Licht spricht, der Raum antwortet

'FALLING IN LOVE' von Tobias Grau bietet viele Möglichkeiten. In der Kugel sind dimmbare LED (8 Watt) integriert, leistungsstark und mit bester Farbwiedergabe.

Licht gliedert, gestaltet und erbaut. Profitiert ein Raum davon, kann es ihn sogar verzaubern. Kaum einer weiß das so gut wie Tobias Grau, der Lichtdesigner aus dem hellen Norden.

Das Zeitalter der Aufklärung heißt im Englischen Age of Enlightenment. Das ist eine noch schönere Formulierung als im Deutschen. Aufklärung gleich Erleuchtung! Gerade Räume, egal zu welcher Nutzung, dürfen von schön gesetztem Licht Erleuchtung erwarten. Licht gliedert und gestaltet. Es akzentuiert und differenziert. Licht weitet, erhöht. Und erbaut. Licht kommuniziert im Raum. Es spricht mit ihm. Und wenn seine Sprache besonnen ist, verströmt der Raum in seiner Antwort für den Bewohner gutes Gefühl, gute Stimmung, Wohlbefinden.


„Ein Haus ist nur bewohnbar, wenn es voller Licht und Luft ist“, meinte Le Corbusier dazu. Vor bald 100 Jahren war das eine geradezu umstürzlerische Idee. Heute ist sie Bestand- teil moderner Architektur und Innenarchitektur. Lichtdesigner Tobias Grau geht so weit zu sagen, dass „Licht in einem Wohnraum überhaupt erst das schafft, was wir Atmosphäre nennen. Möbel oder Bilder kommen vielfach erst durch Licht zur Geltung – durch freundliches Tageslicht natürlich, abends aber, also in der Zeit, in der viele Menschen Haus und Wohnung gemeinhin erst nutzen können, durch schöne künstliche Beleuchtung.“


Tobias Grau, einer der angesehensten Licht- und Leuchtendesigner Deutschlands, fügt im Interview hinzu: „Gut beleuchtete Räume verfahren nicht einfach nach dem Motto: je heller, desto besser. Schönes Licht bedeutet immer auch den räumlichen Reiz von hell und dunkel, Licht und Schatten, Vorder- und Hintergrund. Diese Vielfalt erst verleiht Räumen das gewisse Etwas.“



Das freilich wird bei Hausbau und Raumplanung oft genug noch ebenso unterschätzt wie die Lichtplanung selbst – ein erstaunlicher Vorgang, wenn man bedenkt, dass die meisten Menschen sich zu Zeiten im Haus aufhalten, da es ohne künstliches Licht nicht geht. Tobias Grau erlebt diese Unterschätzung auch, teilt aber nicht die Vermutung, dass sich viele Bauherren zwar als Baulaien, aber als Licht-Kenner wähnen. „Für die meisten ist Licht einfach etwas Immaterielles, das sie deshalb unbewusst weniger ernst nehmen als einen Gegenstand, den sie anfassen können. Auch deshalb sehen viele, wenn von Licht die Rede ist, nur die Leuchte ...“


Bewusstseinswandel könnte durch die Lichtrevolution begünstigt werden, die unter dem Kürzel LED im Gange ist. Sie betrifft mehr und mehr das private Wohnen und folglich auch das Wechselspiel von Raum und Licht. Die Leuchtdiode und Halbleitertechnologie der LED stellt trotz ihrer Entwicklungsdynamik für Tobias Grau schon heute „die vielfach bessere Alternative auch fürs private Haus dar“.


Er gibt ein klares Bekenntnis zur LED-Lampe als Leuchtmittel und zu LED-Leuchten als Träger des Leuchtmittels ab. Aber er befürwortet auch in der LED-Revolution differenziertes Herangehen und rechnet beispielsweise „nicht mit hundertprozentiger Bestückung eines Hauses und seiner Räume mit LED. Diese Annahme ist absurd. Die Glühlampe mit ihrem verschwenderischen Energieverbrauch und der großen Hitzeentwicklung wird verschwinden.


Aber die von der Politik mit der Brechstange verordneten Energiesparlampen sicher auch. Sie machen einfach scheußliches Licht und sind mit ihrem hohen Quecksilbergehalt eine große Umweltbelastung. Wir nutzen zu Hause keine einzige Energiesparlampe.“ Niedervolthalogenlampen und LED besäßen demgegenüber große Zukunft. „Gute LED sind in puncto Farbwiedergabe und Brillanz inzwischen so weit, dass Sie Glühlampen und LED nicht mehr unterscheiden können – ganz abgesehen davon, dass Sie mit den LED Strom sparen können bis zum Umfallen. Allerdings sollten Kunden beim Erwerb nachfragen: Weist die Farbwiedergabe einen Index von 90 und mehr auf? Wenn ja, ist das in Ordnung. Ist die LED-Leuchte dimmbar? Und wenn ja, ist sie‘s am Schalter oder nur an der Leuchte?“



Kein Grund, zu warten


Generell sieht Tobias Grau keinen Grund, mit dem Ein- oder Umstieg auf LED in privaten Räumen zu warten. „Gute LED sind so weit, dass sie leistungsstarkes Licht erzeugen. Ihre Effizienz wird noch wachsen, der Endverbraucherpreis dagegen tendenziell sinken – nicht im Sturzflug, aber moderat. Wichtig: Die größten Entwicklungssprünge für die LED sind bereits erfolgt. Jetzt kommen schrittweise kleinere Verbesserungen. Aber ich rechne mit keiner vollkommen neuen Technologie, die die LED in wenigen Jahren infrage stellen könnte. Sie sind hier, um zu bleiben – nicht, um zu gehen.“


Tobias Graus Überzeugung vom bleibenden Wert sich verfeinernder LED ist für die „Zweibahnstraße“ Raum-Licht-Raum von Belang. „Für das Genießen privater Räume öffnen sie ganz neue Türen. Als Designer kann ich Lampen künftig viel stromsparender und flexibler verbauen. Licht und Leuchten, die mit der Glühlampe immer auch eine heiße und heikle Angelegenheit waren, kann ich wegen der niedrigeren Temperaturen künftig auch mal irgendwo ablegen, wie wir das mit der Leuchte ,FALLING IN LOVE‘ zeigen. Und ich denke, dass die neuen Chancen für Energiesparsamkeit, gestalterische Beweglichkeit und funktionale Gelenkigkeit dazu führen werden, dass in den privaten Räumen künftig wieder unterschiedliche Lichtquellen und mehr Akzente gesetzt werden als zur Zeit der einsamen Deckenleuchte für ein ganzes Zimmer.“ Räume dürfen sich freuen.


Die Raumwahrnehmung auch. Neue Aufklärung naht.


Im Profil: Tobias Grau


Designer Tobias Grau (1957) und Ehefrau Franziska führen die Tobias Grau GmbH, gegründet 1984. Drei Jahre später bringt Grau seine erste Leuchtenkollektion heraus. Die Internationalität der Marke wächst rasch – ebenso die Zahl der gewonnenen Preise. 2006 erhält die Bürostehleuchte „GO FLOOR“ den „Designpreis der Bundesrepublik Deutschland“ in Gold. 2007 erste LED-Leuchten; Stehleuchte „GO XT FLOOR“ bekommt den „iF Design Award“ in Gold.


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