Lichtregie fürs Haus
Wie wird die Beleuchtung von Räumen ihren drei Aufgaben – Funktion, Komfort, Ambiente – gerecht? Ein Rundgang durchs...

Wo sich fast alles um Geschmack und Genuss dreht, in der Küche also, darf man auch von der Begleitbeleuchtung ein paar Glanzpunkte erwarten! Wo der Umgang mit scharfen Messern und heißen Töpfen manchmal nachts noch an der Tagesordnung ist, freut sich auch das beste Auge über gutes Licht.
Lichtplanerin Ulrike Brandi gewinnt der Frage nach einer sowohl zweckmäßig als auch schön beleuchteten Küche noch einen Aspekt ab, der für Lebensnähe und Männerkenntnis spricht: „Das hängt zuerst davon ab, ob der Hausherr oder die Hausherrin kocht. Kocht der Hausherr, sollte man das Licht gut runterdimmen können, damit man zum Schluss das Chaos nicht so sieht. Da hat das Licht eine befriedende Wirkung ...“
Wir haben Frau Brandi mit Blick darauf, dass die moderne Küche immer öfter kein separierter, weggesperrter Raum, sondern fließender Teil des Wohn-Ess-Bereichs ist, gefragt, welche Folgen sich daraus für Lichtplanung und -ausführung ergeben? Zumal die Küche einerseits mehr als jeder andere Bereich im Haus der Ort für streng funktionale Pflichten, andererseits aber auch ein Schauplatz ist, an dem Sinnlichkeit und Leidenschaft gern ein bisschen auf Temperatur kommen dürfen. Was bedeutet all das für eine Beleuchtung, die passend und stimmungsvoll zugleich ist?
Ulrike Brandi ist entschieden: „Auch das Küchenlicht soll wohnlich sein, warm. Gerichtetes Licht über den Arbeitsflächen, montiert unter eventuellen Oberschränken, ist notwendig. Wer hier Leuchtstofflampen benutzt, sollte das warmweiße Licht einsetzen. Halogenglühlampen sind gut.“
Skeptisch ist sie hingegen gegenüber einer Lichtquelle, der zweifellos die Zukunft gehört, am Herd heute aber noch nicht ohne Weiteres die beste Lösung darstellt: „LED‘s sind schlecht in der Küche, sie haben noch keine ausreichend gute Farbwiedergabe. Die jedoch ist wichtig bei der Essenszubereitung. Arbeits- und Essbereich sollen differenziert schaltbar sein, das nützt den Funktionen, der Gemütlichkeit und spart Energie. Zum Essen möchte keiner die Deckenleuchte von oben strahlen lassen, die beim Saubermachen gebraucht wird. Über dem Esstisch eine Pendelleuchte – auf dem Tisch eine Kerze –, und die Küche ist der romantischste und anziehendste Ort des Hauses. Wie wir ja bei Partys immer wieder feststellen.“
Auch in der Küche gibt es gelegentlich Bereiche, die unterbelichtet sind – manchmal sogar mit schmerzhaften Folgen für das Personal. Ulrike Brandi: „Das Licht über dem Herd, oft etwas lieblos in die Dunstabzugshaube integriert, ist meist zu schwach. Ein zusätzlicher Spot kann da rasch Abhilfe bringen und dafür sorgen, dass man die Töpfe gut überwachen kann.
Das betrifft übrigens Küchenzeile wie frei stehende Kochinseln.“ Richtige Beleuchtungsstärke auf den Arbeitsflächen verlangt nach jeweils mindestens 500 Lux. Die Leuchten sollten daneben so beschaffen und platziert sein, dass harte Schatten auf den Arbeitsflächen vermieden und unter Hängeschränken möglichst flache, einzeln schaltbare Leuchten montiert werden.
Wir berichten Frau Brandi von der Abneigung vieler Frauen – noch immer ganz sicher die Hauptakteure in der Küche – gegenüber Neonlicht an Kochtopf und Pfanne. Ihr Kommentar dazu: „Diese Frauen meinen in der Regel Leuchtstofflampen, die umgangssprachlich oft als Neonröhren laufen. Hier vergreifen sie sich häufig und kaufen die neutralweiße oder tageslichtweiße Leuchtstofflampe. Warmweiße und ,Luxus‘-warmweiße sind dagegen viel angenehmer.“
Ein anderer Punkt, der in der Küche Beachtung verdient, ist die Materialwahl bei Leuchten. Generell erleichtern glatte Oberflächen die Reinigung. Frau Brandi lässt keinen Zweifel: „Wer viel frittiert und brutzelt, hat weder Textil- noch Papierleuchten in der Küche. Die stinken sonst schnell.“ Also lieber Stahl oder Aluminium, Plastik oder Glas.
Doch die Lichtplanerin aus Hamburg ist noch mit einem weiter reichenden Rat zur Stelle, wenn es um die richtige Vorgehensweise in der Küche geht: „Erster Schritt bei der Leuchtenauswahl sollte sein, den Lichtcharakter zu betrachten: Breit,strahlend, eng bündelnd, diffus oder brillant, wärmer oder kühler, heller, dunkler, dimmbar. Erst der zweite Blick sollte dem Design gelten. Die meisten machen es leider umgekehrt und stellen dann frustriert zu Hause fest, dass der Raum, anders als erhofft, plötzlich ganz ungemütlich wirkt.“
Ganz große Stücke hält Ulrike Brandi auf eine weitgehende Nutzung von Tageslicht in der Küche. „Eine Arbeitsfläche mit Blick aus dem Fenster – oder der Esstisch in Fensternähe, das ist herrlich! Tageslicht auf der Arbeitsfläche hilft Strom sparen und ist meist viel heller als das Kunstlicht. Helle Flächen im Fensterbereich reflektieren zudem das Tageslicht in den Raum. Auch die Küchenkräuter lieben es und holen auf diese Weise gleich noch den Garten ins Haus.“