Lust auf Exotik

Wir sprachen mit Laila Suppan aus Wien, Spezialistin für exotische Möbel und Accessoires, über die Lust, Elemente verschiedener Kulturen miteinander zu kombinieren.

Indische Stoffe, chinesische Möbel, Mitbringsel aus aller Herren Länder, Formen- und Farbkonzepte aus dem Orient, aus Afrika oder Asien verschmelzen im modernen Ethno-Stil mit der europäischen Wohnkultur. Wir sprachen mit Laila Suppan aus Wien, Spezialistin für exotische Möbel und Accessoires, über die Lust, Elemente verschiedener Kulturen miteinander zu kombinieren.

Gerade ist wieder einer dieser See-Container für die Suppans eingetroffen. In ihrem Geschäft für Ein­richtung­en im Ethno-Style in Wien, das wie eine Kulisse zu Geschichten aus 1.001 Nacht wirkt, herrscht deshalb ein wenig Hektik. Die barock anmutenden Möbel aus Ägypten gilt es inmitten von kunstvollen Mosaik­tischen aus Marok­ko, Buddha-Statuen aus Indonesien und Hochzeits­schrän­ken aus China stilvoll zu arrangieren.


Was Laila Suppan und ihr Mann Wolfgang hier präsentieren, ist für Menschen gedacht, die sich in der weiten Welt zu Hause fühlen. Wie sie selbst. Viele Jahre lang ist das Paar zu­sammen gereist, hat sich von den Wohnstilen fremder Länder bezaubern lassen, bis es vor sechs Jahren be­schlos­s, seine Begeisterung zum Beruf zu machen. Wenn sie jetzt herumtouren, dann sind sie immer auch auf der Suche nach neuen handgefertigten Möbeln und Accessoires für die Daheimgebliebenen, die sich mit Stü­cken aus aller Herren Länder umgeben möchten.


„Die Europäer hat der Orient immer fasziniert“, sagt Laila Suppan. Bereits die ersten Handlungsreisenden brachten Stoffe, Möbel oder Geschirr mit nach Europa. Die Königshäuser zierten ihre Tische gern mit chinesischem Por­zellan und ihre Gärten mit Teepagoden. Wer als gehobener Bürger seine Woh­nung mit ei­nem marokkanischen Tisch und ja­panischen Tusche­zeichnungen schmü­ck­te, durfte sich Kosmopolit nen­nen. Doch vor hundert Jahren lag der Rest der Welt ziemlich weit hinterm Horizont.


Heute dagegen befinden sich Asien und Afrika quasi um die Ecke, erreichbar in wenigen Flugstunden, allgegenwärtig im Fern­sehen, einen Mausklick entfernt von den eigenen vier Wänden. „Da­mit nimmt die Wohn­kultur ferner Länder stetig Einfluss auf unsere eigene“, sagt Laila Suppan.



Wer sich heute mit fremdländischem Mobiliar einrichtet, will nicht mehr unbedingt Weltläufigkeit demonstrieren. Die wach­sende Lust am Ethno-Style erklärt sich Laila Suppan mit der Sehnsucht, seine private Insel in eine Oase zu verwandeln, in der man vom Alltag abtauchen kann. „Was ich im Urlaub gesehen habe, was mir ge­fällt, womit ich mich wohlgefühlt habe, damit will ich mich auch zu Hause umgeben“, erklärt die 39-Jährige. Ein anderer Grund ist die kreative Vielfalt, die dieser Stil eröffnet. Inspirationen für Interieur-Experimente kommen derzeit vor allem aus Asien, Indien und aus den Ländern rund um das Mittelmeer.


Neu am modernen Ethno-Style: Er kopiert die kulturellen Besonderheiten heute nicht einfach oder versammelt sie in einem wilden Durch­einander, sondern greift be­wusst Elemente verschiedener Kulturen auf, mixt sie und verschmelzt sie mit dem europäischen Wohnstil zu einer neuen Einheit. So fügen sich zurückhaltende chinesische Hochzeits­schränke mit Me­tall­­beschlägen, Kom­moden, Tusche­zeich­nungen, Buddha-Statuen oder Lack­malereien hervorragend in ein puristisches Am­biente. Knallbunte, paillettenbesetzte Stoffe aus Indien oder marokkanische Laternen setzen in einem geradlinigen In­terieur theatralische Akzente.


Ganz persönlich fasziniert Laila Suppan nicht nur die Anders­artigkeit der Formen, Farben und Muster, die sie auf ihren Reisen rund um den Globus entdeckt und dann für ihre Kunden anfertigen lässt. Für sie spiegelt sich im Ethno-Style auch „die Suche nach einer neuen Wertigkeit“. Nicht im Sinne von teuer, sondern von einer Seltenheit, die Möbel aus einer Massen­produktion nicht besitzen. Jedes der Stücke, mit dem sie handelt, ist ein handgefertigtes Unikat. Kein ziselier­tes Metall­tablett, kein Lack­schrank gleicht bei ihr dem anderen, nichts wirkt genormt oder konfektioniert. „Es gibt viel zu schauen, man kann an den Dingen immer etwas Neues entdecken. Das macht ihren besonderen Charme aus.“


Möbel und Acces­soires sind jedoch nicht die allein prä­gen­­den Elemente des Ethno-Stils. Auch die Wände und die Fuß­böden bestimmen wesentlich den Charakter der Räume. Eine exotisch inspirierte Einrichtung kann ih­ren Reiz aus kräftigen, fröhlichen Farben, aus kopierten oder frei erfundenen Or­na­men­ten beziehen.


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