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Design, das ästhetisch-funktionale, auch künstlerisch ambitionierte Gestalten von Produktions- und Gebrauchsmustern und ihr Ergebnis, im Unterschied zur Formgebung aus rein funktionsbezogener Sicht.
So weit die Begriffserklärung in „Meyers Lexikon“. In Wahrheit werden heute schon aus Plastikeierbechern im Ein-Euro-Einzelhandel Designstücke und aus dem massenproduzierten Flokati ein handgefertigter Designteppich. „Der Designbegriff wird inflationär benutzt“, kanzelt Jochen Schmiddem die zeitgeistige Schwemme ab. „Da macht einer nierenförmige Teppiche, über die man ständig stolpert und dazu noch in knallbunten Farben, die sich keiner ins Zimmer packt. Mit Produktdesign hat das nichts zu tun.“ Jochen Schmiddem kann sich solche deutlichen Ansagen leisten. Zu seinen Kunden zählen Namen wie Duravit, Bette oder Sudbrock, er wurde unter anderem mit dem „red dot award“ ausgezeichnet und ist für den „Designpreis der Bundesrepublik Deutschland“ nominiert. Seine Dusche „Cocoon“ begeisterte US-Regisseur Steven Spielberg und in der Hollywood-Schaukel „Swing“ lässt Star-Coiffeur Udo Walz gern seine Beine baumeln.
Jochen Schmiddem lässt als Ausrede für schlechtes Produktdesign nicht den Käufer gelten. Es ist, so seine Überzeugung, immer ein undurchdachter Entwurf, der den Unterschied macht. „Eine Badewanne ist rational betrachtet ein Behältnis, das mit Wasser gefüllt dem Menschen eine halbwegs komfortable Möglichkeit bietet, sich zu waschen“, sagt Jochen Schmiddem. Davon gäbe es zugegebenermaßen mittlerweile genug. Doch lässt man den Berliner über eine Badewanne nachdenken, findet er einen Weg, um den Wasserstand um einige Zentimeter zu erhöhen, ohne dass der Wannenrand dafür ebenfalls in die Höhe wachsen muss. Und so wird aus einer einfachen Wanne ein Badeerlebnis, bei dem man endlich mit den Knien unter Wasser entspannen kann.
Jochen Schmiddem sucht – so viel Gegensatz zum Mainstream muss sein – immer nach der Stecknadel im Heuhaufen, nach dem Mehrwert in der Geschichte, wie er selbst sagt, nach den Emotionen, die eine Sache auslösen kann. Es geht eben immer noch ein bisschen mehr. Umso erstaunter ist er darüber, wie blind doch viele sogenannte Designer über die Masse an Produkten geworden sind. „Selbst junge Designstudenten vermögen nicht mehr, quer zu denken“, kritisiert er. „Weil in den Hochschulen nur noch mit CAD-Programmen entworfen wird, kann keiner mehr zeichnen. Hier wird nicht mehr gescribbelt, nicht mehr über interpretationsfähige Lösungen nachgedacht. Statt sich von der eigenen Fantasie leiten zu lassen, folgen die Studenten einem programmierten Lösungsweg. Eine Katastrophe“, findet der Kreative, der als gelernter Möbeltischler und Bildhauer im wahrsten Sinne des Wortes sein Hand-Werk beherrscht.
Mit ziemlicher Sicherheit hätte kein stereotyper Computer die Duschkabine „Cocoon“ ausgeworfen. Für die futuristische, schimmernde High-Tech-Blase scheint Jochen Schmiddem einen Quantensprung in die Zukunft gemacht zu haben, um mit der Idee einer Wasserkapsel wieder in die Gegenwart zurückzukehren.
Wie visionär die Dusche ist, unterstrich auch der Auftritt der „Cocoon“ in Steven Spielbergs Film „Minority Report“. Der Hollywood-Regisseur stattete Tom Cruise‘ Traum-Appartement damit aus – eine Wohnung, wie sie im Jahr 2054 aussehen soll. Entwürfe wie „Cocoon“, die „Asahikawa-Lounge“ oder die Elfen-Kerzenleuchter mag man mögen – oder auch nicht. In jedem Fall sind sie ambitioniert, ästhetisch, neu und funktional. Was Jochen Schmiddem gestaltet, ist wahrlich Design.