Licht: Der Genussverstärker

Mit dem neuen Haus wächst meist auch der Wunsch nach neuer Beleuchtung. Auch in der Küche.

Mit dem neuen Haus wächst meist auch der Wunsch nach neuer Erleuchtung. Gut so, denn die Lichtplanung verdient kein Schatten­dasein. Wir nehmen uns in jedem Heft einen Haus­bereich vor und schauen, wie man ihn am besten ins rechte Licht setzt. Ratgebende Lichtgestalt an unserer Seite: die international renommierte Hamburger Lichtplanerin Ulrike Brandi (links). Blickpunkt heute: die Küche

Wo sich fast alles um Geschmack und Genuss dreht, in der Küche also, darf man auch von der Begleitbeleuchtung ein paar Glanzpunkte erwarten! Wo der Umgang mit scharfen Messern und heißen Töpfen manchmal nachts noch an der Tagesord­nung ist, freut sich auch das beste Auge über gutes Licht.


Lichtplanerin Ulrike Brandi gewinnt der Fra­ge nach einer sowohl zweckmäßig als auch schön beleuchteten Küche noch einen As­pekt ab, der für Lebensnähe und Männer­kenntnis spricht: „Das hängt zuerst davon ab, ob der Hausherr oder die Haus­herrin kocht. Kocht der Hausherr, sollte man das Licht gut runterdimmen können, damit man zum Schluss das Chaos nicht so sieht. Da hat das Licht eine befriedende Wirkung ...“


Wir haben Frau Brandi mit Blick darauf, dass die moderne Küche immer öfter kein separierter, weggesperrter Raum, sondern flie­ßender Teil des Wohn-Ess-Bereichs ist, ge­fragt, welche Folgen sich daraus für Licht­planung und -ausführung ergeben? Zumal die Küche einerseits mehr als jeder andere Bereich im Haus der Ort für streng funktionale Pflichten, andererseits aber auch ein Schauplatz ist, an dem Sinnlichkeit und Lei­­­denschaft gern ein bisschen auf Tem­peratur kommen dürfen. Was bedeutet all das für eine Beleuchtung, die passend und stimmungsvoll zugleich ist?


Ulrike Brandi ist entschieden: „Auch das Kü­chen­licht soll wohnlich sein, warm. Ge­rich­tetes Licht über den Arbeitsflächen, montiert unter eventuellen Oberschränken, ist notwendig. Wer hier Leuchtstofflampen benutzt, sollte das warmweiße Licht einsetzen. Halo­genglühlampen sind gut.“



Skeptisch ist sie hingegen gegenüber einer Lichtquelle, der zweifellos die Zukunft ge­hört, am Herd heute aber noch nicht ohne Weiteres die beste Lösung darstellt: „LED‘s sind schlecht in der Küche, sie haben noch keine ausreichend gute Farbwiedergabe. Die jedoch ist wichtig bei der Essenszubereitung. Arbeits- und Essbereich sollen differenziert schaltbar sein, das nützt den Funk­tio­nen, der Gemütlichkeit und spart Energie. Zum Essen möchte keiner die De­ckenleuchte von oben strahlen lassen, die beim Sauber­ma­chen gebraucht wird. Über dem Esstisch eine Pen­delleuchte – auf dem Tisch eine Kerze –, und die Küche ist der romantischste und anziehendste Ort des Hauses. Wie wir ja bei Partys immer wieder feststellen.“


Auch in der Küche gibt es gelegentlich Be­reiche, die unterbelichtet sind – manchmal sogar mit schmerzhaften Folgen für das Personal. Ulrike Brandi: „Das Licht über dem Herd, oft etwas lieblos in die Dunst­ab­­zugs­haube integriert, ist meist zu schwach. Ein zusätzlicher Spot kann da rasch Abhilfe bringen und dafür sorgen, dass man die Töp­­fe gut überwachen kann.


Das betrifft übrigens Küchenzeile wie frei stehende Koch­inseln.“ Richtige Beleuchtungsstärke auf den Ar­beits­­flächen verlangt nach jeweils mindes­tens 500 Lux. Die Leuchten sollten daneben so be­schaffen und platziert sein, dass harte Schat­­ten auf den Arbeitsflächen vermieden und unter Hängeschränken möglichst flache, einzeln schaltbare Leuchten montiert werden.


Wir berichten Frau Brandi von der Abnei­gung vieler Frauen – noch immer ganz sicher die Hauptakteure in der Küche – gegenüber Neonlicht an Kochtopf und Pfanne. Ihr Kom­­mentar dazu: „Diese Frauen meinen in der Regel Leuchtstofflampen, die umgangssprach­­­lich oft als Neonröhren laufen. Hier vergreifen sie sich häufig und kaufen die neu­tralweiße oder tageslichtweiße Leucht­stofflampe. Warmweiße und ,Luxus‘-warmweiße sind dagegen viel angenehmer.“



Ein anderer Punkt, der in der Küche Beach­tung verdient, ist die Materialwahl bei Leuch­­­­ten. Generell erleichtern glatte Oberflächen die Reinigung. Frau Brandi lässt keinen Zweifel: „Wer viel frittiert und brutzelt, hat weder Textil- noch Papier­leuchten in der Küche. Die stinken sonst schnell.“ Also lieber Stahl oder Alu­minium, Plastik oder Glas.


Doch die Lichtplanerin aus Hamburg ist noch mit einem weiter reichenden Rat zur Stelle, wenn es um die richtige Vorgehensweise in der Küche geht: „Erster Schritt bei der Leuch­­­ten­auswahl sollte sein, den Licht­charakter zu betrachten: Breit,strahlend, eng ­bündelnd, diffus oder brillant, wärmer oder kühler, heller, dunkler, dimmbar. Erst der zweite Blick sollte dem Design gelten. Die meisten ma­­chen es leider umgekehrt und stellen dann frustriert zu Hause fest, dass der Raum, an­­ders als erhofft, plötzlich ganz ungemütlich wirkt.“


Ganz große Stücke hält Ulrike Brandi auf ei­ne weitgehende Nutzung von Tageslicht in der Küche. „Eine Arbeitsfläche mit Blick aus dem Fenster – oder der Esstisch in Fens­ter­nähe, das ist herrlich! Tageslicht auf der Ar­­beitsfläche hilft Strom sparen und ist meist viel heller als das Kunstlicht. Helle Flä­chen im Fensterbereich reflektieren zu­dem das Tageslicht in den Raum. Auch die Kü­chen­kräuter lieben es und ho­len auf diese Weise gleich noch den Garten ins Haus.“


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