Kleines Bad, große Ideen
Manchmal geraten Bäder kleiner als gewollt. Aber es gibt diverse Tricks, selbst solche Miniräume in funktional...

Ein Gespräch mit Nicole Rösler, Leiterin Marketing International und Produktmanagement, über Luxus im Bad – und was wahren Luxus ausmacht.
Wie ist denn Ihr persönliches Verhältnis zu Luxus?
Nicole Roesler: Er gehört zu den wirklich schönen seiten des Lebens, auf die ich nicht verzichten mag. ich liebe ihn.
Weil er kostbar ist?
Nicole Roesler: Eher das, was ihn so kostbar macht – das immer wieder wunderbare Erleben von etwas Besonderem. Etwas Außergewöhnlichem, Exklusivem.
Verschwendung, Dekadenz und Prunk gehören nicht zu Ihrem Verständnis von Luxus?
Nicole Roesler: Nein. Dieses Luxus-Bild ist von gestern. Selbst wenn das richtig teuer wird, wirkt es am Ende billig. Meine Vorstellung von Luxus hat mit wirklichen Werten zu tun, mit Lebensart und höchster Produktkultur.
Auch mit Besitz?
Nicole Roesler: Wenn es machbar ist – gerne! Das Bad ist sozusagen von Hause aus eine Einladung, sich in diesem besonderen Raum sein Stück Luxus zu schaffen. Kein anderer Ort ist uns so nahe, so wichtig geworden. Es hat weder mit Verschwendung noch mit Egoismus zu tun, wenn ich diesen ICH-Raum zur Luxusoase meiner Privatsphäre mache.
Muss ein Bad nicht in allererster Linie funktionieren?
Nicole Roesler: Natürlich. Das gehört zu den Selbstverständlichkeiten, die man heute voraussetzen darf. Die hohe Schule fängt hier erst an: Wie wird und was macht mein Bad zum Luxus-Erlebnis?
Vor allem die raumprägenden Badprodukte.
Nicole Roesler: Genau genommen sind sie es, die erst die Gelegenheit schaffen, ein Bad zum ultimativen Ort der Kontemplation und des wohlverstandenen Luxus zu machen. um diesen Anspruch ernst zu nehmen, muss man freilich die gewöhnliche Welt der Sanitärobjekte verlassen.
Und auf Kaldewei kommen?
Nicole Roesler: Wir haben den erklärten Anspruch, Kaldewei als Pionier und Stilikone, als führende Premiummarke der Badkultur zu etablieren.
Ist das nicht in erster Linie eine Frage guten Produktdesigns?
Nicole Roesler: Ein neues Designleitbild gehört zum Kern der Idee. Unsere Produkte sollen sich dadurch von anderen unterscheiden, dass ihr Design dem Material genau jene Form gibt, als habe es genau so schon immer aussehen wollen. Das ist ein vielleicht extrem hoher Anspruch. Aber wahrer Luxus lebt nun einmal von einer selbstbewussten, selbstverständlichen Eleganz, die nicht ins Auge fallen, sondern im Gedächtnis bleiben will.
Kaldewei hat große Erfolge eingefahren mit Gestalter- Namen wie Sottsass Associati und Phoenix Design.
Nicole Roesler: Zwei der weltweit besten Designateliers. nicht zuletzt ihr geniales Gefühl für Stil und Form machte Kaldewei zu einem der meistausgezeichneten Anbieter auf dem internationalen Markt – mehr als unsere nun über 70 Designpreise hat keiner. Allein die Duschwanne „Conoflat“ von Sottsass Associati bekam fünf Designpreise als Best of the Best, darunter den „interieur innovation award“ und den „Home Trend award 2011“.
Pionier und Stilikone sein zu wollen, hat eine innere Logik, die aber auch eine Reihenfolge einschließt: erst Pionier, dann Stilikone?
Nicole Roesler: Die Fähigkeit, bahnbrechend Neues zu denken und umzusetzen, Wege zu gehen, die noch keiner ging, gehört zu beidem. Kaldewei, ausgezeichnet als „Marke des Jahrhunderts“, gehört zu den ganz wenigen deutschen Traditionsunternehmen, gerade weil es seine technischen Pioniertaten nie staub ansetzen ließ, aber auch allen Versuchungen widerstand, sie an scheinbar billigere Nachfolger zu verraten. Es ist und bleibt nicht nur eine gute, sondern eine geradezu brillante idee, bei Bade- und Duschwannen auf ein erstklassigen Material wie nahtlosen Stahl mit nahezu unverwüstlicher emailveredelter Oberfläche zu setzen: 30 Jahre Garantie! Wer traut denn seinen Produkten heute so etwas noch zu?
Verlässlichkeit und Wertbeständigkeit sind ein ganz wichtiger Teil eines wieder sehr modernen Produktversprechens: Wirklicher Luxus lebt von bleibenden Werten. Man sieht und man weiß, dass diese Wanne, diese Dusche von Kaldewei etwas besonders Gutes ist, man erlebt es – und hat zugleich die angenehme Sicherheit, dass das viele Jahre auch so bleibt. Ich finde es gut, wie das Bleibende und Haltbare unser modernes Verständnis von Luxus um eine neue Qualität bereichert. So definiert sich auch „nachhaltig“.
Wie passt die gute alte Machart zum neuen stilbestimmenden Anspruch?
Nicole Roesler: Ganz wunderbar. Sie gibt bei der Erkundung neuer Stilwelten eine angenehme Sicherheit. Stilikone zu sein erfordert in unserem Fall, Räume von zugleich außergewöhnlicher und zeitloser Schönheit zu schaffen – und so einen eigenen Badstil. Was den Mut einschließt, sich dabei selbst immer wieder neu zu erfinden.
Die Beschreibung von „Stilwelten“ hat unvermeidlich etwas Willkürliches, aber den großen Vorteil einer Richtungsorientierung. Wie beschreiben Sie denn künftige Kaldewei-Badstilwelten?
Nicole Roesler: „Dezente Opulenz“ zum Beispiel. Weiche Formen, symmetrische Orientierung, eher wuchtige Grundkörper. Hochwertige Metalle, satte, tiefe Töne, die für die Seriosität der Gesamtwirkung sorgen. Der „noble Purismus“ zeichnet sich durch höchste Verarbeitungspräzision, makellose Oberflächen, hochwertigste Materialien und formales Understatement aus, das Raum schafft für zeitgemässen Individualismus.
„Sensitiver Purismus“ versteht sich als Gegenbewegung zur schlichten Ästhetik des Minimalismus, löst sich von strenger Geometrie und gewohnten Seh- und Nutzungsmustern. Er spielt mit neuen Farben, Materialien, Formen und erschafft daraus neue Produktinterpretationen – wenn sie so wollen: formaler Optimismus, leicht, fröhlich, unbeschwert.
Wie finden denn solche Visionen ihren Weg in die deutschen Bäder?
Nicole Roesler: Oft durch neue Baderlebnisse in einem guten Hotel. Daher kommen die Anregungen, die zu guter Letzt erst mit der Neugestaltung des eigenen Refugiums zu Hause ihre Erfüllung finden. 4,6 Millionen Bäder in Deutschland sind älter als 25 Jahre. Was liegt da näher ...