Wo kaufen wir denn hin?
Ach, wir sind schwach, wir Käufer. Anfällig für Träume, Wünsche – und gute Gelegenheiten.

Im Mittelalter ging es weitaus pragmatischer zu. In der Fastenzeit wurden die Hennen, vom Frühling inspiriert, besonders legefreudig. Die Grundherren führten den Eierzins ein und schöpften den Überschuss, als „Zehnt“ legitimiert, bei den fastenden Bauern ab. Beim Fasten verzichtete man auf tierische Produkte, die Rückkehr der Eier auf dem Speiseplan wurde zu Ostern gebührend gefeiert und zum Synonym für das Ende der Abstinenz. Künstlerisch veredelt, verschenkte man sie gern. Pflegen wir den schönen Brauch!
Rote Eier in Griechenland – „christós Anésti“!
Ostern ist für die Griechen ein ganz besonderes Fest. Das dreitägige kirchliche Zeremo- niell steckt voller bildhafter Handlungen. Die roten Eier stehen für das Blut Jesu. Um Mitternacht halten die Menschen nach alter Sitte die gesegneten Eier in den Händen und stoßen sie gegeneinander, um durch das Brechen die Auferstehung christi zu symbolisieren. Das Ei wird bis zum nächsten Jahr aufbewahrt.
Gab es die Frühlingsgöttin Osteria wirklich?
Ostaria passte ins Bild der Romantik, dennoch war sie eine Erfindung des angelsäch- sischen Mönchs und Kirchenhistorikers Beda. Kein geringerer als Jacob Grimm be- diente mit der Verbreitung der Beda-These die Sehnsucht nach einer germanischen Religion. Eine wissenschaftlich angezweifelte Göttin, die ihre Unsterblichkeit eben dieser Diskussion verdankt.
Kolorieren mit der Natur
Vorab: Weiße Eier nehmen die Farbe besser an als braune. Die Eier vor dem Färben gründlich waschen. Färben: Die Natur-Zutaten werden in 1 Liter Wasser 10 bis 30 Minuten ausgekocht. Anschließend den Farbsud filtern, die Flüssigkeit erneut erhitzen und die Eier etwa 10 Minuten darin kochen. Damit sie rundum Farbe annehmen, immer wieder wenden. Falls sie zu blass scheinen, können die Eier nochmals 30 Minuten in die abgekühlte Flüssigkeit gegeben werden. Tipp für Ungeduldige, die sich außerdem gern überraschen lassen: Man kann die Eier auch sofort mit den Zutaten kochen. Wenn sie auf den Frucht- oder Pflanzenrückständen gewendet werden, bekommen sie zufällige Muster. Mit einer Prise Pottasche werden die Farbtöne intensiviert.
Sie entzückten die Romanows
1885 gab Zar Alexander III. beim Juwelier Fabergé ein Ei in Auftrag und begründete damit einen Brauch, der seitdem Adlige und Neureiche ins Schwärmen brachte. Der Verbleib von 42 Fabergé-Eiern ist bekannt. Die größte Sammlung kaiserlicher (9) und nicht kaiserlicher Eier (6) trug der amerikanische Verleger Malcolm Forbes zusammen, die Queen besitzt immerhin 3.
Und wer bringt die Ostereier?
In der Schweiz der Kuckuck, in Teilen von Westfalen der Osterfuchs, in Thüringen legt der Storch und in Böhmen der Hahn die Eier in die Nester. Über den Hasen als Lieferanten gibt es nur vage Vermutungen. Viele mittelalterliche Gemälde zeigen den Hasen als christliches Symbol der Auferstehung. In der Ikonographie der Spätantike versinnbildlicht er den schwachen Menschen, der Zuflucht (in christus) sucht.
Zweige, Heu, Hortensien und Kerzenlicht
Heurig: Einen vorgefertigten Kranz locker mit Heu und Bindedraht umwickeln. Kleine Wachteleier mit der Klebepistole darauf befestigen, mit einer dicken grünen oder weißen Schleife zieren, fertig.
Eierlei: Ausgeblasene braune Eier zerstoßen und in einer flachen Schale verteilen. Ausgeblasene weiße Eier mit Sprühkleber benetzen und darin wälzen. Eine große Osterkerze in die Mitte einer schlichten Schale stellen und die Eierschal-Eier drumherum drapieren.
Windgeschützt: Eine Mischung unterschiedlicher Eier-Sorten um eine hohe dicke Kerze in der Mitte des Glaswind- lichts herumlegen und ein paar Federn einstreuen. Sieht sehr fein aus.
Erste-Hilfe-Deko: Einen Ast, etwa in der Länge des Tisches, auf die Tischplatte legen. Hühner- und Wachteleier in Grüppchen daneben und darunter in Heu- oder Moosnestern platzieren, getrocknete Hortensiendolden am Ast mit Bindedraht befestigen. In verschieden hohe alte Gläser weiße Kerzen oder Hyazinthenpflanzen setzen und am Ast entlang aufstellen. Federn mit der Klebepistole an den Nestern und am Ast befestigen.
Tauchen, kratzen, ätzen, schablonieren
Ringel-Eier: Taucht man die Eier in Gläser, die unterschiedlich hoch mit Farbflüssigkeit befüllt sind, entsteht ein Ringelmuster.
Kunstvoll kratzen: Eier, die in einem kräftigen Farbton gefärbt wurden, können nach dem Erkalten mit einem Federmesser oder einer Klinge eingeritzt werden. Diese Verzierungen der Schale sind sehr fein und erhalten durch unterschiedlichen Druck einen malerischen Duktus.
Säuretrick: Vor dem Färben mit einem Wattestäbchen oder Pinsel Muster oder Worte mit Zitronensaft-Konzentrat auf das gekochte Ei auftragen. Die vorbehandelten Stellen nehmen dann beim Färben keine Farbe an, der Naturton bleibt erhalten.
Silhoutten-Optik: Schöne Motive aus Papier ausschneiden, genauso reizvoll sind Blüten, Bordüren, Blätter. Mit Gummiringen am Ei befestigen oder das Ei in einen Nylonstrumpf stecken, die Schablone an die gewünschte Stelle schieben und das Ganze fest zubinden. Starke Kontraste lassen sich erzielen, wenn man weiße Eier schabloniert und dann färbt. Bei vorgefärbten Eiern entstehen weichere Übergänge.
Das Osterfeuer als Befreiung?
Ursprünglich ein vorchristlicher Brauch auf Brandopferplätzen der Eisen- und Bronzezeit. Als weltliche Volkssitte seit 1559 bezeugt. Der reinigende Schein des Feuers sollte vom finsteren Winter befreien und die junge Saat schützen. Die Asche wurde auf den Feldern als Dünger verstreut. Sicherung der Fruchtbarkeit und Wachstum der Ernte – in Zeiten schwindender Geburtenraten und Hedgefonds aktueller denn je.