Fleckenteufel – Was wirklich hilft
Das Leben mit Kindern ist lustig, abenteuerlich und oft ziemlich fleckig. Um den Aufkleber vom neuen Lacktisch zu...

Was halten Sie von der Ergonomen-These: Der beste Stuhl ist der, auf dem man gerade nicht sitzt?
Dr. Helmut Reinhardt: Gar nix. Wir brauchen ihn doch. Er ist unentbehrlich. Warum sollte ich auf meinen wichtigsten Mitarbeiter verzichten? Man muss ihn nur sorgfältig auswählen.
Für Angestellte sucht der Arbeitgeber den Bürostuhl aus, nur wer sein eigener Büro-Herr ist, kann selbstbestimmt entscheiden.
Dr. Helmut Reinhardt: Mein Körper gehört mir. Ich bringe ihn samt Kopf mit und stelle ihn in den Dienst der Firma. Da darf ich meinem Chef doch mindestens einen Vorschlag machen, auf welchem Sitzwerkzeug ich am meisten leiste, ohne dass mir irgendwann die Bandscheiben rausfallen. Für mich als Chef in meinem heimischen Büro sollte natürlich ebenfalls gelten: das Beste für meine Konstitution.
Was ist das eigentliche Problem?
Dr. Helmut Reinhardt: Die starren Stühle. Sie wirken wie Lustbremsen auf den lebendigen Körper. Wenn ich dann noch wie gebannt vor dem Bildschirm sitze, erleide ich quasi täglich einen Probetod. Stillsitzen macht doof und krank. Wir müssen uns in Bewegung setzen, um gesund zu bleiben. Aus einem einfachen Grund: Der Bauplan des Menschen ist zum Laufen konzipiert. Wir sollten ursprüglich jagen, bevor wir essen durften. Wenn ich den zum Laufen geschaffenen Körper zum Sitzen benutze, dann muss ich quasi auch im Sitzen laufen. Oder?
Das klingt ziemlich merkwürdig.
Dr. Helmut Reinhardt: Laufen ist eine fußgesteuerte Bewegung. Die Last wird von den Beinen getragen, und die bewegten Füße betreiben ständig die Wadenpumpe, die das Blut in den Umlauf bringt. Wir brauchen die Bewegung, die von den Füßen ausgeht, vor allem um den ganzen Körper auch im Sitzen ausreichend mit Blut und Sauerstoff zu versorgen. Die Biologie muss ständig bedient werden. Das lässt sich nicht beim abendlichen Joggen nachholen.
Aber wie laufe ich im Sitzen?
Dr. Helmut Reinhardt: Indem Sie sich auf einen Stuhl setzen, der wie ein Bewegungshelfer wirkt. Wie ein Animateur, der Sie zu Bewegung verführt, auch wenn Sie konzentriert arbeiten und sich deshalb bewusst gar nicht bewegen können. Konzentrierte Arbeit und bewusste Bewegung schließen sich grundsätzlich aus. Deshalb müssen auch alle Appelle, sich am Schreibtisch mehr zu bewegen, ins Leere laufen. Sie brauchen sozusagen einen Körperversteher, einen körpergerechten Stuhl.
Woran erkenne ich den? Es gibt doch eine unüberschaubare Fülle von Normen und Stühlen, die sich ergonomisch nennen?
Dr. Helmut Reinhardt: Wer hier nach technischen Normen sucht, sucht an der falschen Stelle. Stühle, die nur den ergonomischen Vor-schriften folgen, sind im Grunde für Crash-Test-Dummies gebaut. Körpergerecht sind Stühle, die wie der Mensch gebaut sind. Sie ermöglichen das „füßische Sitzen“: Sie machen die Füße als Lastträger und Beweger des Körpers wieder notwendig. Was die Füße tragen, muss der Rücken nicht erleiden. Alle Bewegung geht von den Füßen aus, auch beim körpergerechten Sitzen.
Ein körpergerechter Stuhl unterstützt also das dynamische Sitzen. Statt einer starren Sitzfläche hat ein bio-dynamischer Stuhl nicht nur eine Rückenlehne, die sich bewegen kann, sondern auch eine bewegliche Sitzfläche.
Können Sie das Prinzip an einem Beispiel erklären?
Dr. Helmut Reinhardt: Ein besonders leistungsstarkes Produkt ist das BIOSWING-Gesundheits-Sitzsystem. Denn bei einem BIOSWING bewegt sich die Sitzfläche horizontal in alle Richtungen. Und zwar mit der Intensität, die jeweils vom darauf sitzenden Körper ausgeht. Eine bestimmte Sitzhaltung ist gar nicht mehr möglich, es ist immer alles in Bewegung. Das ist ein unvergleichliches Sitzgefühl – als obsde schwebst! Das muss man einfach mal ausprobieren. An den Musterarbeitsplätzen bei „ERGO Kontor - Studio für gesundes Sitzen“ kann man sich beraten lassen und verschiedene Stühle testen. Denn es gibt keinen Stuhl, der für alle gleichermaßen passt. Es nützt nichts, mit Maßtabellen und Vorschriften zu hantieren, wie es manchmal unter der Überschrift „Arbeitsplatzergonomie“ geschieht. Normen sind wichtig. Noch wichtiger ist die Wahrnehmung. Und die ist halt bei jedem Menschen und in jeder Arbeitssituation anders. Wer gut sitzen will, muss fühlen.
Den perfekten Stuhl für alle gibt es also nicht?
Dr. Helmut Reinhardt: Nein. Aber wir haben aus dem gewaltigen Angebot an so genannten ergonomischen Stühlen im Wesentlichen fünf Bewegungssysteme ausgewählt, die auf unterschiedliche Weise herausragende dynamische Eigenschaften aufweisen. Zum Beispiel frei schwingende Stühle mit geteilter, flexibel anpassbarer Rückenlehne. Wer empfindliche Stellen im Rücken hat, wird die Sanftheit dieser Stühle schätzen. Oder Stühle mit einer Glide-Tech-Mechanik, einem Schiebesitz, der das „Lümmeln“ ebenso zulässt wie das konzentrierte Aufrechtsitzen. Oder den Sattelstuhl zum Steh-Sitzen