Küchentechnik: Naturschutzgebiet rund um den Herd
Bisher haben sich Hausgeräte damit begnügt, einen Energieeffizienz- und Sparsamkeitsrekord nach dem anderen zu...

Das Wesentliche zählt. Davon ist Christl Rambach tief im Innern überzeugt. Die Philosophie der Chefin von inarc Küchentechnik + Design in Fürth klingt in einer Zeit, in der sich viele Mitmenschen dem rauschhaften Sammeln und Anhäufen von Dingen verschrieben haben, wohltuend souverän: „In einer Küche das weglassen, was wegzulassen ist, ohne die Funktion zu beeinträchtigen“, lautet der Leitspruch der 51-Jährigen, die in diesem Jahr mit ihrem sechsköpfigen Team aus Innenarchitekten und einem Schreiner gleich zwei Jubiläen feiert: Vor 20 Jahren eröffnete sie ihr eigenes Küchenstudio, in dem sie sich bis heute auf 150 Quadratmetern der reduzierten Formensprache von Bulthaup-Küchen verschrieben hat. Und seit gleichfalls 20 Jahren ist Christl Rambach Mitglied im Küchenverbund DER KREIS, der für sie vor allem Ansprechpartner ist bei wirtschaftlichen Fragen.
Die Küche als Mittelpunkt des Lebens fasziniert Christl Rambach schon seit ihren Studientagen: Die Innenarchitektin wollte damals einen Raum realisieren, der sich in das Wohnumfeld integriert, anstatt sich in den Vordergrund zu drängen. Zudem sollte er den hohen Ansprüchen modernen Lebens gewachsen sein. Schnelllebige Trends? Nicht ihr Ding: „Eine Küche soll lange Teil von mir und meinem Leben sein dürfen“, sagt sie, die die Planung einer Küche stets als Projekt versteht, das ein geschmeidiges Zusammenspiel von Materialien, Farben, Licht, Lebensgewohnheiten im Blick hat und immer auch den Raum: „Eine Küche von der Stange vermag das nicht.“ Nur konsequent, dass Christl Rambach bei ihren persönlichen Küchentrends 2009 auf Zeitloses setzt – bei Farben ebenso wie in der Formensprache.
Wohnen als Einheit
„Homogen“ heißt ein Gestaltungsanspruch. Offenes Wohnen ohne Wände und Übergänge setzt sich immer häufiger auch bei der Küchenplanung durch. Küche und Wohnbereich verzahnen sich stärker über Materialwahl und Formgebung. Egal, ob in Familien, bei kinderlosen Paaren oder Singles: Der Beruf gibt meist den Takt vor. Da wird die Küche abends zur ersten Adresse, zum Stammtisch und Salon. Hier wird gewerkelt, geredet, zelebriert. „Viele Küchen sind so geplant, dass beim Kochen gegen die Wand geschaut wird – das Gegenteil von kommunikativ“, sagt Christl Rambach und schüttelt energisch den Kopf. Dabei ist es meist problemlos möglich, den Arbeitsplatz mit Blick in den Raum zu positionieren.
Homogenität spiegelt sich auch im Möbeldesign wider. Bestes Beispiel: Der Monoblock von Bulthaup ist aus einem Guss gestaltet. Ob in Edelstahl oder durchgefärbtem Laminat – die Arbeitsfläche, Seitenteile und Rückwand ähneln dem Aufbau eines Schuhkartons mit fugenloser Verbindung.
Glänzend in Form
Acryl oder hochglanzpolierter Lack, beides ist rechtens. Glänzende Fronten in reinem Weiß setzen in diesem Jahr den Trend in Richtung Zeitlosigkeit. Grau, Lehm oder Schwarz bilden adäquate Alternativen.
Holz an allen Fronten
Einen wunderbaren Kontrast zur Farbeinheit bietet weiterhin die Natur. Doch statt Tropenhölzern wird Hölzern aus Europa der Vorzug gegeben: Eiche und Nussbaum als Fronten oder Wandschränke sind wertige Ergänzungen zu Arbeitsflächen und Fronten aus Stahl, Stein, Laminat und Glas.
Und sie bestimmen fortan sogar maßgeblich die inneren Werte: Eiche und Nussbaum werden nicht auf Besteck- und Gewürzeinsätze begrenzt, sondern für das gesamte Innenleben der Schubladen verwendet: „Die Lust auf eine wohltuende Optik und Haptik zieht sich von außen nach innen“, beobachtet Christl Rambach: „Es soll Spaß machen, eine Schublade aufzuziehen.“
Technik bescheiden im Hintergrund
Besinnung aufs Wesentliche, Ruhe in die Küche einkehren zu lassen, sind für Christl Rambach Fixpunkte einer guten Planung. „Wenn eine Küche nicht auf den ersten Blick wie ein Arbeitsort aussieht, sondern sich erst durch die Mischbatterie und den Backofen zu erkennen gibt, dann bin ich zufrieden“, sagt sie und warnt vor einem Zuviel an Technik: „Sie muss die eigenen Lebensgewohnheiten auf höchstem Niveau unterstützen. Alles andere ist Überfluss.“ Und zur Schau stellen muss sich die Hightech unserer Zeit – Dampfgarer, Espressomaschine, Biofresh-Kühlschrank – auch nicht. Die Geräte dürfen ruhig hinter Fronten verschwinden, wenn sie nicht in Gebrauch sind.
Lieber Unter- statt Hängeschränke
Wer kennt sie nicht, die Angst vor zu wenig Stauraum? Christl Rambach lachend: „Die meisten haben doch zu viele Dinge gesammelt.“ Sie plädiert für eine vernünftige Menge an Geschirr und Zubehör: „Aussortieren kann befreien. Besser ein gutes Messer als fünf schlechte.“ Lässt die Küche es zu, würde sie Stauraum unter der Arbeitsfläche oder auf Augenhöhe bevorzugen. „Hängeschränke zerstören schnell die Wirkung eines Raumes.“
Auf Schatzsuche
Bevor Christl Rambach mit der konkreten Küchenplanung beginnt, schaut sie sich gern das Zuhause ihrer Kunden an: „Es geht nicht darum, meinen Geschmack aufzudrängen“, sagt sie und ermuntert zur persönlichen Note: „Ein Schrank lässt sich oft wunderbar in den Raum integrieren. Solche Erinnerungsstücke sind sinn- und emotionsstiftend.“ Und damit in der Küche am richtigen Ort.