Kleines Bad, große Ideen
Manchmal geraten Bäder kleiner als gewollt. Aber es gibt diverse Tricks, selbst solche Miniräume in funktional...

Das Badezimmer
Die großen alten Kulturen kannten bereits private Bäder – allerdings standen sie nur den Spitzen der Gesellschaft offen. Pflege der Körper und der sozialen Kontakte waren seit jeher Funktionen dieser (weitgehend öffentlichen) Institution. Bis zur flächendeckenden Verbreitung des Bades im Privatbereich sollte also noch viel Laugenwasser durch die Abflüsse fließen.
Selbstredend verfügten auch im Mittelalter nur die hohen Herrschaften über diese Möglichkeit der Reinhaltung, meist in Holzzubern Als Unterwäsche in Mode geriet, scheute man die Benetzung von Körperteilen mit Wasser, später dann sollten Düfte und Puder die Hygiene ersetzen.
Die Dusche verdankt Deutschland dem preußischen Militär – das installierte diese in Kasernen. In Privathaushalten hielt das Badezimmer erst vor etwa 60 Jahren Einzug und löste die bis dato gängigen Volksbäder ab. Ein eigenes Badezimmer stellte auch in der damaligen Zeit noch einen immensen Luxus dar. Frankfurter Bad und simple Nasszelle waren Vorläufer heutiger Standards, die sich aktuell ebenfalls wieder im Umbruch befinden: hin zur Wellness-Wohnlandschaft.
Das Schlafzimmer
Der alles beherrschende Alles-in-einem-Raum (kochen, essen, wohnen, arbeiten und schlafen) hat zur Folge, dass das Schlafzimmer sich erst verhältnismäßig spät aus dem Ei der Geschichte pellt. Homer lässt seinen Odysseus zwar schon ein imposantes Bett für seine Penelope zimmern, doch weite Verbreitung findet dieses Möbelstück erst im Mittelalter, das gar nicht so düster war, wie gemeinhin oft angenommen.
Die breite Masse schlief allerdings nach wie vor auf Stroh in einem Raum mit dem Vieh, Adel privilegierte eben. Den Kammerdienern der Herrschaften stand bisweilen ein kleines Kabuff zur Verfügung, das immerhin mit einem dem Bett ähnlichen Lager ausgestattet war. Da privater Wohnraum bis ins 20. Jahrhundert hinein rares Gut war, kam die Vorstellung von einem eigenen Schlafzimmer einer Utopie gleich. Vom Handwerkerstand sind Mietbetten bekannt, die von den jeweiligen „Schläfern“ stundenweise genutzt wurden. So wie gearbeitet wurde, schlief man auch – in Schichten.
Wohnraum war im Nachkriegsdeutschland bis in die 50er-Jahre knapp, erst in den 60ern entspannte sich die Lage. Konnten sich zunächst nur Kleinfamilien eigene Schlafzimmer leisten, sind sie heute in fast allen Familien und Wohnsituationen gängig. Unser Zeitgeist holt nach und nach andere Lebensbereiche wieder mit ins Schlafzimmer zurück.
Die Küche
Am Anfang war das Feuer, und dann gesellte sich ganz schnell die Küche hinzu. Feuerstellen aus den Anfangstagen der Zivilisation haben dabei wenig gemein mit dem, was wir heute Küche nennen. Aber schon im 9. bis 8. Jahrtausend v. Chr. muss es küchenähnliche Gebilde gegeben haben, lassen archäologische Befunde im Raum Jericho vermuten. Sie verweisen auf die zentrale Position der befestigten Feuerstellen. Kochen war folglich sozialer Akt, wobei ganz sicher auch der geringere Aufwand für nur ein Feuer eine Rolle spielte.
Besaßen im antiken Griechenland und Rom Wohlhabende eine eigene Küche, war sie lange Zeit unüblich bei Privatleuten. Die besorgten sich ihre Nahrung in öffentlichen Küchen und Backhäusern. Im europäischen Mittelalter beherrschten noch offene Feuerstellen die Räume. Adlige, wer auch sonst, nannten meist ein eigenes Kochhaus ihr Eigen. Nachdem der Rauchabzug erfunden worden war, zog die Feuerstelle an die Wand. Dem offenen Feuer wurde ein festes Gestell übergestülpt – erste Ziegelöfen entstanden.
Nach und nach durften die sogar schick aussehen. Dieser Gang der Dinge setzt sich bis heute fort, wobei der technologische Fortschritt das Kochen oft mehr zum Hobby denn zur täglichen Pflichterfüllung macht. Wohnen, Essen und Kochen verschmelzen zusehends zu einer Einheit und zur Keimzelle des familiären sozialen Kontaktgeflechts.
Das Wohnzimmer
Dem aktuellen Verständnis nach ist das Wohnzimmer ein sehr junger Ort. Erst musste die Trennung von öffentlichem und privatem Raum erfolgen, bevor Michel sich nach getaner Arbeit aufs Sofa plumpsen lassen konnte. Vorbild waren abermals antike und noch ältere hallenähnliche Räumlichkeiten, die vorwiegend repräsentativen Zwecken dienten. In diesen wurden offizielle Gesandschaften empfangen, Strategien beraten und Gelage abgehalten. Dieses Muster verändert sich im Lauf der Zeit unwesentlich.
Im wörtlichen Sinne gibt es das Wohnzimmer natürlich schon ewig, allerdings umfasste „wohnen“ alle Bereiche inklusive der Viehunterbringung und der Arbeit. Unser heutiges „Entspannungs-Zimmer“ ist eine allmähliche Modifizierung des Salons, der an der Schnittstelle zwischen repräsentativer Außenwirkung und privatem Rückzugsbereich steht. Über die gute Stube, in früheren Wohnformen neben der Küche oft der einzige beheizte Raum, vollzog sich schließlich der Wandel zum Wohnzimmer.
Wer glaubt, diesem Wohnbereich einen ausschließlich privaten Charakter beimessen zu können, der irrt. Schließlich soll über die Ausstattung der eigene Status nach außen vermittelt werden. Das Wohnzimmer zeigt aktuell, wie alle anderen Räume im Haus, die Tendenz zur Ausdehnung und beherbergt immer öfter mehrere Lebensbereiche.