Raum gewinnen!
Sie haben das Gefühl, es fehlt an Platz für die vielen großen und kleinen Dinge? Sie haben ihn! Wir zeigen Ihnen, wo.

Feuer portabel, das klingt verwegen. Die Romantik-Feuerschein-Schwärmerei auf der Eckbank oder dem Frontal-Zweisitzer pochen aufs Gewohnheitsrecht. Natürlich betreten wir Feuer-Bewunderer Neuland: Bislan waren Flammen verlässlich in Schornsteinnähe zu erwarten. Kaum lassen wir uns auf das mobile Flammenspiel ein, trippeln die Bedenkenträger mit dem Feuerlöscher auf dem Parkett von einem Bein aufs andere.
Dabei ist für Sicherheit mehr als gesorgt: „ROLL FIRE“ beispielsweise balanciert seinen kugelgelagerten Edelstahltank beim Rollen souverän aus. Beidseitig angebrachte Glasscheiben schaffen den kompletten Durchblick. Von Magneten gehalten, wird das Glas zum Befüllen des Tanks mit Bioethanol kurzerhand abgenommen. Wer dem Nomadendasein irgendwann Einhalt gebieten möchte kann das per Wandhalterung oder mit einer Halterung für den Stand am Boden tun.
Feuer ohne Asche
Technik wird gern vorgeführt, ist oft Akteur des Designs. Auch die Brennholzlagerung wird thematisiert – man hat im Blick, woraus das Feuer gemacht ist. Beispiel „TURN“. Das um 360 Grad drehbare Modell lässt sich auch stufenweise arretieren. Die Leichtigkeit des frei schwebenden Feuers stellt sich auf die Bedürfnisse seiner Bewunderer und auf alle Richtungen ein: liegend, lesend, schauend, träumend, essend ... Damit nichts kippelt, wird der frei stehende Kamin zur Sicherung mittels Vorbohrungen in der Bodenplatte auf dem Fußboden festgeschraubt. Ein zusätzliches Kontergewicht sorgt im integrierten Stauraumelement für Gewichtsausgleich und Standfestigkeit. „TURN“ kommt ohne Feuerraum-Rost und Aschekasten aus, der optimal geregelte Verbrennungsvorgang begräbt das Vorurteil, Kamine seien pflege-intensiv.
Ökologie und Ökonomie
Ein Feuer mit Holz ist romantisch – und bekömmlich für die Umwelt. Wenn die Technik stimmt. Die Anbieter sind am Ball. Das „ECOplus“-Konzept von HARK wurde kürzlich auf der „Inventions Geneva“, der wichtigsten Erfindermesse der Welt, mit der Goldmedaille ausgezeichnet. Bis zu 70 Prozent weniger Feinstaub, bis zu 40 Prozent weniger Holzverbrauch gegenüber herkömmlichen Feuerstätten kann sich die neu entwickelte Feuerungstechnik zugute halten. Dabei bedient ein „ECOplus“-Ofen unsere Sehnsucht nach Feuer aufs Schönste: mit ruhigen, sich entfaltenden Flammen. Hinter so viel Emotionalität steckt Hightech: Die Wärmeleistung ist deutlich höher als bei herkömmlichen Modellen.
Das Geheimnis liegt in einem vollkommen neuen Feuerraum, den HARK in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut in einem mehrjährigen Forschungsprojekt entwickelt hat: eine speziell geformte Gussmulde, die mit glatter Spezialkeramik ausgekleidet ist und nach oben mit einer neu entwickelten Schaumkeramikplatte abgedeckt wird. Diese Platte ist offenporig, lässt die Abgase hindurch, hält dabei allerdings den größten Teil des Feinstaubs zurück. Die hohen Temperaturen des Kaminfeuers brennen die Keramik bei vollem Betrieb dann wieder frei. Ein in sich stimmiger Kreislauf, der sichtbar und fühlbar macht, was in den Kräften des Feuers steckt, wozu diese Energiequelle fähig ist.
Bei sämtlichen Öfen von Haas+Sohn beispielsweise liegt der Wirkungsgrad zwischen 80 und 95 (!) Prozent. Das heißt, hier raucht nichts ungenutzt aus dem Schornstein, sie wandeln beinahe die gesamte Energie des Brennstoffs in Wärme um. Hoher Romantikfaktor, niedriger Brennstoffpreis – eine Analyse von proPellets Austria, Stand Juli 2010, zeigt: Wer mit Pellets heizt, zahlt für die Erzeugung einer Kilowattstunde (kWh) Raumwärme umgerechnet 4,20 Cent. Scheitholz unterschreitet diesen Wert sogar noch.
Im Vergleich dazu kostet die Kilowattstunde beim Gebrauch von Heizöl 7,63 Cent, bei Strom sogar 18,61 Cent. Zum guten Preis kommt der gute Klimaschutz: Bei der Verbrennung von Holz wird nur so viel CO2 freigesetzt, wie der Baum während seines Wachstums aufgenommen hat. Anders als bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe wird also kein zusätzliches CO2 in die Atmosphäre abgegeben. 1 Kilogramm Scheitholz hat einen durchschnittlichen Heizwert von 4 Kilowattstunden. Mit etwa 2,5 Kilogramm Holz lässt sich 1 Liter Heizöl einsparen – das entspricht einer CO2 -Reduzierung von mehr als 3 Kilogramm.
Ethanol, der sanfte Sieger
Designfeuer mit Bio-Ethanol sind die absolut lässige Alternative ohne Schornstein, Genehmigung, Holzschleppen, Asche oder bei Platznot. Inzwischen kann man Feuer als eine Art 3-D-Bild überall aufhängen. Die Modelle der Serie „fire & flame“ des ausschließlich in Deutschland produzierenden Herstellers artepuro werden mit Bio-Alkohol befeuert. Der große Markt, der sich für portable Feuer schnell auftat, holte die Billigimporte auf den Plan und die Risikoquellen ins Haus. Im Frühjahr 2009 haben sich deutsche Markenhersteller in einem Arbeitskreis zusammengeschlossen und mit dem TÜV eine deutsche Norm für „dekorative Feuerstätten und Ethanolfeuer“ entwickelt. So soll sich die Spreu vom Weizen trennen. Vorm Feuer wollen wir schließlich die schnurrende Katze auf unserem Schoße streicheln – und nicht die Hand am Feuerlöscher haben.