Sozial & sexy

Öko ist chic, Öko ist Trend. „Nachhaltige Möbel werden immer stärker nachgefragt“, sagt auch Reinhard Kepplin­ger, Ge­schäftsführer des Möbelversand­hau­ses Grü­ne Erde.

Der Biotrend hat die Möbelbranche erfasst. Kokos-Matratzen, Jute-Teppiche, Kirsch­holz-Garderoben – immer mehr Designer und Hersteller setzen auf Naturmaterialien und Nachhaltig­keit, verbinden Design mit sozialer Verant­wortung. Mit dem Müsli-Image haben sie allerdings nichts mehr am Hut.

Öko ist chic, Öko ist Trend. „Nachhaltige Möbel werden immer stärker nachgefragt“, sagt auch Reinhard Kepplin­ger, Ge­schäftsführer des Möbelversand­hau­ses Grü­ne Erde. „Im Zuge der Globalisierung ha­ben viele eine größere Sensibilität für um­welt­­freundlich produzierte Möbel entwi­ckelt.“


Nachgefragt würden sie mittlerweile von allen Altersgruppen, ob Singles unter 30 oder ältere Paare. Reinhard Kepp­linger: „Unsere Kunden sind eine ziemlich bunt ge­­mischte Gruppe, über die man statistisch lediglich sagen kann, dass sie ein höheres Bildungs-, aber kein höheres Einkommensni­veau als der Bevölkerungs­durch­schnitt haben. Sie sind Anfang 30 bis Ende 50 und müssen auf größere Anschaf­fungen bei uns auch durchaus einmal sparen.“


„Öko ist nicht zwangsweise plump, grob, un­gehobelt“, bestätigt auch Reinhard Kepp­lin­ger. Zugegebenermaßen machen die spezifischen Eigenschaften von Materi­alien wie Voll­holz, Naturkautschuk oder Schafschur­wolle sowie die technischen Grenzen der Pro­duk­tion klare Vorgaben und lassen bei Weitem nicht so viele Formen zu wie etwa plastische Kunststoffe oder Metalle. Doch ist eben dies für viele renommierte Designer wie etwa Tom Dixon ein Ansporn, nach neuen Wegen zu suchen. Dixon kam so auf die Idee, einen Stahlrohr­freischwinger mit Binsen zu beziehen. Bambus hat die grüne Welle zu neuer Po­pularität verholfen. Schnell nachwachsend, ökologisch unbedenklich und extrem langlebig, findet das Material sich zum Beispiel als Parkett auf unseren Böden wieder, steht als Brotkorb, Vase oder Tablett auf unseren Ti­schen. Sogar Laptops machen sich das smarte Material und seinen guten Ruf zunutze.


Auch dem Architekten-Team Ute Ziegler und Markus Schell hat es der Bambus angetan. Sie produzieren Serienmöbel und Sonder­an­­fertigungen etwa für Objekte wie ein Res­tau­rant daraus. Die große Her­aus­for­derung für die Macher hinter der Ge­sell­schaft für bessere Möbel: Die Entwicklung von Produk­ten, die keine oder nur mini­male Auswirkun­gen auf die Umwelt ha­ben. Der Natur verpflichtete Designer wie die beiden Ber­liner fragen sich darum schon bei dem Ent­wurf eines simplen Beistelltischchens: Wo liegt der Wald, aus dem das Holz stammt? Wer holzt es ab? Wie lange braucht das Material zum Ver­ar­bei­tungsort? Wohin mit dem Tisch, wenn er nicht mehr gebraucht wird?


Worauf kommt es also an? „Umwelt­freund­lichkeit fängt damit an, dass man keine Mö­bel produziert, die nach drei Jahren weggeschmis­sen werden“, sagt Reinhard Kepp­ling­er. Wenn dann dem Verbraucher noch eine transparente Ökobilanz über die Ent­­­stehung des Möbelstücks vorgelegt wird, kann dieser eine bewusste Entscheidung treffen. Behalten die Trend­forscher recht, wird dies für die Hersteller bald zur Pflicht. Denn Öko ist schon lange kein Luxus mehr.


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