmückt und nicht erschlägt, gehört zur großen Kür. „Das setzt eine klare Gliederung des Raums voraus“, weist Marianne Gollub hin. „Hier in der Kuschelecke die gecrashte Goldtapete, da am Esszimmertisch die orange Vlieswand. Dazwischen ist dann in jedem Fall jede Menge warmes Weiß nötig – das bringt Ruhe und zugleich die Farben schön zum Leuchten.


Kräftige Muster wie Rosen oder Streifen wirken eh am besten als sparsamer Schmuck, zum Beispiel wenn sie nur an einer Wand angebracht sind. Marianne Gollub: „Noch schöner und gewollt gestylt sieht die Fläche aus, wenn das Muster in einem Accessoire wieder aufgenommen wird.“ Kissenbezüge im gleichen Dessin oder Lampenschirme im gleichen Grundton machen Mobiliar und Wand zu einem tollen Team.


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