Öfen & Kamine - Etwas Wärme braucht der Mensch

Hans Werner Scholl gilt als einer der Wegbereiter des modernen Ofenbaus. In seiner Werkstatt entstehen Öfen und Kamine, die längst als Klassiker gelten. Jeder Ofen ist ein Unikat, jede einzelne Kachel sorgfältig von Hand gefertigt. Funktionalität ist sein oberstes Gebot - aber meisterhaft verpackt.

Ihre Erfolgsstory klingt wie ein Märchen. 1980 beendeten Sie eine sichere Karriere als Kunst-Erzieher, um sich als Kunst-Keramiker selbstständig zu machen, Öfen und Kamine zu entwerfen und zu bauen. Was trieb Sie an, diesen Sprung ins kalte Wasser zu wagen?


Hans Werner Scholl: Die Energiekrise. Kachelöfen wurden wieder "in" und es gab keine modernen, adäquaten Angebote. Da war plötzlich eine Aufgabe für mich, meine Chance, eigene Kamine und Kachelöfen zu entwerfen. Schon während meines Kunststudiums in Frankfurt am Main habe ich viel mit Keramik experimentiert und gearbeitet.


Trotzdem konnten Sie ja damals noch nicht wissen, dass die Kunden schon wenig später vor Ihrer Werkstatttür Schlange stehen würden.

Hans Werner Scholl: Nein. Die Anfänge waren eher bescheiden. Meine ersten Öfen zeigte ich auf der Frankfurter Frühjahrs- und Herbstmesse, die heute "Ambiente" heißt. Ich verteilte dort Prospekte mit Fotos und Beschreibungen. Der Durchbruch kam aber erst, als eine Architekturzeitschrift ein Sonderheft über Öfen und Kamine herausbrachte und auch meine vorstellte. Die gefielen den Leuten wohl, denn plötzlich erreichte mich jede Menge von Anfragen.



Was faszinierte und fasziniert die Leute an Ihren Öfen?

Hans Werner Scholl: Es war schon immer mein Ehrgeiz, den folkloristischen, klassischen und rustikalen Kaminen und Kachelöfen eine neue Form entgegenzusetzen, sie mit den architektonischen *Ausdrucksformen unserer Zeit in Einklang zu bringen. Das erwies sich schnell als Marktlücke. Ich gehe gestalterisch neue, oft auch unkonventionelle Wege beim Entwurf und Bau von Kachelöfen. Die Palette reicht vom Kachelcheminée mit offenem oder verglastem Flammenspiel bis zum skulpturartigen Ofenschrank aus Stein oder Kacheln. Der Blick aufs Feuer wird durch das Öffnen markanter Ofentüren zum besonderen Ritual - wie im Theater, wenn sich der Vorhang zum ersten Akt hebt, oder beim Öffnen eines Safes, hinter dessen Tür sich etwas sehr Kostbares verbirgt.


Sehen Sie sich als Künstler?

Hans Werner Scholl: Eher als Handwerker, als Keramikdesigner. Die Funktionalität ist bei mir oberstes Gebot, doch natürlich ist jeder Ofen auch ein Kunstwerk, das einen Raum optisch aufwertet.


Wodurch vor allem?

Hans Werner Scholl: Bei meinen Entwürfen bevorzuge ich Kreise und Quadrate, also gerade, geometrische Formen, zum Teil mit verspielten Elementen, und klare, kräftige Farbtöne. Knallige Farben setze ich nur als Kontrastpunkte zu Pastelltönen ein. Nichts soll vom Feuer ablenken. Die Formen und Farben werden sparsam und durchdacht verwendet, der ästhetische Reiz wird nicht durch vordergründigen Zierrat erreicht, ich vertraue vielmehr auf ausgewogene Proportionen und auf das Zusammenspiel der Farben.



Ihre Öfen geben sich also eher bescheiden?

Hans Werner Scholl: So ein Ofen muss als schwergewichtiger Mitbewohner zum einen die nötige Zurückhaltung besitzen, um sich in die Hausgemeinschaft gut integrieren zu können. Genauso wichtig ist aber, ihm den eigenen Charakter und seine Eigenständigkeit zu bewahren.


Wer sind Ihre Kunden?

Hans Werner Scholl: Die zu mir kommen, sind nicht die Ärmsten - Unternehmer, Künstler, Ärzte, Professoren, Freiberufler, aber vor allem Leute mit Geschmack. Sie alle sehnen sich nach einem Zentrum in ihrem Haus, das nicht nur schön aussieht, sondern obendrein Wärme und Geborgenheit verbreitet.


Haben sie bereits klare Vorstellungen, wie ihr zukünftiger Kamin aussehen soll?

Hans Werner Scholl: Das finden wir meist erst gemeinsam heraus. Durch den Grundriss des Hauses, in dem sie bereits leben oder das sie sich bauen wollen, aber vor allem durch die gemeinsamen Gespräche erkenne ich, welche Funktionen der Ofen oder Kamin für sie erfüllen muss: Soll er bequem sein, vielleicht sogar mit einer Bank, auf der man sitzen und sich am Ofen wärmen kann? Soll er eher repräsentative Ansprüche erfüllen? Lieben sie mehr das Spielerische oder bevorzugen sie eine sachliche, strenge Formgebung? Während wir miteinander reden, beginne ich bereits mit den Skizzen.



Wer ist für Sie der entscheidende Impulsgeber? Der Mann, der das Feuer entfacht, oder die Frau, die es hütet?

Hans Werner Scholl: Beide. Allerdings mit unterschiedlichen Interessen. Die Frauen sind meist zuständig für die Form und die Farben - wie beim Autokauf, nur dass meine Kamine kein Handschuhfach haben. Manche Auftraggeber überlassen die Gestaltung aber völlig mir, wollen sich von meinen Entwürfen überraschen lassen. Einmal stand ein Paar vor meiner Tür, das seit Jahren meine Arbeit verfolgt hatte und sich nun ein Haus um einen meiner Öfen bauen lassen wollte.


Um einen, den es anderswo schon gab?

Hans Werner Scholl: Aber nein. Jeder meiner Öfen ist ein Unikat. Die Leute wollen etwas ganz Besonderes, Einmaliges, nichts von der Stange. Kompromisslose Qualitätsansprüche lassen sich auch nicht mit vorgefertigten oder genormten Bauteilen erfüllen. Jede einzelne Kachel, die aus meiner Werkstatt kommt, ist von Hand gefertigt. Zur Zeit brenne ich gerade welche, die eine Kundin auf besonderen Wunsch von mir mit Platin veredeln ließ.


Gibt es einen Kamin, für den Sie sich besonders erwärmen?

Hans Werner Scholl: Es ist immer der, den ich gerade entwerfe und baue. Natürlich kann ich mich an jeden Ofen erinnern, der in meiner Werkstatt entstand, und ich mag sie alle, selbst nach vielen Jahren noch. So habe ich meine Erfüllung gefunden, erreicht, wovon ich immer geträumt habe: kreativ arbeiten, dabei etwas Handfestes entstehen lassen und gut davon leben.



Genau der richtige Zeitpunkt, über Geld zu reden. Wie viel kostet denn so ein Scholl'sches Unikat?

Hans Werner Scholl: Zwischen 15.000 und 17.000 Euro. Daher kommt also der Spruch: "Ich würde dir ohne Bedenken eine Kachel aus meinem Ofen schenken ..." Tatsächlich ein echter Beweis von Großzügigkeit.


Wie viele Öfen und Kamine haben Sie bislang gebaut und verkauft?

Hans Werner Scholl: Etwa 500.


Und wohin?

Hans Werner Scholl: Vor allem in die nähere Umgebung, aber auch nach Berlin, in die Schweiz und nach Luxemburg. Wir würden sie aber selbst in der Antarktis oder auf den Osterinseln fachgerecht aufbauen. Ebenfalls ohne Bedenken!


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