Design-Show "100 % Design" in London: Zehn ausgewählte Stücke
„100% Design“, einmal im Jahr in London, ist die wichtigste britische Design-Schau mit Kreativköpfen aus aller Welt.

Er hat schon das Rentenalter erreicht. Und doch gibt es für Peter Maly immer noch, immer wieder Neues zu entdecken. Im vergangenen Jahr zum Beispiel. Da begann eine Zusammenarbeit mit dem japanischen Möbelunternehmen Conde House. Eine Kooperation mit besonderem Reiz, denn Maly interessierte sich schon während seines Studiums für die asiatische Kultur, wollte gar seine Diplomarbeit über japanisches Wohnen schreiben. Nun endlich ein guter Grund, das ferne Land zu bereisen, Zen-Tempel zu besuchen, Teezeremonien mitzuerleben und die Menschenmassen in Tokio zu beobachten. Malys Fazit: das Programm „Tosai“, eine Wohnkollektion, in der sich die Perfektion und Holzbautradition Asiens mit dem reduzierten, vom Bauhaus geprägten Design des Hamburgers vereint.
Wie eigentlich alle Entwürfe des gelernten Tischlers zeichnen sich auch die „Tosai“-Stühle, -Tische, -Betten und -Regale für Conde House durch eine perfekte Wahl der Materialien, ausgewogene Proportionen und eine absolute Ehrlichkeit aus. „Design muss Emotionen ansprechen. Trotz aller Ratio muss ein Entwurf begeistern können“, sagt Maly und legt mit solchem Anspruch seine Messlatte damit enorm hoch.
Aber er kann es sich leisten. Denn egal, welchen seiner Partner man nach dem Besonderen des Hanseaten fragt, es werden garantiert Lobgesänge angestimmt. Beispiel gefällig? „Peter Maly hat ein außergewöhnlich gutes Gespür, über der Zeit stehende Design-Klassiker zu entwickeln.“ Sagt Claudia Hieschler von interlübke. Das Unternehmen begleitet der Kreative mit seinen Ideen bereits seit drei Jahrzehnten. Das in den 80er-Jahren von ihm lancierte Kommodenprogramm „duo" ist nach wie vor ein fester Bestandteil der aktuellen interlübke-Modelle. Welcher gehypte Jung-Star kann das schon von sich behaupten?
Unter den unendlich vielen Designern zählen der über 70-jährige Innenarchitekt und seine Werke bis in unsere Tage zu den Besten. „Als ich anfing, war Design noch ein offenes Feld. Man konnte schnell Neues schaffen“, räumt er bescheiden ein. Dagegen sei es heute schwer, mehr als nur eine Variante des bereits Bestehenden zu entwerfen. Wen wundert es da, dass sich Designer bei Kaffeeketten präsentieren und ihre Schöpfungen lediglich für einen kurzen Augenblick gemacht scheinen.
„Möbel sollten vererbt werden“, hat Peter Maly für sich beschlossen. Seine Stühle, Regale, Leuchten oder Klaviere überdauern Zeiten und Trends. Weil sie sich nicht bunt und schrill gebärden oder nach Aufmerksamkeit schreien, sondern zurückhaltend in ihrer Form, praktisch, einfach, klar und langlebig sind. Wie das Maly-Bett, das in seiner unspektakulären, perfekten Einfachheit als eine Ur-Form aller Betten gilt.
Auch wenn manch einer bei einem Produkt von Peter Maly fragt: „Ja, wo ist denn hier das Design?“ Seine Entwürfe setzen sich trotz ihres Understatements ungewöhnlich oft am Markt durch. Autor Bernd Polster erklärt das in dem Buch „Peter Maly Hamburg – Werkbiographie Design“ mit der Fähigkeit des Designers, alle Faktoren, die Verkaufserfolg versprechen, zu berücksichtigen. Seine langjährige Arbeit als Art Director einer Wohnzeitschrift hat ihn geschult, imaginäre Wohnwelten zu schaffen und Einrichtungsthemen in inszenierte Räume umzusetzen. So ist ein von Peter Maly entworfenes Nutzobjekt immer schon im Raum „erprobt“. Weil es nicht allein das Produkt ist, was für ihn zählt, sondern die Lösung eines Raumproblems, so Polster. Und Malys Ideenpotenzial scheint noch lange nicht erschöpft. „Ich bin selbst erstaunt, dass mir immer wieder etwas einfällt“, kommentiert der Mann sein konstantes Streben.
Erwarten wir also weiterhin dauerhaft Neues.