Peter Maly: Dauerhaft Neues

Die Kombination aus U- und L-Elementen, beinfreien Sideboards und einem verbindenden Paneel machen das Regalprogramm „contrast“ zu einem multivariablen Talent.

„Mein Rezept gegen zu schnellen optischen Verschleiß sind klare, geometrische Formen“, sagt Designer Peter Maly. Aus dem Munde eines Mannes im Pensionärsalter, sollte man sich diesen Satz als Einrichtungsweisheit notieren.

Er hat schon das Rentenalter er­reicht. Und doch gibt es für Peter Maly immer noch, immer wieder Neu­es zu entdecken. Im vergangenen Jahr zum Beispiel. Da begann eine Zusammenarbeit mit dem japanischen Möbel­unternehmen Conde House. Ei­ne Ko­operation mit besonderem Reiz, denn Maly interessierte sich schon während seines Studiums für die asiatische Kul­tur, wollte gar seine Diplom­arbeit über japanisches Wohnen schreiben. Nun endlich ein guter Grund, das ferne Land zu bereisen, Zen-Tempel zu besuchen, Teezeremonien mitzuerleben und die Menschenmassen in Tokio zu beobachten. Malys Fazit: das Programm „To­­sai“, eine Wohnkollektion, in der sich die Perfektion und Holzbau­tra­di­tion Asiens mit dem reduzierten, vom Bau­­­haus geprägten Design des Ham­bur­­gers vereint.


Wie eigentlich alle Entwürfe des ge­­lernten Tischlers zeichnen sich auch die „Tosai“-Stühle, -Tische, -Betten und -Regale für Conde House durch eine perfekte Wahl der Materialien, aus­­gewogene Proportionen und eine absolute Ehrlichkeit aus. „Design muss Emo­tionen ansprechen. Trotz aller Ra­tio muss ein Entwurf begeistern können“, sagt Maly und legt mit solchem Anspruch seine Messlatte damit enorm hoch.


Aber er kann es sich leisten. Denn egal, welchen seiner Partner man nach dem Besonderen des Hanseaten fragt, es werden garantiert Lobgesänge angestimmt. Bei­spiel gefällig? „Peter Maly hat ein außer­gewöhnlich gutes Gespür, über der Zeit stehende Design-Klas­si­ker zu entwickeln.“ Sagt Claudia Hieschler von interlübke. Das Unter­nehmen begleitet der Kreative mit seinen Ideen bereits seit drei Jahr­zehn­ten. Das in den 80er-Jahren von ihm lancierte Kommoden­pro­gramm „duo" ist nach wie vor ein fester Bestandteil der aktuellen interlübke-Modelle. Wel­­cher gehypte Jung-­Star kann das schon von sich behaupten?



Unter den unendlich vielen Designern zählen der über 70-jährige Innen­ar­chi­tekt und sei­­ne Werke bis in unsere Tage zu den Besten. „Als ich an­fing, war De­sign noch ein offenes Feld. Man konnte schnell Neues schaffen“, räumt er bescheiden ein. Da­ge­gen sei es heu­te schwer, mehr als nur eine Variante des bereits Bestehenden zu entwerfen. Wen wundert es da, dass sich Designer bei Kaf­fee­ketten präsentieren und ihre Schöpfungen lediglich für einen kurzen Au­gen­blick gemacht scheinen.


„Möbel sollten vererbt werden“, hat Peter Maly für sich beschlossen. Seine Stüh­le, Regale, Leuchten oder Klaviere überdauern Zeiten und Trends. Weil sie sich nicht bunt und schrill gebärden oder nach Auf­merk­samkeit schreien, sondern zu­rück­haltend in ihrer Form, praktisch, einfach, klar und langlebig sind. Wie das Maly-Bett, das in seiner unspektakulären, perfekten Einfach­heit als eine Ur-Form aller Betten gilt.


Auch wenn manch einer bei einem Produkt von Peter Maly fragt: „Ja, wo ist denn hier das Design?“ Seine Ent­würfe setzen sich trotz ihres Under­­­statements ungewöhnlich oft am Markt durch. Autor Bernd Polster erklärt das in dem Buch „Peter Maly Hamburg – Werkbiographie De­sign“ mit der Fä­hig­keit des Designers, alle Faktoren, die Verkaufserfolg versprechen, zu berücksichtigen. Seine lang­jährige Arbeit als Art Director einer Wohnzeitschrift hat ihn ge­schult, imaginäre Wohnwelten zu schaffen und Einrichtungs­themen in inszenierte Räume umzusetzen. So ist ein von Peter Maly entworfenes Nutz­objekt immer schon im Raum „er­probt“. Weil es nicht allein das Produkt ist, was für ihn zählt, sondern die Lö­sung eines Raumproblems, so Polster. Und Malys Ideen­potenzial scheint noch lange nicht erschöpft. „Ich bin selbst erstaunt, dass mir immer wieder etwas einfällt“, kommentiert der Mann sein konstantes Stre­ben.


Erwarten wir also weiterhin dauerhaft Neues.


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