Raufaser aus Wuppertal – seit 150 Jahren

Foto: Erfurt

Die beliebteste Wandbekleidung in Europa wurde einst in Deutschland erfunden und wird dort bis heute produziert

Der Name ist Programm: Raufaser. Wer zu einer solchen Tapete greift, der kauft nicht nur eine Wandbekleidung aus Papier, er erwirbt auch ungezählte kleine Holzfasern zwischen den Papierschichten, die der Oberfläche eine unverwechselbare Struktur geben. Rau wird die Oberfläche so und liefert Eigenart für den Raum, den sie schmückt.

Raufaser kennt heute jeder, denn sie ist die beliebteste Tapetenart in Europa. Aber viele, die sie verkleben, wissen nicht, dass sie damit ein altehrwürdiges Produkt verarbeiten. Eines, das von einem Wuppertaler Apotheker 1864 erfunden wurde. Der Mann hieß Hugo Erfurt und kam nicht von ungefähr auf die Idee, mit solchem Material zu experimentieren. Denn die Erfurts waren schon damals eine Papierdynastie, die sich bereits 37 Jahre früher im engen Tal der Wupper angesiedelt hatte. Gründer war Friedrich Erfurt, ein gelernter Papiermacher und ein weit blickender Mann. Er nutzte das Wasser des Flusses, um seine Papiermühle anzutreiben. Gemeinsam mit Sohn Heinrich schaffte er schon 1844 eine erste Papiermaschine an – spätestens da entwickelte sich die Firma Erfurt zu einem prosperierenden Unternehmen.

Aber es war erst der Enkel des Gründers, der die entscheidende Idee hatte. Eigentlich hatte er nur ein so genanntes Ingrainpapier im Sinn, das bei der Schaufenstergestaltung das teure französische Velours ersetzen sollte. Hugo Erfurt konnte nicht ahnen, dass seine Erfindung eines Tages einen Siegeszug rund um die Welt antreten sollte.



Seine Beliebtheit erfuhr dieser Wandbelag aufgrund vieler positiver Eigenschaften. Denn Erfurt-Raufaser ist mehrfach überstreichbar, die Tapete trägt den „Blauen Engel“, sie ist für Allergiker geeignet, enthält weder PVC noch Weichmacher und ist diffusionsoffen. So trägt sie zur Feuchtigkeitsregulierung im Raum bei. Das umweltbewusste Unternehmen verweist außerdem darauf hin, dass die Holzspäne, die bei Erfurt verarbeitet werden, ausschließlich aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammen.

Seit es neben der klassischen Papiertapete auch eine Vliesvariante gibt, ist Raufaser besonders leicht zu verarbeiten. Weil sie sich nicht wie der Klassiker unter Einfluss von Feuchtigkeit ausdehnt, kann man einfach die Wand einkleistern und dann die Bahnen Stoß an Stoß direkt auf die Wand kleben. Und wer es noch einfacher haben möchte, der wählt die Variante, die bereits weiß gestrichen ist. Längst gibt es natürlich nicht allein die eine Raufaser. Erfurt bietet sein Produkt in unterschiedlichen Körnungen an – in sieben verschiedenen Varianten von fein bis grob. Wobei bei Seitenlicht die gröbste Struktur zugleich das deutlichste Schattenbild auf die Wand zaubert.

All das hat Millionen von Käufern überzeugt. In Deutschland und in weltweit mehr als 30 Ländern, die das Produkt „made in Germany“ für ihre vier Wände einsetzen.


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Lesen Sie den ausführlichen Bericht ab Seite 128 in der Ausgabe März/April 2015 mein schönes zuhause°°°


Michael Schweer de Bailly

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