Salone del Mobile: Veni, vidi, wow!

Für uns war Trendscout Jochen Gräwe beim "Salone del Mobile" auf der Suche nach dem „That‘s-it“-Möbel des Jahres.

Die internationale Designszene gibt sich jedes Jahr in Mailand auf der „Salone del Mobile“ ein Stelldichein. Wer allein das Beste vom Besten sehen will, hat die Qual der Wahl. Für uns war Trendscout Jochen Gräwe auf der Suche nach dem „That‘s-it“-Möbel des Jahres.

Mailand – da darf es schon ein bisschen mehr, ein wenig schräger, in jedem Fall abgefahrener sein, als auf der „imm“ in Köln oder der „Ambiente“ in Frankfurt. Italien ist immer ein paar Schritte weiter und damit wegweisend für die zukünftigen Wohntrends.


Dieses Jahr war in Mailand eindeutig das Jahr der Brüche. Da steht der gradlinige Bauhaus-Chromsessel neben einer Kommode vom Trödel, auf der eine Seventies-Lampe und Opas Foto drapiert wurden. Ich steh auf diesen Stilmix. Auch bei mir zu Hause hat neben dem Apothekerschrank aus den 70ern der röhrende Hirsch vom Flohmarkt seinen Platz. Durch die Kombination von Altem, Traditionellem und Neuem drückt man seinem Zuhause seine Visitenkarte auf, schafft Orientierung. In den eigenen vier Wänden soll ab­lesbar sein, wer dort wohnt, was einem wichtig ist und wel­che Vergangenheit man mit sich trägt – das ist der neue Zeitgeist.


Die Designer in Mailand bedienen sich dafür aus allen Schubladen der Gestaltung und schütteln die Stilelemente wild durcheinander. So wie die Italienerin auf der Straße goldene Prada-FlipFlops mit einer No-Label-Hose und der Bernsteinkette von der Großmutter kombiniert, wird auf der Messe das klassische englische Ledersofa in dunklem Braun mit Swarovski-Steinen aufgestylt. Biedermeier-Füße an einem Tisch fallen durch einen knallweißen Lack­an­strich ins Auge. Rokoko-Sofas verlieren ihre Schwere durch helle Stoffe.



Apropos Stoffe: Historische Blaudrucke, klassische Bro­kat­stoffe und alte Tapetenmotive wurden von allen Desig­nern, allen voran die Niederländer, neu interpretiert. Manchmal mit einer schönen Prise Ironie. Da steckt etwa zwischen goldenen Floralmustern ein Gesicht mit Papp­nase, das der Betrachter erst beim zweiten oder gar dritten Hinschauen bemerkt.

Fast andächtig saß ich bei der italienischen Designerin Paola Lenti und bestaunte ihre wunderschönen Stoffinter­pretationen. Ihre Teppiche sehen aus wie übergroße, zu­sam­mengenähte Topflappen in warmen Farben. Für mich das Highlight der Messe.


Mal abgesehen von der neuen Opulenz, wurde auch der Landhausstil modernisiert. Da sind die Niederländer ebenfalls ganz weit vorne, vielleicht weil für sie das Indoor-Leben so viel repräsentativer ist als für uns Deutsche. Piet Boons Design beispielsweise ist schick und robust mit einer feinen Note. Die Farben bleiben hier dezent natürlich. Schlamm und Fango erweitern die Palette der Braun­töne. Wo es mehr sein darf, etwa bei Regalen im Setz­kastenprinzip, in denen man seine persönliche Geschichte perfekt präsentieren kann, sind auch gelacktes Grün und ein Orangerot zu sehen. Und viel Gold. Doch bei aller Liebe zum Mix der Stile – bei der Kombination von Rokoko und Biedermeier mit Einflüssen vom Gold-Glamour wird es selbst mir zu viel.“


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