Raum gewinnen!
Sie haben das Gefühl, es fehlt an Platz für die vielen großen und kleinen Dinge? Sie haben ihn! Wir zeigen Ihnen, wo.

"OJ"
Müsste man einem Außerirdischen mit einer schlichten Zeichnung unmissverständlich den Begriff „Tischleuchte“ verklickern, sie würde „OJ“ darstellen: Schirm, Ständer, Fuß und, ganz wichtig, Betonung des Kabels: Vorsicht, Strom, ihr grünen Männchen! In konsequenter Simplifikation hat der dänische Designer Ole Jensen für LOUIS POULSEN eine Leuchtenfamilie kreiert, die sehr subtil mit Licht für unterschiedliche Aufgaben umgeht:
Die Wandleuchte empfängt freundschaftlich, die Tischleuchte streut mit der stark konischen Schirmform das Licht und die Stehleuchte bündelt es für all diejenigen, die gern mal wieder Bang oder Kierkegaard lesen möchten. Das Material hat unterschiedliche Stärken und schafft durch die Pulverbeschichtung ganz weiche Übergänge.
Originalität: Lampe darf wieder wie Lampe aussehen, das ist neu und erfrischend.
Trendpotential: Das Zeug zum Klassiker.
Nutzwert: Sanftes und komfortabel blend-freies Licht, menschenfreundliches Design.
"VELA"
Ein kühler Thron, schwimmend oder schwebend? Egal, sagen wir vornehm und distanziert, als empfänge man auf ihm einen Gast in heikler Mission. Die fein tarierte Balance der Geometrie deklariert erhabene Gelassenheit, in jeder Formation der Module. Der Architekt Ramón Esteve entwarf für VONDOM die salonfähige Outdoor-Möbel-Serie „VELA“ und stattete sie mit der Option aus, den Sessel-Korpus in unterschiedlichen Farben zu illuminieren.
Mehr Inszenierung geht nicht. Das extrem leichte Polyethylen-Material ist zu 100 Prozent recycelbar und hält extremen klimatischen Bedingungen von minus 60 bis 80 Grad Celsius stand.
Originalität: Ein Outdoor-Möbel, das in vielen Farben leuchtet – nicht schlecht!
Trendpotential: Der Party-Gag einer Saison.
Nutzwert: Der Effekt wird erhascht. Wem das genügt ...
"ROCKER"
Wer reitet schon auf einer Sanduhr durch die Kindheit? Bei „ROCKER“ ruht der Körper aus Kunststoff in Sanduhrform auf zwei Holzkufen. Damit flitzt es sich wunderbar unkonventionell durch Märchenwälder. Nipa Doshi und Jonathan Levien erschufen die neue Kindermöbel-Kollektion für RICHARD LAMPERT. Materialien wie naturbelassenes Holz und weißer Kunststoff machen aus dem Spielkameraden ein zeitloses Wohnobjekt, einer Skulptur ähnlich und daran gemahnend, dass eine „Pferdehaar-Allergie“ keine Spaß-Bremse sein muss.
/Originalität:/Ästhetik-Prägung für Kinder, fein!
Trendpotential: Puristisches Pferd mit Zukunft.
Nutzwert: Wenn Spielzeug so schön ist, muss es nicht weggeräumt werden.
"LOOP"
Ein Stuhl, eine Wolldecke, ein Teppich oder doch eine Chaiselongue namens LOOP? Die niederländische Designerin Sophie de Vocht bevorzugt die Technik des Tuftens, des Durchheftens mehrerer Garne durch die Gewebebasis. Das Kopf-/Fußteil aus Metall unterstützt die Optionen zwischen entspannen und schaukeln im direkten Kontakt zum Untergrund. Eine Erscheinung, die gewohnte Sitzgewohnheiten aus den Angeln hebt und doch zur Fußfessel für seinen Be-Sitzer werden könnte, wenn der Briefträger mit dem Einschreiben an der Tür läutet.
Originalität: Material und Liegeverhalten neu interpretiert.
Trendpotential: Ein Anstoß, Denkschablonen aufzulösen und noch Besseres zu erfinden.
Nutzwert: Als Kunst-Objekt ja, fürs Wohlbefinden nein.
"BOO BOO"
Kristalline Wucherungen aus Stühlen und Tischen sind fast schon das Markenzeichen des Belgiers Bram Boo, „Designer of the Year 2010“. Sein Kinder-Interieur „BOO BOO“ für FELD verkörpert zudem die Binsenweisheit, dass bellende Hunde nicht beißen. Pädagogisch wertvoll und eine Entlastung für Therapeuten: die Kopfkisten schaffen Ordnung, allerdings weder horizontal noch vertikal. Struktur darf schräg sein und befreit vielleicht auch blockierte Erwachsene vom rechten Winkel im Kopf.
Originalität: Gibt Möbeln Persönlichkeit.
Trendpotential: Klassik mit Humor.
Nutzwert: Ein Tisch mit Regalfach kann nur von Vorteil sein, das Design macht ein Leben lang Spaß.
"REWRITE"
Das Designstudio GamFratesi wurde 2006 in Kopenhagen von der dänischen Architektin Stine Gam und dem italienischen Architekten Enrico Fratesi gegründet. Die Idee, einen eleganten Sekretär namens „REWRITE“ („Neufassung“) für LIGNE ROSET zu kreieren, der filigran eine Blase trägt, die einen Raum im Raum schafft und Blendfreiheit in der Laptop-Epoche ermöglicht, klingt problemlösend. Nur, wie mag man sich unter der Haube fühlen, schwankend zwischen meditativer Edelholz-Klausur und landwirtschaftlichem Kälber-Iglu?
Originalität: Gut gemeint, aber der Charme einer Wahlkabine.
Trendpotential: Warten wir lieber auf bessere Einfälle fürs Computern bei Sonnenschein.
Nutzwert: ???
"POH"
Als Form und selbstlose Skulptur von Raphael Navot konzipiert, fehlt „POH“ gewollt eine funktionale Definition: Wo und wie will sie verwendet werden? Sie bedient nicht unsere Erwartungen, sondern erwartet unsere Interpretation. „POH“ entsteht aus einem Patchwork alter und neuer Stücke unbehandelten Holzes, die nach einem computergenerierten Schema zusammengesetzt werden, das dann an eine numerisch gesteuerte Maschine gesandt wird, die die Form in dreidimensionale Einzelteile schneidet. Archaik an Hightech. Jedes Stück von CAPPELLINI ist einmalig, kann jedoch mit neuer Persönlichkeit reproduziert werden.
Originalität: Pur und schön.
Trendpotential: Die intelligente Kombination neuer und alter Materialien ist eine Herausforderung.
Nutzwert: Möbel ohne ersichtlichenn Zweck laufen Gefahr als „Rumsteh-Omaten“ zu enden.