Design-Show "100 % Design" in London: Zehn ausgewählte Stücke
„100% Design“, einmal im Jahr in London, ist die wichtigste britische Design-Schau mit Kreativköpfen aus aller Welt.

Gerade ist wieder einer dieser See-Container für die Suppans eingetroffen. In ihrem Geschäft für Einrichtungen im Ethno-Style in Wien, das wie eine Kulisse zu Geschichten aus 1.001 Nacht wirkt, herrscht deshalb ein wenig Hektik. Die barock anmutenden Möbel aus Ägypten gilt es inmitten von kunstvollen Mosaiktischen aus Marokko, Buddha-Statuen aus Indonesien und Hochzeitsschränken aus China stilvoll zu arrangieren.
Was Laila Suppan und ihr Mann Wolfgang hier präsentieren, ist für Menschen gedacht, die sich in der weiten Welt zu Hause fühlen. Wie sie selbst. Viele Jahre lang ist das Paar zusammen gereist, hat sich von den Wohnstilen fremder Länder bezaubern lassen, bis es vor sechs Jahren beschloss, seine Begeisterung zum Beruf zu machen. Wenn sie jetzt herumtouren, dann sind sie immer auch auf der Suche nach neuen handgefertigten Möbeln und Accessoires für die Daheimgebliebenen, die sich mit Stücken aus aller Herren Länder umgeben möchten.
„Die Europäer hat der Orient immer fasziniert“, sagt Laila Suppan. Bereits die ersten Handlungsreisenden brachten Stoffe, Möbel oder Geschirr mit nach Europa. Die Königshäuser zierten ihre Tische gern mit chinesischem Porzellan und ihre Gärten mit Teepagoden. Wer als gehobener Bürger seine Wohnung mit einem marokkanischen Tisch und japanischen Tuschezeichnungen schmückte, durfte sich Kosmopolit nennen. Doch vor hundert Jahren lag der Rest der Welt ziemlich weit hinterm Horizont.
Heute dagegen befinden sich Asien und Afrika quasi um die Ecke, erreichbar in wenigen Flugstunden, allgegenwärtig im Fernsehen, einen Mausklick entfernt von den eigenen vier Wänden. „Damit nimmt die Wohnkultur ferner Länder stetig Einfluss auf unsere eigene“, sagt Laila Suppan.
Wer sich heute mit fremdländischem Mobiliar einrichtet, will nicht mehr unbedingt Weltläufigkeit demonstrieren. Die wachsende Lust am Ethno-Style erklärt sich Laila Suppan mit der Sehnsucht, seine private Insel in eine Oase zu verwandeln, in der man vom Alltag abtauchen kann. „Was ich im Urlaub gesehen habe, was mir gefällt, womit ich mich wohlgefühlt habe, damit will ich mich auch zu Hause umgeben“, erklärt die 39-Jährige. Ein anderer Grund ist die kreative Vielfalt, die dieser Stil eröffnet. Inspirationen für Interieur-Experimente kommen derzeit vor allem aus Asien, Indien und aus den Ländern rund um das Mittelmeer.
Neu am modernen Ethno-Style: Er kopiert die kulturellen Besonderheiten heute nicht einfach oder versammelt sie in einem wilden Durcheinander, sondern greift bewusst Elemente verschiedener Kulturen auf, mixt sie und verschmelzt sie mit dem europäischen Wohnstil zu einer neuen Einheit. So fügen sich zurückhaltende chinesische Hochzeitsschränke mit Metallbeschlägen, Kommoden, Tuschezeichnungen, Buddha-Statuen oder Lackmalereien hervorragend in ein puristisches Ambiente. Knallbunte, paillettenbesetzte Stoffe aus Indien oder marokkanische Laternen setzen in einem geradlinigen Interieur theatralische Akzente.
Ganz persönlich fasziniert Laila Suppan nicht nur die Andersartigkeit der Formen, Farben und Muster, die sie auf ihren Reisen rund um den Globus entdeckt und dann für ihre Kunden anfertigen lässt. Für sie spiegelt sich im Ethno-Style auch „die Suche nach einer neuen Wertigkeit“. Nicht im Sinne von teuer, sondern von einer Seltenheit, die Möbel aus einer Massenproduktion nicht besitzen. Jedes der Stücke, mit dem sie handelt, ist ein handgefertigtes Unikat. Kein ziseliertes Metalltablett, kein Lackschrank gleicht bei ihr dem anderen, nichts wirkt genormt oder konfektioniert. „Es gibt viel zu schauen, man kann an den Dingen immer etwas Neues entdecken. Das macht ihren besonderen Charme aus.“
Möbel und Accessoires sind jedoch nicht die allein prägenden Elemente des Ethno-Stils. Auch die Wände und die Fußböden bestimmen wesentlich den Charakter der Räume. Eine exotisch inspirierte Einrichtung kann ihren Reiz aus kräftigen, fröhlichen Farben, aus kopierten oder frei erfundenen Ornamenten beziehen.